Aktionstag, Metall

Aktionstag 21. September: IG Metall mobilisiert 100.000 gegen Stellenabbau

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 17:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die IG Metall mobilisiert für Aktionen an mehr als 200 Orten. Im Mittelpunkt stehen Jobsicherung, VW-Standorte und Streit um Arbeitszeit.

IG Metall plant bundesweite Proteste gegen Stellenabbau
Eine weitläufige, menschenleere Industrieanlage mit hohen Schornsteinen und Fabrikhallen bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Die Gewerkschaft IG Metall bereitet für den 21. September 2026 einen bundesweiten Aktionstag vor, um gegen den drohenden Stellenabbau in der deutschen Automobilindustrie zu protestieren. Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ sind an über 200 Orten Kundgebungen und Aktionen geplant.

Die Organisatoren rechnen mit einer Beteiligung von mehr als 100.000 Menschen, wie aus Berichten von Mitte September 2026 hervorgeht. Rund 80 Geschäftsstellen der Gewerkschaft koordinieren die Proteste, die sich gegen aktuelle Abbaupläne und für die Standortsicherung richten.

Regionale Schwerpunkte und Forderungen an VW-Standorten

Ein Fokus der Mobilisierung liegt auf den Standorten der Volkswagen AG sowie deren Zulieferern. Protestaktionen sind insbesondere in Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm angekündigt. In Emden fordern die Beschäftigten des VW-Werks sowie der Zulieferer Brose Sitech und Sese Industrial Investitionen in die lokale Infrastruktur, darunter die Modernisierung der Lackiererei.

Der Betriebsrat pocht zudem auf die Einhaltung von Zusagen aus dem Jahr 2024, insbesondere hinsichtlich der Produktion des neuen ID.4-Modells. Neben Forderungen nach Zukunftsprodukten verlangt die Gewerkschaft Sparmaßnahmen im Management sowie die Einführung von Industriestrompreisen und Zöllen auf chinesische Plug-in-Hybride.

Anzeige

Wer sich in der aktuellen Krise für die Belange der Belegschaft einsetzt, braucht eine starke Verhandlungsposition gegenüber der Geschäftsführung. Diese kostenlose Muster-Betriebsvereinbarung hilft dabei, Mitbestimmungsrechte rechtssicher zu gestalten und das Beste für die Kollegen herauszuholen. Kostenlose Muster-Betriebsvereinbarung jetzt herunterladen

In Baden-Württemberg konzentrieren sich die Aktionen auf bedeutende Industriestandorte. Betroffen sind unter anderem Daimler Truck in Gaggenau, Bosch in Abstatt und Reutlingen sowie Mercedes-Benz in Sindelfingen. Auch bei Porsche und Mahle sind Proteste geplant.

Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg, erklärte dazu, dass die Beschäftigten nicht für die Fehler der Vorstände zahlen dürften. Als Ursachen für die aktuelle Krise benennt die Gewerkschaft Fehlentscheidungen der Führungsebene, zu geringe Investitionen, den Absatzrückgang in China sowie internationale Handelskonflikte.

Konflikte um Arbeitszeit und soziale Sicherung

Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Gestaltung der Arbeitszeit. Während die Gewerkschaft an der 35-Stunden-Woche festhält, wird aus Industriekreisen Druck in Richtung Mehrarbeit laut. Nach Angaben des ZF-Betriebsratschefs Schäfer gebe es Forderungen nach fünf Stunden unbezahlter Mehrarbeit pro Woche. Gewerkschaftschefin Christiane Benner bezeichnete die aktuellen Pläne zum Arbeitsplatzabbau als einen beispiellosen Angriff auf die Beschäftigten.

Diese Auseinandersetzungen betten sich in eine breitere Welle sozialpolitischer Proteste ein. Für den 26. September 2026 hat der DGB Baden-Württemberg zu einer Demonstration in Freiburg aufgerufen. Kritisiert werden dort geplante Kürzungen im Sozialbereich zugunsten der Rüstungsausgaben.

Der VdK Bayern plant zudem eine Demonstration am Münchener Königsplatz, um gegen den Abbau sozialer Errungenschaften und für eine menschenwürdige Pflege sowie bezahlbare Gesundheit zu demonstrieren. VdK-Vertreter äußerten Besorgnis über den Verlust sozialer Standards, während SPD-Politiker Endres Verbesserungen statt Blockaden forderte.

Debatte um Rentenreform und Arbeitsschutz

Parallel zu den Protesten sorgt ein Vorschlag der Alterssicherungskommission für Diskussionen. Die Kommission empfiehlt die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren.

Stattdessen solle ein neuer Rentenzugang für gesundheitlich beeinträchtigte Personen nach 35 Versicherungsjahren geschaffen werden, der zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze abschlagsfrei möglich wäre – allerdings geknüpft an eine Gesundheitsprüfung.

Laut Berechnungen der Kommission könnten durch die Streichung der bisherigen Regelung pro Rentenjahrgang etwa 430 Millionen Euro eingespart werden. Bei einer Verschiebung um ein Jahr lägen die Einsparungen bei rund 6,5 Milliarden Euro.

Die Organisation DIE FAMILIENUNTERNEHMER warnte vor Ausnahmen bei dieser Reform. Präsidentin Marie-Christine Ostermann bezeichnete die Rente mit 63 als Faktor, der Fachkräfte vorzeitig aus dem Markt getrieben habe, und mahnte vor einer bloßen Symbolpolitik durch zu großzügige Übergangsfristen.

Kritik kommt zudem von Arbeitsmedizinern und Gewerkschaften am BMAS-Konzept für einen effizienteren Arbeitsschutz. Berichten zufolge entsprechen derzeit nur etwa 10 Prozent der Gefährdungsbeurteilungen den gesetzlichen Anforderungen. Die Mindestbesichtigungsquote von 5 Prozent werde bundesweit unterschritten und liege meist unter 2,5 Prozent, was den Schutz der Beschäftigten am Arbeitsplatz gefährde.

Anzeige

Da ein Großteil der Gefährdungsbeurteilungen in Betrieben derzeit nicht den gesetzlichen Standards entspricht, riskieren viele Verantwortliche rechtliche Konsequenzen. Dieser kostenlose Report liefert praxiserprobte Vorlagen und Checklisten, um behördenkonforme Dokumentationen schnell und sicher zu erstellen. Gefährdungsbeurteilung: Jetzt kostenlose Vorlagen sichern

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70112036 |