Aktionstag 21. September: IG Metall mobilisiert 100.000 gegen Stellenabbau
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der deutschen Automobil- und Zuliefererindustrie zeichnet sich eine massive Protestwelle ab. Laut Berichten vom 14. September 2026 plant die IG Metall für den 21. September 2026 einen bundesweiten Aktionstag, um gegen den drohenden Stellenabbau und geplante Einschnitte in der Branche zu demonstrieren. Die Gewerkschaft rechnet mit mindestens 100.000 Teilnehmern, die sich an über 200 Aktionen in rund 80 Geschäftsstellen beteiligen sollen.
Protestschwerpunkte und regionale Mobilisierung
Die geplanten Aktionen am 21. September 2026 konzentrieren sich insbesondere auf große Standorte der Automobilhersteller. Schwerpunkte der Proteste liegen bei Volkswagen in Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm. Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“ rufen lokale Gliederungen zudem in der Region Hildesheim zu Kundgebungen auf, unter anderem bei Robert Bosch HiP, KSM Castings sowie bei ZF in Gronau.
Im Saarland mobilisiert die Gewerkschaft zudem die Beschäftigten des Zulieferers AIOS (Automotive Integrated Overhead Systems) zu einem Warnstreik in Überherrn.
Das Unternehmen, das rund 240 Mitarbeiter im Saarland beschäftigt und Innenraumteile für Mercedes-Benz fertigt, befindet sich in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Nachdem das Management bereits im Juni über ein mögliches Insolvenzverfahren informiert hatte, kam es im August zu Verzögerungen bei den Lohnzahlungen.
Forderungskatalog und industriepolitische Ziele
Im Zentrum des Aktionstags stehen weitreichende Forderungen zur Sicherung der Industriestandorte. Die IG Metall verlangt verstärkte Investitionen in zukünftige Technologien wie die Batteriefertigung und das autonome Fahren. Zudem setzt sich die Arbeitnehmervertretung für wettbewerbsfähige Industriestrompreise sowie die Einführung von Zöllen auf chinesische Plug-in-Hybride ein.
Gleichzeitig wendet sich die Gewerkschaft gegen Bestrebungen der Arbeitgeberseite, die Arbeitszeiten auszuweiten. Kritisiert wird insbesondere die Forderung nach einer 40-Stunden-Woche mit fünf unbezahlten Mehrstunden pro Woche. Die IG Metall fordert stattdessen lokale Produktionsvorgaben, um die Auslastung der heimischen Werke zu garantieren.
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Krisenstimmung bei großen Herstellern und Zulieferern
Die Branche steht unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 haben bereits 40.000 Menschen in der deutschen Automobilbranche ihren Arbeitsplatz verloren.
Bei Volkswagen hat der Aufsichtsrat einen Zukunftsplan beschlossen, der bis 2030 einen operativen Gewinn von 9 Euro pro 100 Euro Umsatz vorsieht – im ersten Halbjahr 2026 lag dieser Wert noch bei 3,80 Euro.
Weltweit plant der Konzern den Abbau von rund 50.000 Stellen, wovon die Hälfte auf Deutschland entfallen könnte. Am Standort Osnabrück soll die Autoproduktion im Jahr 2027 enden; dort ist ein Umbau zu einem Rüstungszentrum im Gespräch.
Auch andere Hersteller melden tiefgreifende Veränderungen. BMW kündigte den globalen Abbau von bis zu 8.000 Stellen an. Bei Mercedes-Benz steht die Forderung nach einer 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich im Raum, während Lohnforderungen der Gewerkschaft zum Auftakt der Tarifrunde abgelehnt wurden.
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Eine Befragung der IG Metall Küste in 34 Betrieben zeigt das Paradoxon der aktuellen Lage: Trotz einer Auslastung von fast 95 % erwarten nur 18 % der Betriebe eine Verbesserung der Auftragslage in den kommenden zwei Jahren.
Tarifpolitik und politischer Dialog
Flankiert werden die Proteste von den bevorstehenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Die Tarifkommissionen wollen ihre Forderungen am 22. September beschließen, wobei eine Befragung unter 267.000 Beschäftigten ergab, dass 47,8 % eine moderate und 35 % eine kräftige Entgelterhöhung befürworten. In Baden-Württemberg wird zudem über Modelle diskutiert, die Einmalzahlungen von Übergewinnen abhängig machen.
Auf politischer Ebene mahnte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer einen verstärkten Dialog zwischen der Bundesregierung und den Gewerkschaften an. Er forderte mehr Austausch bei Wirtschaftsreformen, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Standorten in Polen und China zu sichern.
Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung zum Kündigungsschutz verdeutlicht zudem die rechtliche Situation: Nur 12-16 % der im Jahr 2024 Gekündigten klagten gegen ihre Entlassung, wobei die durchschnittliche Abfindung bei rund 41.000 Euro lag.
