Aktivrente: 9.000 Altersrentner zusätzlich erwerbstätig im März
20.06.2026 - 10:34:28 | boerse-global.de
Rund 30 Empfehlungen sollen die Lebensarbeitszeit in Deutschland verlängern. Bundeskanzler Merz und Bundesministerin Bas nahmen das Papier entgegen. Die Koalition will noch vor der Sommerpause eine gesetzliche Neuregelung auf den Weg bringen.
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Uneinigkeit bei zentralen Reformvorschlägen
Die Einigung auf ein Gesamtpaket gelang in der Nacht zum 18. Juni. Doch die Abstimmung in der 13-köpfigen Kommission unter Vorsitz von Frank-Jürgen Weise und Constanze Janda verlief nicht einstimmig. Bei einzelnen Reformpunkten gab es Gegenstimmen und Enthaltungen.
Bas verwies darauf, dass eine vollständige Umsetzung der Vorschläge vor allem bei einem einstimmigen votum vorgesehen gewesen sei. Zu den diskutierten Maßnahmen gehören die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung sowie eine stärkere Förderung der betrieblichen und privaten Vorsorge.
Die schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre bis 2031 steht bereits fest. Gewerkschaften wie Verdi und Sozialverbände wie VdK und SoVD lehnen weitere Anhebungen strikt ab. Sie bezeichnen solche Pläne als faktische Rentenkürzungen.
Immer mehr Frührentner arbeiten weiter
Aktuelle Daten belegen einen Trend zum längeren Verbleib im Erwerbsleben. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom 18. Juni zeigt: Seit dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenzen 2023 ist die Zahl der arbeitenden Frührentner sprunghaft gestiegen.
Bei langjährig Versicherten mit mindestens 45 Versicherungsjahren stieg der Anteil derer, die neben der Rente mehr als einen Minijob ausüben, von 10 Prozent (2019) auf 25 Prozent (2023). Auch bei Personen mit mindestens 35 Versicherungsjahren kletterte die Quote von 19,4 Prozent (2020) auf 24 Prozent (2024).
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Das IW warnt: Dieser Trend belaste die Rentenversicherung auf der Ausgabenseite, da Rentenansprüche früher geltend gemacht werden.
Aktivrente kurbelt Beschäftigung im Mittelstand an
Seit dem 1. Januar 2026 gilt die sogenannte Aktivrente. Sie erlaubt Altersrentnern, monatlich bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuzuverdienen. Zusammen mit dem Grundfreibetrag ergibt sich ein steuerfreier Betrag von monatlich 3.029 Euro.
Eine Auswertung des IT-Dienstleisters Datev vom 19. Juni belegt die Wirksamkeit. Im ersten Quartal 2026 stieg die Beschäftigung von sozialversicherungsfrei arbeitenden Altersvollrentnern in mittelständischen Unternehmen um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich fiel das Plus im März mit 3,2 Prozent aus.
Experten schätzen, dass allein im März etwa 9.000 zusätzliche Altersrentner bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 20 Stunden erwerbstätig waren. Die Aktivrente wird branchenübergreifend genutzt – mit Schwerpunkten in Handel, Baugewerbe, Energiebranche und verarbeitendem Gewerbe.
Hürden für ältere Arbeitssuchende bleiben
Trotz der positiven Dynamik bei Rentnern warnen Arbeitsmarktexperten vor strukturellen Problemen für die über 55-Jährigen. Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, appellierte an die Arbeitgeber, ältere Beschäftigte nicht frühzeitig ins berufliche Abseits zu drängen.
Die Erwerbstätigenquote älterer Menschen ist zwar gestiegen, das durchschnittliche Renteneintrittsalter liegt knapp unter 65 Jahren. Doch Arbeitslose über 55 haben laut BA-Berichten weiterhin deutlich geringere Chancen auf eine Neuanstellung als jüngere Bewerber.
Um das Ziel der Rentenkommission zu erreichen, müsse nicht nur die Motivation der Arbeitnehmer gestärkt werden. Auch die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen gegenüber älteren Fachkräften müsse steigen.
