Agrarprodukte Vietnam: Digitale Rückverfolgbarkeit ab 1. Juli
22.06.2026 - 07:46:08 | boerse-global.de
Ab dem 1. Juli 2026 müssen alle Agrarprodukte in Vietnam digital rückverfolgbar sein. Das neue System des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt soll Transparenz schaffen und die Exportchancen verbessern. Bereits jetzt sind rund 18.500 Produkte aus 112 Warengruppen erfasst.
Verschärfte Regeln für Händler
Mit dem Rundschreiben 31/2026/TT-BCT treten ab Juli verbindliche Standards in Kraft. Händler müssen vor dem Verkauf detaillierte Informationen wie Produktname, Herkunft, Bildmaterial, Hersteller, Marke sowie Chargennummern und Verfallsdaten im System hinterlegen. Bei Importwaren kommen Angaben zu Importeuren und Vertreibern hinzu.
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Eine Übergangsfrist gilt für Hochrisikoprodukte: Sie müssen spätestens ab dem 1. Januar 2027 lückenlos rückverfolgbar sein. Das nationale System hat bereits über eine Million Produktcodes verifiziert. Aktuell deckt es 26 von 34 Provinzen ab, mit 919 Lieferungen, 547 Bauernhöfen und 149 registrierten Unternehmen.
Technologische Hürden
Branchenbeobachter kritisieren qualitative Mängel. Bisherige QR-Code-Lösungen liefern oft nur statische Basisinformationen wie Name, Preis oder Telefonnummer – statt einer vollständigen Produkthistorie. Viele Kleinbetriebe aktualisieren ihre Daten zudem nicht regelmäßig.
Ein weiteres Problem: Die fragmentierte technologische Infrastruktur. Unterschiedliche Plattformbetreiber führen zu Inkonsistenzen bei der Datenerfassung. Das erschwert die angestrebte einheitliche „digitale Identität“ für Agrarprodukte.
Exportmotor Rückverfolgbarkeit
Das System ist Teil einer ehrgeizigen Exportstrategie. In den ersten fünf Monaten 2026 erzielte Vietnam mit Agrar-, Forst- und Fischereiprodukten 29,82 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 6,1 Prozent. Das Jahresziel liegt bei bis zu 74 Milliarden US-Dollar.
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China bleibt mit 28,4 Prozent der wichtigste Abnehmer, die Exporte nach Europa stiegen zuletzt auf 11,6 Prozent. Ein Pilotprojekt mit drei Containern Durian-Früchten nach China gilt als Erfolgsbeleg. Ab Juli soll das System auf Reis, Fleisch, Milch, Tee und weitere Obstsorten ausgeweitet werden.
Tiefenverarbeitung als strategisches Ziel
Parallel zur Rückverfolgbarkeit treibt die Regierung die Tiefenverarbeitung voran. Aktuell liegt die Quote bei 23 Prozent. Bis 2030 will Vietnam zu den weltweit zehn führenden Nationen in diesem Bereich gehören. Dafür soll die Wiederverwendungsrate von Nebenprodukten – derzeit zwischen 10 und 35 Prozent – deutlich steigen.
