1&1 baut 60 Stellen ab: Abfindung plus 3.000 Euro Prämie
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Mobilfunkanbieter 1&1 baut am Standort Zweibrücken rund 60 Arbeitsplätze ab. Betroffen ist der Bereich Customer Operations. Das Unternehmen setzt künftig verstärkt auf KI-Automatisierung.
Freiwilligenprogramm mit Abfindungsprämie
Für die betroffenen Beschäftigten hat 1&1 ein Freiwilligenprogramm aufgelegt. Wer innerhalb von zwei Wochen zusagt, erhält eine Abfindung plus 3.000 Euro Prämie. Das bestätigten das Unternehmen und die Gewerkschaft Verdi.
Der Standort beschäftigt derzeit rund 350 Menschen und zählt zu den fünf Hauptstandorten des Konzerns. Eine vollständige Schließung steht nicht zur Debatte, wie das Unternehmen betont. Oberbürgermeister Marold Wosnitza bestätigt den Erhalt, nennt den Stellenverlust aber „schmerzhaft für die Betroffenen und die Stadt“.
Da es in Zweibrücken keinen Betriebsrat gibt, laufen die Abwicklungen über individuelle Aufhebungsvereinbarungen. Juristen raten betroffenen Mitarbeitern, Kündigungen nur schriftlich zu akzeptieren und Aufhebungsverträge vorab prüfen zu lassen.
Angesichts des Stellenabbaus und der angebotenen Freiwilligenprogramme ist es für Betroffene entscheidend, die rechtlichen Details genau zu kennen. Dieses Gratis-E-Book mit fertigen Musterformulierungen hilft dabei, Arbeitsverhältnisse rechtssicher und ohne teure Fehler zu beenden. Arbeitsverhältnis rechtssicher beenden – zum Gratis-E-Book
Konzernweiter Sparkurs dank KI
Der Abbau ist Teil einer größeren Strategie der Muttergesellschaft United Internet. Konzernchef Ralph Dommermuth gab am 6. August bekannt, dass die Mitarbeiterzahl bereits von 11.000 auf 10.400 gesunken ist. Weitere Rückgänge sind geplant.
Der verstärkte KI-Einsatz ermöglicht einen „stillen Stellenabbau“: Automatisierte Prozesse im Kundenservice und in der Verwaltung machen menschliche Arbeitskraft zunehmend überflüssig. Bereits 2025 hatte der Konzern am Standort Karlsruhe Stellen gestrichen.
Umsatzplus trotz Kundenverlusten
Die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2026 zeigen ein gemischtes Bild. Der Umsatz stieg um 1,6 Prozent auf rund 2,27 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) legte um 5,1 Prozent auf 382,7 Millionen Euro zu, das EBIT kletterte sogar um 61,1 Prozent auf 111,3 Millionen Euro.
Gleichzeitig verlor 1&1 Kunden: Die Zahl der Verträge sank um 140.000 auf 16,18 Millionen. Besonders stark fiel der Rückgang im Mobilfunk aus – hier gingen 150.000 Verträge verloren, 100.000 davon allein im April. Das Breitbandgeschäft wuchs dagegen leicht um 10.000 auf 3,85 Millionen Verträge. Für 2026 bestätigt der Vorstand die Prognose von rund 800 Millionen Euro EBITDA.
Wer sich in einer beruflichen Umbruchphase mit Abfindungsangeboten konfrontiert sieht, sollte die rechtlichen Fallstricke kennen. Ein aktueller Experten-Report zeigt die häufigsten Angriffspunkte auf, die eine spätere Anfechtung von Vereinbarungen provozieren können. Kostenlosen Experten-Report jetzt herunterladen
Niederlage vor Gericht und Netzausbau-Verpflichtung
Zudem verlor 1&1 eine juristische Auseinandersetzung vor dem Oberlandesgericht Koblenz. Auf Klage der Verbraucherzentrale NRW muss das Unternehmen bei Unlimited-Tarifen klare Regeln für Kündigungen und Drosselungen festlegen. Die beanstandete Klausel hatte 1&1 bereits im Vorjahr aus den Verträgen entfernt, das Urteil ist nun rechtskräftig.
Beim Netzausbau bleibt der Konzern gefordert. Aktuell sind 27 bis 29 Prozent der Haushalte abgedeckt, bis 2030 müssen es 50 Prozent sein. Die Investitionen in Sachanlagen lagen im ersten Halbjahr bei 283,6 Millionen Euro – ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr.
