AI Act: Siemens-Chef kritisiert zwei Jahre Verzug bei EU-Regulierung
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 22:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Roland Busch, hat deutliche Kritik an der Geschwindigkeit und Ausrichtung der europäischen Gesetzgebung zur künstlichen Intelligenz (KI) geäußert. Angesichts der rasanten technologischen Entwicklung mahnt der Industriemanager ein höheres Tempo und weniger bürokratische Hürden an, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa nicht zu gefährden.
Kritik am zeitlichen Verzug des EU AI Act
In aktuellen Stellungnahmen Ende August wies Roland Busch auf eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem Gesetzgebungstempo in der Europäischen Union und der Innovationsgeschwindigkeit im Technologiesektor hin.
Die Verfahren für zentrale Vorhaben wie den AI Act und den Data Act würden rund zwei Jahre in Anspruch nehmen. In diesem Zeitraum entwickelten sich KI-Modelle jedoch schätzungsweise sechs- bis achtmal schneller weiter. Busch betonte, dass Europa durch diese langsamen Prozesse stetig hinterherhinke.
Der Siemens-Chef forderte die EU dazu auf, das Entwicklungstempo der Technologie nicht durch übermäßige Regulierung zu bremsen. Wer reguliere, bevor er die Materie vollständig verstanden habe, gefährde die Innovationskraft. Er sprach sich dafür aus, die Zulassungsprozesse für KI-Anwendungen deutlich zu beschleunigen, um mit dem globalen Wettbewerb Schritt halten zu können.
Investitionsschwerpunkt USA und Kritik am Standort Deutschland
Die Auswirkungen der regulatorischen und strukturellen Rahmenbedingungen spiegeln sich laut Busch bereits in der Investitionsstrategie wider. Von der geplanten Summe von 1 Milliarde Euro, die Siemens für industrielle KI-Anwendungen vorgesehen hat, fließe ein Großteil in die USA.
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Ein wesentlicher Grund dafür sei unter anderem die Effizienz bei der Realisierung von Infrastrukturprojekten. So profitiere Siemens massiv vom Ausbau von KI-Rechenzentren, insbesondere in den USA. Dieses Marktmomentum werde voraussichtlich bis in das Jahr 2027 anhalten.
Im Gegensatz dazu kritisierte Busch die Genehmigungsprozesse für Rechenzentren in Deutschland als zu schleppend. Den aktuellen KI-Boom sieht der Siemens-Chef dabei nicht als spekulative Blase, sondern als die größte technologische Wette der Geschichte. Die Investitionen in diesem Bereich basierten auf solidem Cashflow und nicht auf Fremdkapital, was die Nachhaltigkeit des Trends unterstreiche.
Geopolitische Einordnung und institutionelle Neuerungen
Auch zur Handelspolitik bezog Busch Stellung und lehnte pauschale EU-Zölle gegen China ab. Er bezeichnete das Land als einen sehr leistungsfähigen Wettbewerber, dem man mit eigener Innovationskraft begegnen müsse.
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Parallel zu der Kritik aus der Industrie gibt es Anpassungen auf regulatorischer Ebene. Der sogenannte Digital Omnibus der EU verschiebt die Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme auf Dezember 2027, was Unternehmen vorerst mehr Zeit zur Umsetzung einräumt.
Gleichzeitig verstärkt Deutschland seine Bemühungen in der Sicherheitsforschung. In Berlin wurde kürzlich die Gründung des Instituts für Sicherheit künstlicher Intelligenz (AISI) initiiert. Eine offizielle Ankündigung wird für Anfang September erwartet.
Die Entscheidung für den Standort Berlin fiel unter Beteiligung des Digitalministeriums, des Innenministeriums und des Bundeskanzleramts, nachdem sich zuvor auch München sowie Standorte im Saarland beworben hatten. Das Institut soll dazu beitragen, Sicherheitsstandards für den Einsatz von KI zu definieren und damit eine Brücke zwischen Innovation und notwendiger Kontrolle zu schlagen.
