147,3 Millionen Fehltage: NPK fordert besseren Schutz der Psyche im Beruf
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Nationale Präventionskonferenz (NPK) dringt auf deutlich verstärkte Maßnahmen zum Schutz der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt. In einem Positionspapier verweist das Gremium auf gravierende Folgen seelischer Belastungen für das Erwerbsleben.
Nach Angaben der NPK verursachten psychische Erkrankungen im Jahr 2024 deutschlandweit 147,3 Millionen krankheitsbedingte Fehltage sowie 42 Prozent aller Erwerbsminderungsrenten. Der NPK-Vorsitzende Dr. Stephan Fasshauer von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) stufte die langen Fehlzeiten, Einsamkeit und die hohe Zahl an Erwerbsminderungsrenten als alarmierend ein.
Auch Krankenkassendaten unterstreichen den Handlungsbedarf. Laut Erhebungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) stiegen die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen im Zeitraum von 2016 bis 2025 um 42 Prozent an. Im Jahr 2025 dauerten entsprechende Fälle mit durchschnittlich 28,5 Ausfalltagen fast dreimal so lang wie der Durchschnitt über alle Krankheitsarten hinweg, der bei 10,4 Tagen lag.
Entlastungen für KMU und höhere Freibeträge
Um Arbeitgeber besser bei der Prävention zu unterstützen, schlägt die NPK unter anderem organisatorische und bürokratische Erleichterungen vor. So sollten Gefährdungsbeurteilungen bezüglich psychischer Belastungen gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) einfacher und digitaler gestaltet werden. Gleichzeitig setzt sich die Konferenz für vereinfachte Nachweispflichten ein.
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Finanzielle Impulse erhofft sich die Konferenz durch eine stärkere steuerliche Förderung der betrieblichen Gesundheitsförderung. Konkret regt das Papier an, den bestehenden jährlichen Freibetrag von derzeit 600 Euro je Beschäftigtem anzuheben.
Eine genaue Summe für diese Aufstockung beziffert die Konferenz in ihrem Vorstoß nicht. Ergänzend spricht sich das Gremium für staatlich finanzierte Kampagnen aus, um psychische Belastungen und Erkrankungen im gesellschaftlichen Diskurs weiter zu entstigmatisieren.
Verankerung in Ausbildung und Führungskräfteschulung
Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bildungs- und Qualifizierungssektor. Die NPK fordert, Sicherheits- und Gesundheitskompetenzen verbindlich in Rahmenlehrpläne sowie Hochschulvorgaben aufzunehmen, um Präventionsaspekte bereits während der beruflichen Ausbildung und des Studiums fest zu etablieren. Zudem müsse das Thema psychische Gesundheit zwingend in die Qualifizierung von Führungskräften sowie Fach- und Personalverantwortlichen einfließen.
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Darüber hinaus zielt das Positionspapier auf die Weiterentwicklung bestehender betrieblicher Instrumente ab. Die NPK plädiert dafür, das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) künftig über gezielte Anreizsysteme zu stärken.
Gesetzlich sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, ein solches Verfahren anzubieten, sobald Beschäftigte innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig waren; die Teilnahme an diesem Prozess bleibt für die Betroffenen freiwillig.
Insgesamt mahnt die Konferenz ein verbessertes Zusammenspiel von Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Gesundheitspolitik an, das Arbeitsschutzmaßnahmen, betriebliche Gesundheitsförderung und das BEM enger miteinander verzahnt.
