Sidi Bou Said, Reise

Sidi Bou Said: Das blau-weiße Bilderbuchdorf bei Tunis

07.06.2026 - 15:43:04 | ad-hoc-news.de

Sidi Bou Said bei Tunis in Tunesien zieht mit seinen weiß-blauen Gassen, Meerblick und Kaffeehauskultur seit Jahrzehnten Künstler und Reisende an – was macht diesen Ort für Besucher aus Deutschland so besonders?

Sidi Bou Said, Reise, Kultur
Sidi Bou Said, Reise, Kultur

Weiß getünchte Häuser, leuchtend blaue Türen und Fensterrahmen, Duft von Jasmin und der Blick über das glitzernde Mittelmeer: Sidi Bou Said („Ort des Sidi Bou Said“) wirkt wie ein gemaltes Postkartenmotiv hoch über dem Golf von Tunis. Das kleine Küstendorf nördlich von Tunis in Tunesien ist längst zu einem Sinnbild für orientalische Leichtigkeit geworden – und doch bewahrt es bis heute eine bemerkenswerte Authentizität.

Sidi Bou Said: Das ikonische Wahrzeichen von Tunis

Für viele Reisende ist Sidi Bou Said der schönste Vorort von Tunis – ein Dorf, das durch sein strenges Farbkonzept aus Weiß und einem intensiven Kobaltblau zum Markenzeichen geworden ist. Die enge Verbindung zur tunesischen Hauptstadt macht das Dorf für Besucher aus Deutschland zu einem leicht erreichbaren Ausflugziel, das Stadterlebnis und Meerblick perfekt kombiniert.

Die Lage ist spektakulär: Sidi Bou Said sitzt wie ein Balkon oberhalb steiler Klippen, mit weitem Blick über den Golf von Tunis und hinüber bis zum antiken Karthago. Der Ort bildet gemeinsam mit den Ruinen von Karthago und der modernen Stadt La Marsa einen kulturellen Gürtel nördlich von Tunis, der die Geschichte Tunesiens zwischen Antike, arabischer Welt und französischer Kolonialzeit ablesbar macht.

Reiseführer wie Marco Polo und das ADAC Reisemagazin beschreiben Sidi Bou Said seit Jahren als „Postkartenmotiv“ und „klassischen Fotospot“ Nordafrikas. Kunsthistoriker betonen zugleich die Rolle des Ortes als Künstlerkolonie und als frühes Beispiel bewusster Ortsgestaltung: Das Blau-Weiß-Schema wurde bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts per Verordnung festgelegt, um ein einheitliches, wiedererkennbares Bild zu bewahren. Diese bewusste Gestaltung ist einer der Gründe, warum Sidi Bou Said heute als kulturelles Wahrzeichen von Tunis wahrgenommen wird.

Geschichte und Bedeutung von Sidi Bou Said

Die Geschichte von Sidi Bou Said ist eng mit der islamischen Mystik und der arabischen Expansion im zentralen Mittelmeer verbunden. Der Name geht auf den Sufi-Heiligen Abu Said al-Baji zurück, der im 12. Jahrhundert in der Region wirkte und hier gelebt haben soll. Um sein Grab entwickelte sich eine religiös geprägte Siedlung, die im Laufe der Jahrhunderte zu einem spirituellen und später auch intellektuellen Anziehungspunkt wurde.

Unter den Hafsiden, einer mittelalterlichen Dynastie, die zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert in der Region herrschte, wurde der Küstenstreifen bei Tunis durch befestigte Punkte und religiöse Stätten gesichert. Sidi Bou Said profitierte von dieser Entwicklung: Die erhöhte Lage und der Blick auf den Golf machten den Ort strategisch bedeutsam, zugleich bot er Rückzugsmöglichkeiten für Gelehrte und Sufi-Bruderschaften.

Mit der Ausbreitung des Mittelmeerhandels wuchs auch die Bedeutung der Küste nördlich von Tunis. Wohlhabende Familien und Würdenträger ließen im 18. und 19. Jahrhundert Sommerresidenzen und prunkvolle Häuser in Sidi Bou Said errichten. Noch heute zeugen traditionelle Stadthäuser mit Innenhöfen von dieser Zeit, in der das Dorf eine Mischung aus Dorfidylle und aristokratischem Rückzugsort war.

Eine neue Phase begann mit dem französischen Protektorat über Tunesien ab Ende des 19. Jahrhunderts. Europäische Diplomaten, Architekten, Künstler und Schriftsteller entdeckten die besondere Atmosphäre des Dorfes. Der französische Maler und Kunsttheoretiker Baron Rodolphe d’Erlanger ließ hier Anfang des 20. Jahrhunderts den Palast Ennejma Ezzahra errichten – ein Gebäude, das europäische und arabisch-andalusische Stile verbindet und bis heute eine zentrale kulturelle Einrichtung vor Ort ist.

Die französische Verwaltung und lokale Eliten unterstützten die Idee, Sidi Bou Said als „ästhetisches Dorf“ zu schützen. Die Einführung strenger Bauvorschriften – insbesondere des Weiß-Blau-Farbcodes – ist in dieser Phase entstanden. Die tunesische Denkmalpflege und das Kulturministerium verweisen in ihrer Kommunikation bis heute darauf, dass Sidi Bou Said als historisch-kulturelle Einheit betrachtet und besonders geschützt wird. Für deutsche Leser ist das vergleichbar mit dem Denkmalschutz in historischen Altstädten wie Rothenburg ob der Tauber: Neubauten müssen sich optisch in das Gesamtbild einfügen.

Politisch ist Sidi Bou Said heute Teil des Großraums Tunis und profitiert von der Nähe zur Hauptstadt, bleibt aber administrativ eigenständig auf kommunaler Ebene organisiert. Der Ort wird in Berichten der Deutschen Welle und anderer deutschsprachiger Medien häufig als Symbol für die touristische und kulturelle Attraktivität Tunesiens genutzt – gerade in Phasen, in denen das Land um internationale Besucher wirbt und seine Stabilität betonen möchte.

Architektur, Kunst und besondere Merkmale

Was Sidi Bou Said von vielen anderen Küstenorten Nordafrikas unterscheidet, ist die konsequente Gestalt des Ortsbildes. Die Häuser sind fast ausnahmslos weiß gekalkt, die Türen, Fensterläden, Gitter und Balkone in kräftigem Blau gestrichen. Dieses Blau erinnert an das tiefere Meeresblau des Mittelmeers und erzeugt in Kombination mit dem grellen Sonnenlicht einen starken visuellen Kontrast.

Das architektonische Erscheinungsbild ist überwiegend von der traditionellen arabisch-andalusischen Bauweise geprägt. Typisch sind:

  • Innenhöfe, um die sich die Wohnräume gruppieren, oft mit Brunnen oder Zierpflanzen.
  • Hölzerne Erker und verglaste Vorbauten, sogenannte „Mashrabiyyas“, die Schatten spenden und gleichzeitig den Blick nach außen erlauben.
  • Verzierte Metallgitter an Fenstern und Balkonen, häufig in ornamentalen Mustern.
  • Massive Holztüren mit aufwendig gestalteten Beschlägen, Nieten und Klopfern.

Der Palast Ennejma Ezzahra, heute Sitz des „Centre des Musiques Arabes et Méditerranéennes“, ist das prominenteste Einzelbauwerk im Ort. Er gilt in Kunst- und Architekturpublikationen als Musterbeispiel für die Verbindung traditioneller Handwerkskunst mit europäisch geprägter Villenarchitektur. Besucher können dort in Führungen Räume mit reich dekorierten Holzdecken, bunt verzierten Fliesen (Zellige) und beeindruckenden Wandmalereien besichtigen. Konzerte und Festivals, die dort regelmäßig stattfinden, machen Sidi Bou Said auch zu einem Zentrum der arabischen und mediterranen Musik.

Zugleich ist Sidi Bou Said seit dem frühen 20. Jahrhundert ein Magnet für Künstlerinnen und Künstler. Maler, Fotografen, Schriftsteller und Filmemacher nutzen die Gassen und Plätze als Kulisse. Deutsche und europäische Magazine wie GEO und National Geographic Deutschland greifen das Dorf regelmäßig in Bildstrecken auf, oft mit Fokus auf die charakteristische Farbgebung, die Lichtstimmung und die Alltagskultur – etwa Männer in den Cafés, Händler mit Jasminsträußen oder Katzen, die in der Sonne schlafen.

Ein weiteres markantes Merkmal ist die Kaffeehauskultur. Das Café des Nattes, eines der bekanntesten Lokale am zentralen Platz, ist zum Symbolbild des Ortes geworden. Seine terrassenartig angeordneten Sitzstufen mit bunten Kissen und niedrigen Tischen bieten Blick auf das Geschehen im Dorf. Von anderen Aussichtspunkten – etwa Cafés am Hang – öffnet sich der Blick über die Bucht und bis zur Landzunge von Karthago. Gerade zur goldenen Stunde am späten Nachmittag bilden Himmel, Meer und das Weiß der Häuser eine fast unwirkliche Szenerie, die soziale Medien seit Jahren prägt.

Kunsthistoriker und Architekten betonen dabei, dass Sidi Bou Said weit mehr ist als „Instagram-Kulisse“. Der bewusste Umgang mit Farbe, Licht und Raum wird in Fachpublikationen als Lehrbeispiel für Ortsidentität angeführt, das zeigt, wie starke visuelle Codes ein Dorf weltweit wiedererkennbar machen können. Die tunesische Kulturverwaltung verweist zudem darauf, dass der Ort in nationalen Inventaren des Kulturerbes geführt wird, auch wenn er (Stand heute) nicht als eigenständiges UNESCO-Welterbe gelistet ist. In Kombination mit Karthago und Tunis wird die Region jedoch in vielen internationalen Kulturdebatten als historisch außergewöhnlicher Raum im westlichen Mittelmeerraum eingeordnet.

Sidi Bou Said besuchen: Was Reisende aus Deutschland wissen sollten

Für Reisende aus Deutschland ist Sidi Bou Said eine sehr gut erreichbare Ergänzung zu einem Städtetrip nach Tunis oder zu einer Rundreise durch Tunesien. Wer sich auf den Besuch vorbereitet, profitiert von einigen praktischen Hinweisen.

  • Lage und Anreise ab Deutschland
    Sidi Bou Said liegt rund 20 km nördlich des Zentrums von Tunis auf einer Anhöhe über dem Golf von Tunis. Der internationale Flughafen Tunis-Carthage ist der wichtigste Ankunftspunkt. Von großen deutschen Flughäfen wie Frankfurt, München oder Berlin gibt es – je nach Saison und Airline – Direktflüge oder Verbindungen mit einmaligem Umstieg über wichtige Drehkreuze im Mittelmeerraum. Die reine Flugzeit für Direktverbindungen liegt grob zwischen 2,5 und 3 Stunden. Alternativ sind Umsteigeverbindungen über Städte wie Paris, Rom oder Istanbul üblich. Vom Flughafen dauert die Fahrt nach Sidi Bou Said, je nach Verkehr, etwa 30 bis 45 Minuten mit Taxi, Transfer oder Mietwagen. Eine Vor-Ort-Verbindung besteht zudem mit der Vorortbahn TGM (Tunis–Goulette–Marsa), die Tunis mit Karthago, Sidi Bou Said und La Marsa verbindet; die Fahrt von Tunis Ville nach Sidi Bou Said dauert ungefähr 30 Minuten. Wer aus Deutschland mit dem eigenen Auto anreisen möchte, kombiniert in der Regel Fährverbindungen ab Italien oder Frankreich mit einer längeren Landstrecke – das ist eher eine Option für ausgedehnte Roadtrips als für Kurzreisen.
  • Öffnungszeiten und Zugänglichkeit
    Sidi Bou Said als Dorf ist grundsätzlich frei zugänglich, die Gassen können unabhängig von Öffnungszeiten erkundet werden. Einzelne Sehenswürdigkeiten wie der Palast Ennejma Ezzahra, kleinere Museen oder kulturelle Einrichtungen haben jedoch eigene Öffnungszeiten, die je nach Saison, Wochentag und Veranstaltung variieren können. Da diese Zeiten sich ändern, sollten Reisende aktuelle Angaben direkt auf den offiziellen Seiten der Einrichtungen oder bei der lokalen Touristeninformation prüfen. Viele Geschäfte und Cafés orientieren sich sowohl an touristischen Stoßzeiten als auch an lokalen Feiertagen und dem Ramadan – in dieser Zeit kann es mittags ruhiger, am Abend aber besonders lebendig sein.
  • Eintrittspreise und Budgets
    Der Eintritt in das Dorf selbst ist frei. Für Museen, Paläste oder spezielle Ausstellungen wird in der Regel ein moderater Eintritt erhoben, meist in der tunesischen Landeswährung Dinar. Da Preise schwanken und sich an lokalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen orientieren, empfiehlt es sich, vor Ort oder über offizielle Informationsquellen aktuelle Beträge zu prüfen. Für deutsche Reisende ist es sinnvoll, ein Tagesbudget festzulegen, das neben Eintritten auch Getränke in Cafés, kleinere Souvenirs und eventuell eine geführte Tour abdeckt. Als grober Rahmen gelten viele Ausgaben im Vergleich zu Deutschland als niedriger, insbesondere bei einfachen Speisen und Getränken.
  • Beste Reisezeit und Tageszeit
    Das Klima in Sidi Bou Said ist mediterran: milde, teils regenreiche Winter und heiße, trockene Sommer. Für Spaziergänge durch die steilen Gassen eignen sich vor allem Frühling (etwa März bis Mai) und Herbst (September bis November), wenn die Temperaturen angenehm und die Lichtverhältnisse für Fotografie ideal sind. Im Hochsommer kann es tagsüber sehr heiß werden, insbesondere in den Mittagsstunden. Viele Reisende aus Deutschland bevorzugen daher die frühen Morgenstunden oder den späten Nachmittag/Abend, wenn das Licht weicher und die Hitze erträglicher ist. Sonnenuntergänge über dem Golf von Tunis sind ein besonderes Erlebnis, aber auch die beliebtesten Fotomomente – entsprechend kann es an Aussichtspunkten und Caféterrassen voller werden.
  • Sprache, Kommunikation und kultureller Kontext
    In Tunesien ist Arabisch Amtssprache, im Alltag wird überwiegend tunesisches Arabisch gesprochen. Französisch ist weit verbreitet, insbesondere in Verwaltung, Wirtschaft und im Tourismus. Englisch wird in touristischen Bereichen zunehmend verstanden, in Sidi Bou Said kommen viele Cafés, Restaurants und Souvenirläden gut mit Englisch und Französisch zurecht. Deutsch wird vereinzelt gesprochen, insbesondere von Personen, die längere Zeit in Deutschland gearbeitet oder gelernt haben, ist aber nicht flächendeckend verbreitet. Für Reisende aus der DACH-Region ist es hilfreich, einige grundlegende Höflichkeitsfloskeln auf Arabisch oder Französisch zu kennen. Kulturell ist Tunesien mehrheitlich muslimisch geprägt, zugleich aber durch seine Geschichte und den Tourismus stark nach außen orientiert. In Sidi Bou Said treffen örtlicher Alltag und internationale Besucher sehr sichtbar aufeinander; respektvolles Verhalten in religiösen Kontexten (Moscheeumfeld, Friedhöfe, Sufi-Heiligtümer) wird erwartet.
  • Zahlung, Trinkgeld und Preise
    Die Landeswährung ist der tunesische Dinar. In vielen Hotels, Restaurants und einigen Geschäften in und um Tunis werden internationale Kreditkarten akzeptiert. In kleineren Läden, Cafés oder bei Souvenirständen in Sidi Bou Said ist Bargeld jedoch weiterhin sehr wichtig. Reisende sollten daher ausreichend Bargeld abheben, dabei aber auf sichere Geldautomaten achten, etwa in Bankfilialen. Für deutsche Besucher ist wichtig: Die klassische Girocard (ehemals EC-Karte) funktioniert nicht überall; gängige Kreditkartenmarken sind oft die verlässlichere Wahl. Mobile Payment (z. B. via Smartphone) setzt eine Kreditkartenverknüpfung oder lokale Lösungen voraus und ist noch nicht in allen kleineren Betrieben Standard. Trinkgeld wird in Tunesien geschätzt: In Cafés und einfachen Restaurants sind aufgerundete Beträge oder etwa 5–10 % des Rechnungsbetrages üblich, in höherpreisigen Häusern entsprechend mehr. Bei Taxifahrten rundet man in der Regel auf den nächsten praktischen Betrag auf.
  • Kleiderordnung und Fotografieren
    Sidi Bou Said ist ein touristischer Ort, dennoch ist eine dem kulturellen Kontext angemessene Kleidung ratsam. Leichte, luftige Kleidung, die Schultern und Knie zumindest teilweise bedeckt, wird außerhalb der Strände geschätzt. Für den Besuch religiöser Orte oder von Mausoleen sollten Schultern und Beine bedeckt sein, und in Sakralräumen wird oft darum gebeten, leise zu sprechen oder das Fotografieren zu unterlassen. In den Gassen und auf öffentlichen Plätzen ist Fotografieren im Allgemeinen erlaubt und Teil der Erfahrung. Dennoch gilt: Menschen sollten nur mit ihrem Einverständnis fotografiert werden, insbesondere Kinder oder ältere Personen. Einige kunsthandwerkliche Werkstätten oder Galerien können Beschränkungen für das Fotografieren ihrer Produkte haben.
  • Einreise, Sicherheit und Gesundheit
    Tunesien liegt in der gleichen Zeitzone wie Mitteleuropa, folgt aber nicht immer den gleichen Sommerzeitregelungen – je nach Jahreszeit kann es daher zeitweise zu keiner oder zu einer Stunde Zeitverschiebung kommen. Deutsche Staatsbürger sollten vor der Reise die aktuellen Einreisebestimmungen, Visaregeln und Sicherheitshinweise beim Auswärtigen Amt unter auswaertiges-amt.de prüfen. Für Pauschalreisende sind oft Transfers und Basisinformationen enthalten, Individualreisende sollten sich selbst über empfohlene Impfungen, Krankenversicherungsschutz (Auslandskrankenversicherung) und die aktuelle Sicherheitslage informieren. Sidi Bou Said gilt in der Regel als stark frequentierter, touristisch geprägter Ort im Großraum Tunis. Wie überall, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten, empfiehlt sich ein wachsamer Umgang mit Wertsachen, ohne den Aufenthalt von Misstrauen prägen zu lassen.

Warum Sidi Bou Said auf jede Tunis-Reise gehört

Sidi Bou Said verbindet in selten harmonischer Weise alltägliches Dorfleben mit internationaler Bekanntheit. Wer von der Innenstadt von Tunis oder von den Ausgrabungen in Karthago heraufkommt, erlebt den Besuch oft als eine Art atmosphärische Pause: Statt archäologischer Ruinen oder pulsierender Großstadt erwarten einen Gassen, die wie eine Bühne für das Zusammenspiel von Licht, Schatten und Farbe wirken.

Für Reisende aus Deutschland bietet Sidi Bou Said mehrere Ebenen von Erlebniswert:

Zum einen ist da die direkte Sinneserfahrung: der Blick über das Meer, der Wind, der durch die Gassen streicht, der Duft von Jasmin, das Stimmengewirr aus Arabisch, Französisch und anderen Sprachen, das Klappern von Geschirr in den Cafés. Diese sinnliche Überfrachtung ist für viele Teil des Reizes eines Aufenthalts im Mittelmeerraum, vermittelt aber in Sidi Bou Said eine spezifisch tunesische Variante.

Zum anderen eröffnet der Ort Zugänge zur Geschichte und Gegenwart des Landes. Die Nähe zu Karthago macht es leicht, an einem Tag sowohl die antike Metropole als auch das moderne, farbkomponierte Dorf zu erleben – ein Kontrast, der die Vielfalt Tunesiens sichtbar macht. Wer sich für Religion und Spiritualität interessiert, kann die Sufi-Traditionen ergründen, die zur Entstehung des Ortes beigetragen haben. Kulturinteressierte finden in der Musik im Palast Ennejma Ezzahra oder in kleinen Galerien aktuelle künstlerische Positionen aus der Region.

Drittens fungiert Sidi Bou Said als Symbol. Deutsche Medien greifen das Dorf immer wieder auf, wenn sie über politische Umbrüche, gesellschaftliche Entwicklungen oder touristische Wiederbelebung in Tunesien berichten. Bilder der weiß-blauen Gassen stehen dann für Hoffnung, Erneuerung oder die Sehnsucht nach „normalem“ Alltag am Meer. Wer selbst vor Ort war, liest solche Berichte später mit einem anderen, persönlicheren Bezug.

Praktisch gesehen lässt sich Sidi Bou Said hervorragend in verschiedene Reiseformen integrieren: als Halbtagesausflug aus Tunis, als entspannte Basis für mehrere Tage im Großraum Tunis oder als Auftakt bzw. Abschluss einer Rundreise durch das Landesinnere. Die gute Erreichbarkeit, die relativ kompakte Größe und die klare touristische Infrastruktur machen es auch für weniger erfahrene Individualreisende aus der DACH-Region zu einem gut handhabbaren Ziel.

Nicht zuletzt ist Sidi Bou Said längst ein globaler Social-Media-Ort geworden. Wer möchte, kann hier seine ganz eigenen ikonischen Motive finden: die berühmte blaue Tür mit Blumenranken, die Katze auf der Treppe, den Tee mit Pinienkernen im Café mit Meerblick. Dabei lohnt es sich, nicht nur den bekannten Bildachsen zu folgen, sondern auch stillere Seitenwege zu erkunden, in denen noch immer ein Hauch von Dorfleben abseits der touristischen Pfade spürbar ist.

Sidi Bou Said in den sozialen Medien: Reaktionen, Trends und Eindrücke

Auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube gehört Sidi Bou Said zu den meistgezeigten Motiven Tunesiens. Unter einschlägigen Hashtags teilen Nutzerinnen und Nutzer Kurzvideos von Spaziergängen durch die Gassen, Zeitraffer von Sonnenuntergängen oder Einblicke in traditionelle Musikveranstaltungen. Für potenzielle Reisende aus Deutschland sind diese Inhalte eine visuelle Inspirationsquelle – ersetzen aber nicht die differenzierte Einordnung durch seriöse Reisemedien und offizielle Informationen.

Häufige Fragen zu Sidi Bou Said

Wo liegt Sidi Bou Said genau?

Sidi Bou Said liegt etwa 20 km nördlich des Zentrums von Tunis in Tunesien, oberhalb des Golfs von Tunis. Der Ort gehört zum Großraum Tunis und ist mit der Vorortbahn TGM, mit Taxis und per Auto gut erreichbar.

Was macht Sidi Bou Said so besonders?

Besonders ist vor allem das einheitliche Erscheinungsbild mit weiß getünchten Häusern und kräftig blauen Türen, Fenstern und Gittern, kombiniert mit der spektakulären Lage hoch über dem Meer. Hinzu kommen die historische Rolle als Sufi-Heiligtum, der Palast Ennejma Ezzahra als Kulturzentrum und eine lebendige Café- und Kunstszene.

Wie viel Zeit sollte man für einen Besuch einplanen?

Für einen ersten Eindruck reichen viele Besuchende etwa drei bis vier Stunden, um durch die Gassen zu schlendern, einen Aussichtspunkt zu besuchen und in einem Café einzukehren. Wer Museen und den Palast Ennejma Ezzahra besichtigen oder Workshops, Konzerte oder Galerien erkunden möchte, sollte einen halben bis ganzen Tag einplanen.

Ist Sidi Bou Said für Familien mit Kindern geeignet?

Ja, Sidi Bou Said eignet sich grundsätzlich gut für Familien. Kinder können die Gassen und Ausblicke erleben; Eltern sollten allerdings beachten, dass es einige steile Straßen, Treppen und wenig Barrieren an Abhängen gibt. Für Kinderwagen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität ist eine gewisse Planung nötig, etwa indem man Taxis möglichst weit ins Dorf nutzen oder Pausen in Cafés einplant.

Welche Jahreszeit ist für Reisende aus Deutschland ideal?

Als besonders angenehm gelten Frühling und Herbst. In diesen Monaten sind die Temperaturen meist mild, die Vegetation ist frisch und die Lichtverhältnisse sehr attraktiv. Im Hochsommer ist ein Besuch gut möglich, aber Spaziergänge durch das Dorf sollten dann auf die Morgen- oder Abendstunden gelegt werden, um die Mittagshitze zu vermeiden.

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