1&1 in Montabaur: Homeoffice-Aus für rund 600 Beschäftigte ab 2027
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Berichte verdeutlichen, wie intensiv Unternehmen derzeit die Ausgestaltung betrieblicher Mobilitätskonzepte und deren Wechselwirkungen mit Arbeitszeitmodellen und Präsenzpflichten verhandeln. Während Arbeitgeber einerseits an neuen Konzepten für den Arbeitsweg und Fuhrparks feilen, sorgen Vorgaben zur Rückkehr an den Schreibtisch sowie Auseinandersetzungen über Wochenarbeitszeiten für Spannungen in den Belegschaften.
Präsenzvorgaben sorgen für innerbetriebliche Diskussionen
Bei der Deutschen Bahn zeichnet sich eine stärkere Bindung an das Büro ab. Über einen im bahninternen Netz DB Planet um 7 Uhr veröffentlichten Vorstandsbrief unter dem Titel „Gemeinsam vor Ort“ wurde mitgeteilt, dass Beschäftigte mit der Möglichkeit zum mobilen Arbeiten künftig regelmäßig drei Tage pro Woche im Büro anwesend sein sollen.
Innerhalb von zwei Stunden nach der Veröffentlichung verzeichnete der Beitrag 125 Kommentare, in denen Angestellte Zweifel an einem positiven Produktivitätseffekt äußerten und vor steigenden Krankenständen sowie Abwanderung warnten.
Eine DB-Sprecherin wies darauf hin, dass die Neuregelung für zwei von drei DB-Mitarbeitenden nicht gelte. Die Diskussion trifft auf ein Umfeld, in dem die Bahn innerhalb von drei Jahren 386 Millionen Euro für Werbung aufwendete, während die Pünktlichkeit der Fernzüge im Jahr 2025 bei 60,1 Prozent lag.
Auch bei der 1&1 Telecommunication SE steht das mobile Arbeiten auf dem Prüfstand. Das Unternehmen gab am 25. September 2026 über ein konzernweites Blog bekannt, dass das Homeoffice für den mitbestimmten Betriebsbereich in Montabaur ab dem Jahr 2027 abgeschafft wird.
In anderen Konzernteilen bleibt mobiles Arbeiten hingegen bestehen. Als Begründung nannte das Unternehmen gescheiterte Verhandlungen mit dem Betriebsrat zur Arbeitszeiterfassung im Homeoffice nach zweieinhalb Jahren Gesprächen.
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Für den Standort Montabaur gilt eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2026. Von der Entscheidung sind rund 600 von über 1.200 Beschäftigten vor Ort betroffen; deutschlandweit beschäftigt das Unternehmen rund 4.600 Personen. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte den Schritt und forderte den Weiterbetrieb von Homeoffice-Regelungen.
Mobilitätskonzepte und steuerliche Rahmenbedingungen
Parallel dazu gewinnen betriebliche Mobilitätsangebote an Bedeutung. Der Bundesverband Betriebliche Mobilität (BBM) veranstaltet am 24. und 25. November 2026 im Heidelberg Congress Center die 5. Nationale Konferenz für betriebliche Mobilität unter dem Leitmotiv „Vom Mobilitätstrend zur Unternehmenspraxis: Digital.
Nachhaltig. Kosteneffizient.“. Zum Auftakt werden Ergebnisse der Erhebung BBM Mobility Survey 2026 vorgestellt, die gemeinsam mit Dataforce durchgeführt wurde.
Das Tagungsprogramm deckt Themen wie Flottenelektrifizierung, Ladeinfrastruktur, Datenschutz bei Mobilitätsdaten sowie Praxisbeispiele der Siemens AG beim Fahrradleasing und der MEWA Group bei Ladelösungen ab. Das Angebot richtet sich an Führungskräfte aus Personal-, Fuhrpark- und Einkaufsbereichen.
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Ergänzend spielen Anreizsysteme beim öffentlichen Nahverkehr eine zentrale Rolle. Nach Angaben des Mobilitätsdienstleisters Navit liegt der reguläre Preis für das Deutschlandticket im Jahr 2026 bei 63,00 Euro. Wird es als Jobticket bezuschusst, greift ab einem Arbeitgeberanteil von mindestens 25 Prozent ein Rabatt von 5 Prozent, sodass sich der Ticketpreis auf 59,85 Euro reduziert.
Bei einem Mindestzuschuss von 15,75 Euro verbleibt für Arbeitnehmer ein Eigenanteil von 44,10 Euro. Nach Angaben der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) belaufen sich die Kosten für das DTicket Azubi auf 43 Euro, während ein Upgrade für das DTicket Studium bei 24,65 Euro im Monat liegt.
Für Arbeitgeber bestehen nach steuerrechtlichen Vorgaben vier Abrechnungswege: die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 15 EStG, die Pauschalversteuerung mit 25 Prozent, die Nutzung der Sachbezugsfreigrenze bis 50 Euro sowie Modelle der Gehaltsumwandlung.
Infrastruktur auf Betriebshöfen und letzte Meile
Neben dem Personenverkehr rücken Infrastrukturprojekte zur gewerblichen Nutzung in den Fokus. Das mit 1,1 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr im Rahmen der Förderrichtlinie Elektromobilität geförderte Projekt BELLE (Betriebshofelektrifizierung) konnte abgeschlossen werden.
Die Projektpartner, darunter DACHSER, Daimler Truck, die Stadtreinigung Hamburg, ABB E-mobility sowie Hamburger Energienetze, stellten fest, dass schwere Batterie-Lkw in vielen Szenarien bereits wirtschaftlich betrieben werden können, wobei das Depotladen auf Betriebshöfen die zentrale Rolle einnimmt.
Für den Arbeitsweg auf der sogenannten letzten Meile startete die Kraillinger Innovationsmeile (KIM e.V.) in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Krailling eine Testphase bis zum Jahresende. An zwei Stationen im Gewerbegebiet stehen Leih-E-Bikes und E-Roller des Anbieters Lime zur Verfügung, um den Übergang vom öffentlichen Nahverkehr zu den Arbeitsplätzen zu erleichtern.
Grundsatzdebatten über Wochenarbeitszeiten
Begleitet werden die Mobilitäts- und Präsenzfragen von Auseinandersetzungen über die Arbeitszeitdauer. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) wandte sich am 8. Oktober 2026 gegen Forderungen aus SPD-Arbeitsgemeinschaften nach einer gesetzlichen Höchstarbeitszeit von durchschnittlich 40 Stunden und Zuschlägen ab der ersten Überstunde.
VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert verwies darauf, dass das EU-Recht die Arbeitszeit inklusive Überstunden auf 48 Stunden pro Woche deckele und der Koalitionsvertrag eine Umstellung von täglicher auf wöchentliche Höchstarbeitszeit vorsehe.
Gleichzeitig spitzt sich der Konflikt in der Automobilindustrie zu: Bei Mercedes droht der Vorstand vor dem Hintergrund einer schweren Krise mit Werksschließungen und plant, die 35-Stunden-Woche abzuschaffen, was zu einer weitreichenden Machtprobe mit der Gewerkschaft führt.

