Acht-Stunden-Tag: DGB ruft zu Großprotesten am 26. September auf
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 20:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung unter Kanzler Merz beabsichtigt eine grundlegende Neugestaltung des Arbeitszeitgesetzes. Kern des Vorhabens ist die Abschaffung des gesetzlichen Acht-Stunden-Tags zugunsten einer flexibleren wöchentlichen Regelung. Während die Arbeitgeberverbände die Pläne als notwendigen Schritt zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit begrüßen, kündigen Gewerkschaften und Opposition massiven Widerstand sowie bundesweite Protestaktionen an.
Flexibilisierung der Arbeitszeit noch für 2026 vorgesehen
Bereits Anfang des Jahres zeichnete sich der Plan der CDU-geführten Bundesregierung ab, die tägliche Höchstarbeitszeit noch im Laufe des Jahres 2026 durch eine wöchentliche Regelung zu ersetzen. Flankiert werden diese Pläne durch Forderungen nach weiteren Anpassungen im Arbeitsrecht.
So setzt sich die CDU für eine Mindestlohn-Ausnahme bei Saisonarbeitskräften in der Landwirtschaft ein. Zudem beabsichtigt die Regierung, die Befristung von Arbeitsverträgen auf bis zu vier statt bisher zwei Jahre auszuweiten, wobei bis zu sechs Verlängerungen möglich sein sollen.
Obwohl bis September 2026 noch kein konkreter Gesetzentwurf zur Ersetzung des Acht-Stunden-Tags durch eine Wochenarbeitszeit vorliegt, wächst der politische Druck.
Der CDU-Abgeordnete Christian von Stetten, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand, bezeichnete in diesem Zusammenhang die Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas als nicht mehr tragbar. Parallel dazu hat eine Rentenkommission 33 Vorschläge vorgelegt, deren Umsetzung als Gesamtpaket geplant ist.
Gewerkschaften kündigen bundesweite Großproteste an
Die Arbeitnehmervertretungen reagierten mit deutlicher Ablehnung auf die Reformpläne. DGB-Chefin Yasmin Fahimi bezeichnete den Acht-Stunden-Tag als eine rote Linie und betonte, dass eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes zu erheblichen Konflikten führen werde.
Für den 26. September 2026 hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu bundesweiten Kundgebungen in 15 Großstädten aufgerufen, darunter Berlin, Leipzig, Hannover, Frankfurt und Stuttgart. Die Proteste stehen unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“.
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In Nürnberg ist am selben Tag eine Großkundgebung geplant, bei der Christiane Benner von der IG Metall als Hauptrednerin erwartet wird. Der bayerische DGB-Chef Bernhard Stiedl kritisierte die Debatten über längere Arbeitszeiten, Renteneinschnitte und eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag scharf und nannte den Sozialstaat nicht verhandelbar.
Yasmin Fahimi forderte zudem den Erhalt der Rente mit 63 sowie eine Erhöhung der Mütterrenten und des Bundeszuschusses zur Rentenversicherung, finanziert durch höhere Steuern für Gutverdienende und eine Vermögensabgabe.
Industriestandorte unter erheblichem Anpassungsdruck
Die Diskussion über die Arbeitszeit erreicht auch die Kernbereiche der deutschen Industrie. Die IG Metall hat für den 21. September 2026 einen bundesweiten Automobilaktionstag mit Aktionen in über 280 Betrieben angekündigt. Die Branche steht unter erheblichem Druck: Von 2025 bis Mitte 2026 wurden bereits 42.300 Arbeitsplätze abgebaut.
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Bei Volkswagen gibt es Berichte über Management-Vorstöße zur Streichung von weiteren 50.000 Stellen, davon die Hälfte in Deutschland. Im VW-Werk Zwickau sank die Beschäftigtenzahl bereits von 11.000 auf rund 8.000; für 2026 wird eine Produktion von nur 202.000 Fahrzeugen bei einer Kapazität von 360.000 erwartet.
Auch bei Mercedes-Benz verschärfen sich die Fronten. Das Management fordert eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 38 Stunden, teilweise als unbezahlte Mehrarbeit, um die Arbeitskosten im Vergleich zu Standorten wie Kecskemét in Ungarn zu senken.
Der Betriebsrat lehnt dies ohne Lohnausgleich ab. Dagegen sieht Philipp von Hirschheydt, CEO des von Continental abgespaltenen Unternehmens Aumovio, in der Anhebung auf 40 Stunden einen signifikanten Produktivitätsschub, der in den Werken Villingen-Schwenningen und Ingolstadt bereits umgesetzt werde.
Wirtschaftsverbände wie BDI, DIHK und Gesamtmetall fordern nach zwei Rezessionsjahren einen schnellen Kurswechsel, der neben flexibleren Arbeitszeiten auch Investitionsanreize und einen Stopp der Mindestlohn-Erhöhung auf 15 Euro vorsieht. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger plädierte zudem für eine Bundesregierung unter Kanzler Merz beabsichtigt eine grundlegende Neugestaltung des Arbeitszeitgesetzes. Kern des Vorhabens ist die Abschaffung des gesetzlichen Acht-Stunden-Tags zugunsten einer flexibleren wöchentlichen Regelung. Während die Arbeitgeberverbände die Pläne als notwendigen Schritt zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit begrüßen, kündigen Gewerkschaften und Opposition massiven Widerstand sowie bundesweite Protestaktionen an.
