Sassi di Matera, Matera, Italien

Sassi di Matera: Felswohnungen, die Italiens Geschichte neu erzählen

14.06.2026 - 08:12:58 | ad-hoc-news.de

Die Sassi di Matera, die uralten Felsensiedlungen von Matera in Italien, verwandeln sich vom Armenviertel zum UNESCO-Welterbe. Warum dieser Ort Reisende aus Deutschland so tief berührt.

Sassi di Matera, Matera, Italien, Reise
Sassi di Matera, Matera, Italien, Reise

Wer abends durch die Sassi di Matera – wörtlich „Steine von Matera“ – streift, hat das Gefühl, in ein leuchtendes Felsenmeer einzutauchen: Häuser wachsen direkt aus dem Tuffstein, Lichter zeichnen Konturen von Höhlenkirchen, Treppen und Terrassen übereinander. Die Sassi di Matera, das berühmte Höhlenviertel der Stadt Matera in Italien, sind einer der ungewöhnlichsten historischen Stadtkerne Europas – und ein Reiseziel, das viele Besucher aus Deutschland nachhaltig beeindruckt.

Sassi di Matera: Das ikonische Wahrzeichen von Matera

Die Sassi di Matera gelten heute als das ikonische Wahrzeichen der süditalienischen Stadt Matera in der Region Basilikata. Sie bestehen aus zwei historischen Vierteln, Sasso Caveoso und Sasso Barisano, die sich wie ein steinernes Amphitheater an die Hänge einer tief eingeschnittenen Schlucht schmiegen. Die Gebäude sind zum Teil in den weichen Tuffstein gehauen, zum Teil darauf aufgebaut, sodass Dach, Terrasse, Straße und Fassade ineinander übergehen.

International sind die Sassi di Matera vor allem bekannt, seit sie von der UNESCO als Welterbestätte anerkannt wurden und Regisseure sie als Kulisse für Bibel- und Historienfilme nutzten. Die Organisation betont, dass hier „eines der ältesten durchgehend bewohnten Siedlungsgebiete der Welt“ erhalten sei – ein städtischer Organismus, der sich über Jahrtausende aus natürlichen Höhlen entwickelte.

Für Reisende aus Deutschland ist der Besuch der Sassi di Matera eine Begegnung mit einer anderen Art von Stadt: nicht mit monumentalen Palästen oder breiten Boulevards wie in Rom oder Florenz, sondern mit einem verschachtelten Geflecht aus Treppen, Grotten, Innenhöfen und winzigen Plätzen. Die Atmosphäre ist sinnlich und unmittelbar – man riecht den feuchten Stein, hört Kirchenglocken über dem Canyon und sieht, wie sich das Licht im Laufe des Tages an den hellen Felswänden bricht.

Geschichte und Bedeutung von Sassi di Matera

Die Geschichte der Sassi di Matera reicht weit zurück. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Höhlen an den Hängen der Schlucht des Flusses Gravina bereits in der Jungsteinzeit genutzt wurden. Über Jahrtausende hinweg passten die Bewohner ihre Behausungen den natürlichen Gegebenheiten an, gruben Räume in den Fels, erweiterten sie, bauten Fassaden vor und schufen so eine einzigartige Felsarchitektur.

In der Antike befand sich Matera an wichtigen Handelsrouten im Süden der italienischen Halbinsel. Unter den Römern entwickelte sich die Stadt weiter, doch der eigentliche Charakter der Sassi formte sich im Mittelalter. Klösterliche Gemeinschaften und Einsiedler (Eremiten) hinterließen in den Felsen dutzende Felsenkirchen, die mit Fresken aus byzantinischer Tradition geschmückt wurden. Viele dieser Höhlenkirchen sind bis heute zugänglich und zeigen die religiöse Bedeutung der Sassi als Rückzugs- und Kultort.

Zwischen Mittelalter und Neuzeit wuchsen die Sassi di Matera organisch weiter. Häuser wurden auf und neben bestehende Strukturen gesetzt, Zisternen angelegt, Treppen in den Fels geschlagen. Anders als in vielen mitteleuropäischen Städten gab es in den Sassi nie einen großen Barockumbau oder eine planmäßige Neugestaltung. Das macht sie aus historischer Sicht besonders wertvoll – man blickt hier auf ein über Jahrhunderte gewachsenes Stadtgefüge.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert verschlechterten sich die Lebensbedingungen in den Sassi drastisch. Die Armen der Region drängten sich in den Höhlenwohnungen, oft ohne ausreichende Belüftung, Licht oder sanitäre Anlagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Matera in Italien zum Symbol für extreme Armut. 1952 ordnete die italienische Regierung eine Umsiedlung der Bewohner aus den Sassi in moderne Wohngebiete an, um die hygienischen Zustände zu verbessern.

Damit drohte dem historischen Viertel der Verfall. Viele Höhlenwohnungen standen leer, verfielen oder wurden als Lagerräume genutzt. Erst ab den 1980er-Jahren setzte ein Umdenken ein. Kulturinstitutionen, Denkmalpfleger und die Stadtverwaltung erkannten den historischen und städtebaulichen Wert der Sassi. Restaurierungsprogramme wurden aufgelegt, erste Hotels, Museen und Kulturzentren zogen ein. 1993 wurden die Sassi di Matera gemeinsam mit dem angrenzenden Park der Felsenkirchen (Parco delle Chiese Rupestri) in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Diese Entscheidung machte Matera auch international bekannt. Die UNESCO betonte in ihrer Begründung, dass die Sassi ein herausragendes Beispiel für die „angepasste Nutzung einer natürlichen Höhlenlandschaft“ seien und eine außergewöhnliche Kontinuität menschlicher Besiedlung dokumentierten. In der Folge entwickelte sich Matera zu einem wichtigen kulturellen Reiseziel im Süden Italiens. Ein weiterer Schub kam, als die Stadt zur Europäischen Kulturhauptstadt 2019 ernannt wurde – ein Titel, der wiederum zahlreiche neue Kulturprojekte, Ausstellungen und Infrastrukturmaßnahmen anstieß.

Die heutige Bedeutung der Sassi di Matera ist vielschichtig: Sie sind ein Symbol für den Wandel von Armut zu kultureller Anerkennung, ein lebendiges Beispiel für nachhaltige Nutzung historischer Bausubstanz und ein authentisches Stück süditalienischer Geschichte. Für deutsche Besucher, die vielleicht an restaurierte Altstädte wie in Dresden oder Lübeck gewöhnt sind, bietet Matera einen seltenen Einblick in eine über Jahrtausende gewachsene Felsensiedlung, in der Vergangenheit und Gegenwart eng verwoben sind.

Architektur, Kunst und besondere Merkmale

Architektonisch unterscheiden sich die Sassi di Matera deutlich von klassischen Stadtbildern. Statt rechtwinkliger Straßennetze findet man ein Gewirr aus Wegen, Treppen, Terrassen und Innenhöfen, das sich dem Gelände anpasst. Viele der Gebäude sind sogenannte „Höhlenhäuser“: Der vordere Teil besteht aus einer gemauerten Fassade, während sich dahinter tiefe, in den Fels gehauene Räume erstrecken.

Ein besonderes Merkmal ist, dass die Dächer vieler Häuser gleichzeitig als Straßen oder Vorplätze für die darüberliegenden Gebäude dienen. Diese vertikale Verdichtung erinnert an die dichten bergigen Altstädte Süditaliens, ist aber durch die Kombination mit Felsräumen einzigartig. Kunsthistoriker und Architekten betonen, dass die Sassi ein seltenes Beispiel für eine „umgekehrte“ Stadt seien: Statt in die Höhe zu bauen, grub man in die Tiefe – und doch entstand ein städtisches Gefüge mit Plätzen, Wegen und Nachbarschaften.

Die UNESCO hebt zudem das historische Wassersystem hervor: In den Sassi wurden über Jahrhunderte Zisternen, Kanäle und unterirdische Speicher angelegt, um das knappe Regenwasser zu sammeln. Teile dieses Systems können heute besichtigt werden und zeigen, wie raffiniert sich die Bewohner an die karge Landschaft anpassten. Dieses Zusammenspiel von Architektur und Wasserwirtschaft gilt als früher Ansatz nachhaltigen Bauens in einer schwierigen Umwelt.

Künstlerisch sind vor allem die Felsenkirchen (Chiese rupestri) von Bedeutung. Viele dieser in den Fels gehauenen Sakralräume stammen aus dem Mittelalter und sind mit Fresken im byzantinischen oder romanischen Stil ausgemalt. Sie zeigen Christusdarstellungen, Heilige, Engel und ornamentale Motive, die an die Kunsttraditionen des östlichen Mittelmeerraums erinnern. Für Besucher aus Deutschland, die vielleicht gotische Kathedralen wie den Kölner Dom kennen, wirkt die intime, in die Erde eingelassene Sakralkunst der Sassi beinahe wie ein Gegenentwurf: klein, verborgen und tief mit der Landschaft verbunden.

In den letzten Jahrzehnten hat sich in den Sassi di Matera zudem eine lebendige Kulturszene entwickelt. Galerien, kleine Museen und Kulturzentren sind in restaurierte Höhlen eingezogen. Während der Kulturhauptstadt Matera 2019 wurden zahlreiche temporäre Installationen, Ausstellungen und Aufführungen in den Sassi veranstaltet, die das historische Umfeld mit zeitgenössischer Kunst verbanden. Auch heute nutzen Kulturinstitutionen regelmäßig die besondere Atmosphäre der Höhlenräume für Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen.

Ein weiterer Aspekt, der die Sassi di Matera international bekannt gemacht hat, ist ihre Rolle als Filmkulisse. Regisseure schätzen den biblisch anmutenden Charakter der Felsstadt. Obwohl hier keine konkreten Filmproduktionen genannt werden müssen, ist festzuhalten, dass die visuelle Wirkung der Sassi in vielen internationalen Produktionen genutzt wurde, um historische oder religiöse Schauplätze glaubwürdig darzustellen. Für Reisende bedeutet dies: Viele Szenen, die auf der Leinwand wie „aus einer anderen Welt“ wirken, lassen sich vor Ort in Matera tatsächlich wiedererkennen.

Im Vergleich zu bekannten deutschen Stadtbildern – etwa der klaren neoklassizistischen Ordnung des Brandenburger Tors oder den gotischen Strukturen des Freiburger Münsters – wirken die Sassi organischer, fast wie eine gewachsene Felsformation. Gerade dieser Kontrast macht ihren Reiz aus: Architektur erscheint hier weniger als etwas Aufgesetztes, sondern als natürliche Erweiterung der Landschaft.

Sassi di Matera besuchen: Was Reisende aus Deutschland wissen sollten

  • Lage und Anreise: Matera liegt in der Region Basilikata im Süden Italiens, etwa 60–70 km von Bari entfernt. Für Reisende aus Deutschland bietet sich meist ein Flug nach Bari an, von großen Flughäfen wie Frankfurt, München oder Berlin aus teils mit Umstieg über italienische Drehkreuze. Von Bari aus ist Matera mit Regionalzügen oder Bussen sowie mit dem Mietwagen in rund 1–1,5 Stunden erreichbar. Alternativ ist die Anreise aus Deutschland per Bahn mit Umstieg in Mailand, Rom oder Neapel möglich; anschließend geht es weiter mit italienischen Hochgeschwindigkeits- und Regionalzügen Richtung Bari und Matera. Für Reisende mit dem Auto führt die Route oft über die Alpen (z. B. via Brenner) und die italienischen Autobahnen nach Süden.
  • Orientierung vor Ort: Die Sassi di Matera liegen direkt östlich der modernen Oberstadt. Besucher sollten damit rechnen, viel zu Fuß unterwegs zu sein – Treppen, unebene Pflasterwege und steile Passagen sind typisch. Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollten ihre Route sorgfältig planen; in den letzten Jahren wurden zwar einige barrierearme Zugänge geschaffen, viele Bereiche der Sassi bleiben jedoch schwer erreichbar.
  • Öffnungszeiten: Die Sassi als historisches Stadtviertel sind prinzipiell frei und jederzeit begehbar. Einzelne Museen, Kirchen und Höhlenwohnungen mit Besichtigungsmöglichkeit haben jedoch feste Öffnungszeiten, die je nach Saison variieren können. Besucher sollten die aktuellen Zeiten und eventuelle Reservierungspflichten direkt bei den jeweiligen Einrichtungen oder der offiziellen Tourismusinformation von Matera prüfen.
  • Eintritt: Der Zugang zu den Sassi als Stadtviertel ist frei. Für bestimmte Sehenswürdigkeiten – etwa Felsenkirchen, Museen, Ausstellungen oder nachgebildete historische Höhlenwohnungen – wird in der Regel ein Eintritt erhoben. Die Preise variieren je nach Einrichtung und können sich ändern; es empfiehlt sich, vor Ort oder auf den offiziellen Informationsseiten die aktuellen Tarife zu prüfen. Kombitickets für mehrere Attraktionen werden häufig angeboten.
  • Beste Reisezeit: Für einen Besuch der Sassi di Matera gelten Frühjahr (etwa April bis Juni) und Herbst (September bis Oktober) vielen Reisenden als angenehmste Zeit. Dann herrschen meist milde Temperaturen, und die Gassen sind weniger überfüllt als in den Hochsommermonaten. Im Juli und August kann es tagsüber sehr heiß werden, was das Treppensteigen in der Sonne anstrengend macht. In den Wintermonaten ist es ruhiger, das Wetter kann jedoch wechselhaft sein. Besonders stimmungsvoll wirkt der Besuch in den frühen Morgenstunden oder bei Sonnenuntergang, wenn das Licht die Felsen weich zeichnet.
  • Sprache: Die Alltagssprache in Matera ist Italienisch. In touristisch geprägten Bereichen der Sassi sprechen viele Menschen zumindest grundlegendes Englisch, in Hotels, Restaurants und bei Führungen häufig auch gut. Deutsch wird seltener gesprochen als in klassischen Norditalien-Zielen. Für Reisende aus Deutschland kann es hilfreich sein, einige italienische Höflichkeitsfloskeln zu kennen; gleichzeitig ist Englisch als Verständigungssprache in der Regel ausreichend.
  • Zahlung und Währung: In Italien wird mit Euro (€) bezahlt, sodass Reisende aus Deutschland kein Geld wechseln müssen. In den meisten Hotels, Restaurants und größeren Geschäften in Matera werden gängige Kredit- und Debitkarten akzeptiert, ebenso mobile Bezahldienste sind zunehmend verbreitet. In kleineren Lokalen oder bei Souvenirhändlern in den Sassi kann Bargeld nach wie vor praktisch sein. Es empfiehlt sich, eine Kombination aus Karte und etwas Bargeld mitzuführen.
  • Trinkgeld: Die Trinkgeldkultur in Italien ist ähnlich wie in vielen Teilen Deutschlands zurückhaltend, aber vorhanden. In Restaurants wird ein kleines Trinkgeld – etwa 5–10 % bei gutem Service – geschätzt, sofern nicht bereits eine Servicepauschale ausgewiesen ist. In Cafés rundet man oft auf. Für geführte Touren durch die Sassi sind freiwillige Trinkgelder üblich, wenn man mit der Leistung zufrieden war.
  • Kleiderordnung und Verhalten: In den Sassi di Matera selbst gibt es keine strenge Kleiderordnung. Beim Besuch von Kirchen und Felsenkirchen sollten Schultern und Knie jedoch bedeckt sein – ähnlich wie bei vielen sakralen Stätten in Italien. Aufgrund der vielen Stufen und unebenen Wege sind stabile, rutschfeste Schuhe empfehlenswert. Respektvoller Umgang mit den historischen Bauten, kein Klettern auf Mauern und das Meiden von Privatbereichen gehören zum verantwortungsvollen Besuch.
  • Fotografieren: In den Gassen der Sassi kann grundsätzlich frei fotografiert werden. In einigen Kirchen, Museen oder privaten Ausstellungen können jedoch Einschränkungen gelten oder das Fotografieren ganz untersagt sein, insbesondere mit Blitz. Besucher sollten Hinweisschilder beachten und im Zweifel vor Ort nachfragen. Bei Aufnahmen von Anwohnern oder in Innenräumen privater Unterkünfte ist ein respektvoller Umgang mit der Privatsphäre selbstverständlich.
  • Zeitzone: Matera liegt wie ganz Italien in der Mitteleuropäischen Zeitzone. Damit gilt im Winter die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) und im Sommer die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ), identisch mit der Zeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es besteht also keine Zeitverschiebung.
  • Einreisebestimmungen: Italien gehört zum Schengen-Raum. Deutsche Staatsbürger können in der Regel mit gültigem Personalausweis oder Reisepass einreisen. Da sich Bestimmungen ändern können, sollten Reisende vor der Abreise die aktuellen Einreise- und Sicherheitshinweise beim Auswärtigen Amt unter auswaertiges-amt.de prüfen.
  • Gesundheit und Versicherung: Als EU-Mitgliedsstaat ist Italien an das europäische Krankenversicherungsabkommen angebunden. Gesetzlich Versicherte aus Deutschland können im Krankheitsfall ihre Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) beziehungsweise die deutsche Krankenkassenkarte nutzen. Eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung mit Rücktransportoption kann dennoch sinnvoll sein, insbesondere für Reisen in entlegene Regionen oder bei besonderen Aktivitäten.

Warum Sassi di Matera auf jede Matera-Reise gehört

Die Sassi di Matera sind weit mehr als ein fotogenes Postkartenmotiv. Sie erzählen von harter Arbeit, Armut, gesellschaftlichem Wandel und der Wiederentdeckung eines kulturellen Erbes. Wer heute durch die Gassen streift, erlebt einen Ort, an dem Vergangenheit direkt spürbar ist – nicht als Kulisse, sondern als gelebter Raum. Zwischen restaurierten Höhlenhotels, kleinen Cafés, Handwerksläden und Felsenkirchen entsteht eine Mischung aus Authentizität und zeitgenössischem Leben, die viele Besucher aus dem deutschsprachigen Raum als besonders intensiv beschreiben.

Für kulturinteressierte Reisende aus Deutschland bietet Matera eine ideale Ergänzung zu bekannten Zielen wie Rom, Florenz oder Venedig. Während dort Renaissancepaläste und barocke Kirchen dominieren, zeigt Matera eine andere Seite Italiens: ländlicher, rauer, enger mit dem Boden und der Felslandschaft verknüpft. Ein Spaziergang entlang des Randes der Schlucht, mit Blick auf die gegenüberliegenden Felswände und die dortigen Felsenkirchen, verdeutlicht eindrucksvoll, wie eng Mensch und Natur hier zusammenwirken.

Hinzu kommt die Rolle Materas als jüngere Kulturmetropole. Als Europäische Kulturhauptstadt 2019 rückte die Stadt noch stärker in den Fokus internationaler Aufmerksamkeit. Medien wie die Deutsche Welle, große Tageszeitungen und Reisemagazine hatten sich intensiv mit dem Wandel der Sassi vom „Schandfleck“ zum Vorzeigeprojekt der Denkmalpflege beschäftigt. Für deutsche Gäste, die sich für Stadtentwicklung, Denkmalschutz und nachhaltigen Tourismus interessieren, ist Matera daher ein spannendes Fallbeispiel: Wie kann eine verarmte Altstadt so restauriert werden, dass sie wieder bewohnt und genutzt wird, ohne ihre Identität zu verlieren?

Ein weiterer Grund, warum die Sassi di Matera auf jede Süditalien-Reise gehören, liegt in der Atmosphäre nach Einbruch der Dunkelheit. Wenn die Felsenstadt beleuchtet wird, die Konturen der Häuser verschwimmen und die Treppen im Halbdunkel verschwinden, entsteht eine fast märchenhafte Stimmung. Viele Reisende berichten, dass sie sich an längst vergangene Zeiten erinnert fühlen – oder durchaus auch an Filmszenen, die in ähnlichen Kulissen spielen. Wer in einem der Höhlenhotels übernachtet, erlebt zudem direkt, wie sich das Schlafen in einem restaurierten Felsraum anfühlt: angenehm temperiert, erstaunlich ruhig und doch mitten im historischen Kern.

Auch kulinarisch lohnt sich der Besuch: Die Region Basilikata ist nicht so bekannt wie die Toskana oder die Emilia-Romagna, bietet jedoch eine eigenständige Küche. Lokale Spezialitäten und einfache, regionale Zutaten – etwa Brot aus Matera, Olivenöl, Käse und Hülsenfrüchte – werden häufig in Restaurants in den Sassi serviert. Ein Abendessen auf einer Terrasse mit Blick über die Felsdächer gehört für viele Besucher zum Höhepunkt des Aufenthalts.

In räumlicher Nähe zu den Sassi di Matera liegt der Parco della Murgia Materana, ein Naturpark mit zahlreichen Felsenkirchen und Wanderwegen. Von hier aus hat man eindrucksvolle Panoramen auf die Sassi und kann deren Lage im Felscanyon gut nachvollziehen. Für Wanderer aus dem deutschsprachigen Raum, die die Landschaft Süditaliens intensiver erleben möchten, ist dies eine lohnende Ergänzung zum Stadtaufenthalt.

All dies macht die Sassi di Matera zu einem Reiseziel, das bei vielen Besuchern lange nachklingt. Wer sich für Architektur, Geschichte, Religion, Filmkulissen oder einfach für besondere Stadtlandschaften interessiert, findet hier einen Ort, der viele Themen auf engstem Raum vereint. Gerade für Reisende aus Deutschland, die bereits klassische Ziele im Norden Italiens kennen, kann Matera ein Schlüssel sein, die Vielfalt des Landes neu zu entdecken.

Sassi di Matera in den sozialen Medien: Reaktionen, Trends und Eindrücke

Die Sassi di Matera sind in den sozialen Medien zu einem beliebten Motiv geworden: Ob Panoramaaufnahmen bei Sonnenaufgang, stimmungsvolle Nachtaufnahmen oder Details von Felsenkirchen und Höhlenhotels – die Felsenstadt inspiriert Reisende weltweit dazu, ihre Eindrücke zu teilen. Wer seinen Besuch plant, kann sich vorab einen lebendigen Eindruck verschaffen, wie andere die Sassi erleben und fotografisch interpretieren.

Häufige Fragen zu Sassi di Matera

Wo liegen die Sassi di Matera genau?

Die Sassi di Matera liegen in der Stadt Matera in der Region Basilikata im Süden Italiens. Sie erstrecken sich östlich des modernen Stadtzentrums entlang der Felsflanken einer tiefen Schlucht, durch die der Fluss Gravina fließt. Die Sassi bilden den historischen Kern Materras und sind direkt vom Zentrum zu Fuß erreichbar.

Warum sind die Sassi di Matera UNESCO-Welterbe?

Die UNESCO hat die Sassi di Matera als Welterbestätte anerkannt, weil sie eines der ältesten kontinuierlich bewohnten Siedlungsgebiete der Welt darstellen und ein herausragendes Beispiel für die Anpassung menschlicher Siedlungsformen an eine natürliche Höhlenlandschaft sind. Die Kombination aus Felsarchitektur, historischem Wassersystem und Felsenkirchen zeigt eine außergewöhnliche kulturelle Kontinuität.

Wie viel Zeit sollte man für den Besuch der Sassi einplanen?

Für einen ersten Überblick über die Sassi di Matera empfiehlt sich mindestens ein halber Tag, besser ein ganzer Tag. Wer mehrere Felsenkirchen, Museen und eine rekonstruierte Höhlenwohnung besichtigen möchte, sollte ein bis zwei volle Tage einplanen. Viele Reisende entscheiden sich, eine Nacht in einem der Höhlenhotels zu verbringen, um die besondere Atmosphäre auch nach Einbruch der Dunkelheit zu erleben.

Was ist das Besondere an den Sassi im Vergleich zu anderen Altstädten?

Im Unterschied zu vielen mittelalterlichen Altstädten in Europa sind die Sassi di Matera direkt in den Fels gegraben. Die Häuser bestehen oft aus einer Mischung aus natürlichen Höhlen und gemauerten Strukturen. Dach, Terrasse und Straße gehen ineinander über, die Stadt „wächst“ aus dem Felsen. Dazu kommen zahlreiche Felsenkirchen mit Fresken, ein historisches Wassersystem und die Lage am Rand einer tiefen Schlucht – eine Kombination, die weltweit selten ist.

Wann ist die beste Reisezeit für deutsche Besucher?

Als besonders angenehm gelten für viele Besucher aus Deutschland der Frühling (April bis Juni) und der Herbst (September bis Oktober), wenn Temperaturen und Besucherandrang moderat sind. Im Hochsommer kann es sehr heiß werden, sodass Besuche in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden empfehlenswert sind. Im Winter ist es ruhiger und teilweise stimmungsvoll, das Wetter kann jedoch wechselhaft sein.

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