Abstürze am Arbeitsplatz: Hessen startet Aktionswoche bis 12. Juni
08.06.2026 - 10:15:54 | boerse-global.de
Behörden verschärfen Kontrollen, die Bahn setzt auf Bodycams, und neue Gesetze sorgen für Diskussionen.
Hessen startet Aktionswoche gegen Absturzunfälle
In Hessen begann heute eine landesweite Aktionswoche. Bis zum 12. Juni prüfen Behörden verstärkt Baustellen und Logistikfirmen auf Sicherheitsvorschriften. Der Fokus liegt auf der Absturzprävention auf Gerüsten.
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Der Grund: Zwischen 2009 und 2023 waren Abstürze für rund 31 Prozent der tödlichen Arbeitsunfälle verantwortlich. Die Bilanz bisheriger Kontrollen ist ernüchternd. Nur etwa 21 Prozent der geprüften Betriebe erfüllten alle Sicherheitsvorgaben. Die Aktion ist Teil einer bundesweiten Initiative der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA).
Bahn weitet Bodycam-Einsatz aus
Auch der Schutz vor Übergriffen wird wichtiger. Die Deutsche Bahn hat den Einsatz von Bodycams bei Kundenbetreuern ausgeweitet. Bereits ein Drittel der Beschäftigten nutzt die Kameras. Ziel ist eine Quote von 50 Prozent bis zur Jahresmitte.
Hintergrund ist die steigende Gewalt gegen Bahn-Mitarbeiter. 2024 und 2025 stieg die Zahl der Angriffe um 11 Prozent auf knapp 2.690 Fälle. Ein schwerer Vorfall im Februar 2026 hatte die Debatte zusätzlich angeheizt.
Neue Technik für mehr Sicherheit beim Laden
Schmitz Cargobull präsentierte einen neuen Sattelauflieger für Trockenfracht. Das Besondere: Die Seitenwände öffnen sich vollständig. Das soll die Sicherheit beim Be- und Entladen erhöhen. Der Auflieger hat eine Zertifizierung für Ladungssicherung und eine ADR-Zulassung für bestimmte Gefahrgüter.
EuGH-Urteil: Kirchenaustritt ist kein Kündigungsgrund mehr
Die rechtlichen Anforderungen an Unternehmen wachsen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied am 17. März 2026: Ein Kirchenaustritt darf nicht automatisch zur Kündigung führen. Voraussetzung: Die Tätigkeiten haben keinen spezifischen religiösen Bezug, und andere Mitarbeiter ohne Kirchenmitgliedschaft machen vergleichbare Jobs.
In Österreich sorgt ein neuer Gesetzesentwurf für Diskussionen. Das Arbeitsministerium will die EU-Lohntransparenzrichtlinie umsetzen. Unternehmen ab 100 Mitarbeitern sollen alle drei Jahre Einkommensberichte erstellen. Bei über 250 Beschäftigten wird der Rhythmus jährlich. Die Wirtschaftskammer kritisiert das Vorhaben als bürokratisch.
Wirtschaftlicher Druck und Reformforderungen
In der Logistikbranche treffen Sicherheitsfragen auf harte wirtschaftliche Realitäten. DB Cargo muss bis Ende 2026 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Nur so bleiben die EU-Subventionen erhalten. Nötig ist eine Ergebnisverbesserung von rund 320 Millionen Euro.
Auch andere Dienstleister spüren den Druck. EDAG meldete Verluste durch Restrukturierungen und kündigt den Abbau von rund 1.300 Stellen in Deutschland an.
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Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge. Rund 20 Millionen Beschäftigte haben derzeit keine Absicherung. Konkrete Eckpunkte werden für Ende Juni erwartet. Die zuständige Rentenkommission legt ihre Empfehlungen voraussichtlich am 29. Juni vor.
Vor einem für den 10. Juni angesetzten Gipfel kritisierte IGBCE-Chef Michael Vassiliadis die Reformagenda. Er spricht sich gegen eine Aufweichung des Acht-Stunden-Tages aus. Stattdessen fordert er Entlastungen bei den Energiekosten und eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen ab 100.000 Euro.
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