12-Uhr-Regel, ADAC

12-Uhr-Regel an Tankstellen: ADAC fordert Abschaffung wegen größerer Preisschwankungen

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 03:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der ADAC fordert, die seit April geltende 12-Uhr-Regel an Tankstellen abzuschaffen. Sie habe die täglichen Preisschwankungen nicht verringert, sondern die Preisdifferenz zwischen Morgen und Nachmittag deutlich vergrößert.

Hat die 12-Uhr-Regel den Verbrauchern geholfen? Der ADAC sagt «Nein» und fordert die Abschaffung. (Symbolbild) - Bild: Lennart Preiss/dpa
Hat die 12-Uhr-Regel den Verbrauchern geholfen? Der ADAC sagt «Nein» und fordert die Abschaffung. (Symbolbild) - Bild: Lennart Preiss/dpa

Der ADAC fordert die Abschaffung der seit April geltenden 12-Uhr-Regel an Tankstellen, weil sie aus Sicht des Automobilclubs die Preisdifferenz innerhalb eines Tages deutlich vergrößert habe.

Preiserhöhung nur noch mittags

Tankstellen dürfen die Preise für Benzin und Diesel seit dem 1. April nur einmal am Tag erhöhen – um 12.00 Uhr. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Nach Angaben des ADAC habe die Regel zwar die Zahl der täglichen Preisänderungen deutlich reduziert und den Zeitpunkt der Preiserhöhung vorhersehbarer gemacht. Die Preise seien dadurch aber nicht gesunken.

ADAC sieht Nachteile für späte Tanker

Wer nach 12 Uhr tanken müsse, habe erhebliche Zusatzkosten, erklärte der Automobilclub. Diese seien nicht zu rechtfertigen. Die Regel habe ihr Ziel aus Verbrauchersicht nicht erreicht, sagte ADAC-Verkehrspräsident Peter König.

Wissenschaftliche Kritik

Auch das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung bewertete die Regelung in einer Ende April veröffentlichten Auswertung kritisch. Die Preise lägen von der Mittagszeit bis in die Abendstunden systematisch über dem Tagesdurchschnitt, während sie morgens tendenziell niedriger seien. Vor der Regel hätten Verbraucher über den Tag mehr Möglichkeiten gehabt, günstig zu tanken.

Auch das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung habe die Maßnahme negativ bewertet.

ADAC unterstützt Energiesteuersenkung

Die vom Bund beschlossene befristete Senkung der Energiesteuer hält der ADAC für einen richtigen und derzeit realistisch umsetzbaren Schritt. Entscheidend sei, dass die Entlastung möglichst vollständig an den Tankstellen weitergegeben werde.

Den angekündigten Spritpreisdeckel will der Automobilclub konstruktiv begleiten. Ein staatlicher Höchstpreis könne kurzfristig vor extremen Preisspitzen schützen, garantiere aber nicht automatisch dauerhaft niedrigere Preise. Entscheidend seien die konkrete Höhe und die Berechnung des zulässigen Preises.

Preisregel trifft auf angespannten Markt

Die Forderung des ADAC fällt in eine Phase außergewöhnlich hoher Kraftstoffpreise. Für Autofahrer zählt dabei nicht nur der Rohölpreis: Auch knappe Raffineriekapazitäten, niedrige Benzinbestände und die Nachfrage nach Diesel können die Preise an der Zapfsäule beeinflussen. Dadurch können sich Kraftstoffpreise vom Ölpreis teilweise entkoppeln.

Die seit April geltende Regel verschiebt den Zeitpunkt der möglichen Erhöhung auf die Mittagszeit. Wer morgens tankt, kann dadurch weiterhin von niedrigeren Preisen profitieren; wer erst nach 12 Uhr tankt, muss dagegen mit einem höheren Tagesniveau rechnen. Die Regel reduziert zwar die Zahl der Preisanpassungen, beseitigt aber nicht die Unterschiede zwischen günstigeren Morgenstunden und dem restlichen Tag.

Entlastung und Preisdeckel

Parallel plant die Bundesregierung eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel ab 1. Oktober. Einschließlich des Effekts auf die Mehrwertsteuer soll die Entlastung rund 17 Cent je Liter betragen; die Kosten werden mit 2,5 Milliarden Euro veranschlagt. Ein Preisdeckel soll spätestens zum 1. Januar 2027 folgen.

Für Verbraucher hängt die tatsächliche Wirkung davon ab, wie vollständig die Entlastung weitergegeben wird und wie der Preisdeckel ausgestaltet wird. Ein staatlicher Höchstpreis könnte Preisspitzen begrenzen, garantiert aber keine dauerhaft niedrigen Preise. Die Forderung nach einer Abschaffung der 12-Uhr-Regel zielt deshalb auf die tägliche Preisverteilung, während Steuerentlastung und Preisdeckel das allgemeine Preisniveau beeinflussen sollen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS online: „Benzin könnte jetzt zum nächsten Preistreiber werden“ (22.09.2026)

Der Bericht bestätige die seit April geltende 12-Uhr-Regel und hebe hervor, dass der Zeitraum kurz vor Mittag nach einer ADAC-Auswertung derzeit besonders günstig sei. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Artikel auf die angespannte Versorgungslage und erwarte bis Mitte 2027 steigende europäische Benzinpreise; die Wirkung der Regel auf die Tagespreisspanne bleibe dabei offen.

Deutschlandfunk: „Hohe Spritpreise: Bundeskabinett beschließt erneuten Tankrabatt“ (22.09.2026)

Der Beitrag berichte, das Bundeskabinett habe die Senkung der Energiesteuer beschlossen, und nenne eine Entlastung von rund 17 Cent je Liter bis zum Jahresende. Zusätzlich solle spätestens zum 1. Januar 2027 ein Preisdeckel eingeführt werden; damit setze der Bericht einen Schwerpunkt auf die politischen Gegenmaßnahmen, während die ADAC-Forderung die Preisbildung innerhalb eines Tages betreffe.

Beide Berichte bestätigten das Umfeld hoher Kraftstoffpreise und bevorstehender staatlicher Entlastungen. Der eine Schwerpunkt liege auf Markt- und Versorgungsrisiken, der andere auf den beschlossenen Maßnahmen; offen bleibe insbesondere, wie stark die Entlastungen an der Zapfsäule ankämen und wie der Preisdeckel ausgestaltet werde.

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