Abnehmtablette, Wegovy

Abnehmtablette: Nachfrage in deutschen Apotheken bleibt verhalten

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 03:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Einen Monat nach dem Start der Wegovy-Abnehmtablette in Deutschland melden Apotheken eine verhaltene Nachfrage. Viele Patientinnen und Patienten bleiben bei der wöchentlichen Spritze, die im Alltag einfacher anzuwenden ist.

  • Die Wegovy-Tablette mit dem Wirkstoff Semaglutid ist seit dem 1. September 2026 in deutschen Apotheken erhältlich. (Archivbild) - Bild: Steffen Trumpf/dpa
    Die Wegovy-Tablette mit dem Wirkstoff Semaglutid ist seit dem 1. September 2026 in deutschen Apotheken erhältlich. (Archivbild) - Bild: Steffen Trumpf/dpa
  • Die Spritze habe gegenüber der Tablette einige klare Vorteile, sagt Apothekerpräsident Thomas Preis. (Archivbild) - Bild: Annette Riedl/dpa
    Die Spritze habe gegenüber der Tablette einige klare Vorteile, sagt Apothekerpräsident Thomas Preis. (Archivbild) - Bild: Annette Riedl/dpa
Die Wegovy-Tablette mit dem Wirkstoff Semaglutid ist seit dem 1. September 2026 in deutschen Apotheken erhältlich. (Archivbild) - Bild: Steffen Trumpf/dpa Die Spritze habe gegenüber der Tablette einige klare Vorteile, sagt Apothekerpräsident Thomas Preis. (Archivbild) - Bild: Annette Riedl/dpa

Die neue Wegovy-Abnehmtablette stößt einen Monat nach ihrer Markteinführung in deutschen Apotheken bislang auf verhaltenes Interesse.

Viele bleiben bei der Spritze

„Die ersten Rückmeldungen aus den Apotheken zeigen: Die Nachfrage nach den neuen, sogenannten Abnehmtabletten ist derzeit noch nicht so groß“, sagte Apothekerpräsident Thomas Preis der Deutschen Presse-Agentur.

Die zunächst schwache Nachfrage sei erwartbar gewesen, erklärte Preis. Viele Patientinnen und Patienten seien bereits auf die Abnehmspritze eingestellt. Wenn eine Umstellung erfolge, werde sie durch den Arzt vorgenommen und komme daher schrittweise.

Wöchentliche Anwendung als Vorteil

Nach Einschätzung von Preis bietet die Spritze mehrere praktische Vorteile: Sie muss nur einmal pro Woche angewendet werden, während die Tablette täglich eingenommen werden muss.

Zudem gelten für die Tablette genaue Einnahmeregeln. Betroffene dürfen acht Stunden zuvor nichts essen und danach nicht sofort wieder Nahrung oder Flüssigkeit zu sich nehmen. „Da überlegen sich schon manche, die gut eingestellt sind mit einer Spritze, ob sie jeden Tag eine Tablette mit diesen genauen Einnahmeregeln nehmen wollen oder nicht lieber einmal in der Woche eine Spritze“, sagte Preis.

Alternative für Menschen mit Spritzenangst

Die Tablette könne dennoch eine gute Alternative für Menschen sein, die nicht spritzen wollten oder eine Spritzenphobie hätten, sagte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Hohe Kosten, offene Kassenfrage

Die Wegovy-Tablette mit dem Wirkstoff Semaglutid ist seit dem 1. September 2026 in deutschen Apotheken erhältlich. Zugelassen ist sie für Menschen mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung.

Je nach Darreichungsform und Dosierung kostet das Medikament mehrere Hundert Euro im Monat. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten bislang nur bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Für andere Patientinnen und Patienten gelten Abnehmmittel in Deutschland als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel und sind keine Kassenleistung.

Über eine Kostenübernahme für bestimmte Patientengruppen wird allerdings diskutiert. Die neue Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses zeigte sich dafür offen. Die Chefin der AOK-Krankenkassen warnte dagegen vor zu hohen Ausgaben für die gesetzliche Krankenversicherung.

Ein neues Einnahmemodell

Die Markteinführung erweitert die Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas um eine tägliche orale Einnahme. Der Wirkstoff Semaglutid gehört zu den GLP-1-Rezeptor-Agonisten: Er beeinflusst das Sättigungsgefühl und kann dadurch die Nahrungsaufnahme verringern. Die Tablette ersetzt jedoch keine ärztliche Behandlung und ist für Kinder bislang nicht zugelassen.

Hürden im Alltag

Die von Apothekerpräsident Thomas Preis genannten Einnahmeregeln sind ein wesentlicher Unterschied zur wöchentlichen Injektion. Wer acht Stunden zuvor nichts essen darf und danach zunächst auf Nahrung oder Flüssigkeit verzichten muss, benötigt einen festen Tagesablauf und hohe Therapietreue. Für bereits gut eingestellte Patientinnen und Patienten kann die Umstellung deshalb weniger attraktiv sein.

Kosten bleiben entscheidend

Die monatlichen Ausgaben von mehreren Hundert Euro begrenzen den Zugang zusätzlich. Gesetzlich Versicherte erhalten Semaglutid bislang grundsätzlich nur im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes als Kassenleistung; Abnehmmedikamente gelten ansonsten als Lifestyle-Arzneimittel. Eine mögliche Ausweitung der Kostenübernahme würde daher nicht nur medizinische Kriterien, sondern auch die Finanzierbarkeit und die Abgrenzung zu Präventions- und Lebensstilangeboten berühren. Für Betroffene ist entscheidend, ob eine Therapie ärztlich angezeigt ist und wie lange sie finanziell tragbar bleibt.

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