Herculaneum, Ercolano

Herculaneum in Ercolano: versunkene Römerstadt am Golf von Neapel

07.06.2026 - 08:57:44 | ad-hoc-news.de

Herculaneum in Ercolano, Italien, ist kleiner als Pompeji – doch seine perfekt erhaltenen Häuser, Fresken und Holzstrukturen erzählen eine überraschend intime Geschichte der Römerzeit.

Herculaneum, Ercolano, Reise
Herculaneum, Ercolano, Reise

Nur wenige Minuten hinter den heutigen Wohnhäusern von Ercolano (deutsch: „Herkulanum“) öffnet sich der Blick in eine andere Zeit: In einem Kessel unter der modernen Stadt liegt Herculaneum, die römische Küstenstadt, die beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. in Sekunden verschwand – und bis heute wie eingefroren wirkt.

Herculaneum: Das ikonische Wahrzeichen von Ercolano

Herculaneum, auf Italienisch Ercolano, gilt heute als eine der eindrücklichsten archäologischen Stätten des Römischen Reiches. Im Unterschied zum bekannteren Pompeji war Ercolano zur Römerzeit ein wohlhabender Bade- und Villenvorort am Meer, in dem sich reiche Bürger luxuriöse Stadtvillen bauten. Viele dieser Häuser stehen bis heute auf zwei Stockwerken, mit farbigen Fresken, Marmorböden und sogar verkohlten Holzregalen und Türen – ein Detailreichtum, den man an kaum einem anderen Ort der Antike so dicht erlebt.

Für Reisende aus Deutschland ist Herculaneum ein Kulturschatz, der sich hervorragend mit einem Städte- und Badeaufenthalt am Golf von Neapel verbinden lässt. Die Ausgrabungsstätte ist deutlich kleiner und kompakter als Pompeji und deshalb auch für Besucherinnen und Besucher geeignet, die nur einen halben Tag Zeit haben oder nicht lange in der Sonne gehen möchten. Gleichzeitig vermitteln die engen Gassen, die niedrigen Wohnhäuser und die noch erkennbaren Holzbalkone ein erstaunlich unmittelbares Bild vom Alltag der Menschen, die hier lebten, arbeiteten und badeten.

Die UNESCO beschreibt Herculaneum zusammen mit Pompeji und Oplontis als herausragendes Zeugnis der römischen Zivilisation, weil dort Stadtplanung, Wohnkultur und Kunst in einer seltenen Vollständigkeit erhalten sind. Zahlreiche Reise- und Kulturmagazine heben hervor, dass Herculaneum intimer wirkt als Pompeji: Während man in Pompeji durch eine ausgedehnte Ruinenlandschaft streift, hat man in Ercolano stärker das Gefühl, durch eine noch bewohnte Kleinstadt zu gehen – nur ohne ihre Bewohner.

Geschichte und Bedeutung von Ercolano

Herculaneum wurde nach antiker Überlieferung bereits in vor­römischer Zeit gegründet und später von den Römern übernommen. Der Name verweist auf den Halbgott Herkules, der in der Mythologie als Gründer vieler Städte galt. Zur Blütezeit des Römischen Reiches war die Stadt deutlich kleiner als Pompeji, aber sehr begütert: Reiche Familien aus Neapel und aus Rom besaßen hier Residenzen mit Meerblick, während Hafen und Thermen vor allem Wohlhabende anzogen.

Der Vesuvausbruch im Jahr 79 n. Chr. veränderte die Geschichte der Region schlagartig. Anders als Pompeji wurde Herculaneum zunächst nicht von Asche, sondern von extrem heißem pyroklastischem Material getroffen – eine Lawine aus Gas, Schlamm und Gestein, die die Stadt mit einer bis zu 20 m dicken Schicht überzog. Dadurch verbrannten organische Materialien zwar, wurden aber zugleich luftdicht eingeschlossen. Viele Holzteile verkohlten statt vollständig zu verfallen und blieben in ihrer Form erhalten. Das erklärt, warum heute noch Dachbalken, Türen, Möbelreste und sogar hölzerne Regale zu erkennen sind.

Nach der Katastrophe wurde das Gebiet weitgehend aufgegeben. Überreste der Stadt lagen über Jahrhunderte verborgen, während sich über ihnen mittelalterliche und später neuzeitliche Siedlungen entwickelten. Die moderne Stadt Ercolano steht heute direkt über großen Teilen der antiken Strukturen. Erste zufällige Funde im 18. Jahrhundert lösten ein wachsendes Interesse an der verschütteten Stadt aus und führten zu systematischen Grabungen. Besonders bekannt wurden die unterirdischen Gänge zu einer prachtvollen Villa, der sogenannten Villa dei Papiri, die wegen ihrer reichen Skulpturenausstattung und einer einzigartigen Bibliothek mit verkohlten Papyrusrollen berühmt wurde.

Seit dem 20. Jahrhundert gehören die Ausgrabungen von Herculaneum zu den zentralen archäologischen Projekten Süditaliens. Gemeinsam mit Pompeji und anderen Fundorten am Vesuv wurden sie als „Archäologische Stätten von Pompeji, Herculaneum und Torre Annunziata“ in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Offizielle Stellen in Italien und internationale Fachinstitutionen betonen immer wieder die herausragende Bedeutung der Stätte für unser Verständnis von römischem Alltagsleben – vom Straßenlayout über Wasser- und Abwassersysteme bis hin zu Wandmalereien und Werkstätten.

Für die Geschichte der Archäologie spielt Herculaneum außerdem eine Pionierrolle: Die frühen Tunnelgrabungen im 18. Jahrhundert, die insbesondere auf die Villa dei Papiri abzielten, waren zwar nach heutigen Maßstäben problematisch, machten aber erstmals deutlich, welches Potenzial in systematischen Ausgrabungen ganzer antiker Städte steckt. Spätere, wissenschaftlicher ausgerichtete Grabungskampagnen knüpften daran an und führten zu einem vollständigen Umdenken in der Archäologie, weg vom reinen „Schatzsuchen“ hin zu einer umfassenden Dokumentation von Lebenswelten.

Architektur, Kunst und besondere Merkmale

Wer heute durch Herculaneum geht, erlebt eine fast dreidimensionale Rekonstruktion römischer Stadtarchitektur. Viele Gebäude sind bis zum ersten Stock oder sogar darüber hinaus erhalten. In einigen Häusern erkennt man noch Balkone, Treppen, Obergeschosse und Holzeinbauten, was den Eindruck vermittelt, als seien die Bewohnerinnen und Bewohner nur kurz weg und gleich wieder da.

Typisch für Herculaneum sind die dicht gedrängten Insulae – Wohnblöcke, die sich entlang der rechtwinklig angelegten Straßen orientieren. Erdgeschosse waren oft als Werkstätten, Tavernen oder Läden genutzt, während die Wohnräume darüber lagen. In einigen Häusern lassen sich Ladentheken mit eingelassenen Tonkrügen, Backöfen oder Arbeitsnischen nachzeichnen. Diese funktionale Durchmischung von Wohnen und Arbeiten erinnert an historische Altstädte in Europa und macht Herculaneum besonders anschaulich für heutige Besucher.

Die Wandmalereien gehören zu den herausragenden Kunstschätzen der Stätte. Viele Räume tragen noch farbprächtige Fresken in verschiedenen Stilen, die von einfachen geometrischen Mustern bis zu komplexen mythologischen Szenen reichen. Besonders eindrucksvoll sind Speisezimmer mit roten und schwarzen Wandfeldern, feinen Architekturräumen und filigranen Figuren, die den luxuriösen Anspruch ihrer Besitzer widerspiegeln. Auch Mosaikböden mit Meerestieren, Götterdarstellungen oder ornamentalem Dekor sind an zahlreichen Stellen erhalten.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal Herculaneums ist der Erhalt organischer Materialien. In einigen Häusern finden sich hölzerne Regale, Türrahmen und Möbelreste. Auch Speisereste, Textilien oder verkohlte Hausaltäre geben Einblicke in den Alltag. Archäologische Institutionen betonen, dass Herculaneum dadurch Informationen liefert, die andernorts durch Verrottung verloren gegangen sind – etwa zur Innenausstattung von Küchen, zur Lagerung von Lebensmitteln oder zur Konstruktion von Dachstühlen.

Die einstige Strandlinie lag in der Antike deutlich näher an der Stadt als heute. Archäologen fanden in den ehemaligen Bootshäusern am damaligen Ufer zahlreiche Skelette, die vermutlich von Menschen stammen, die in letzter Minute vor der Glutlawine fliehen wollten. Dieser Bereich zählt zu den bewegendsten Orten der gesamten Anlage: Die dicht gedrängten Skelette erzählen eindringlich von der Katastrophe, die Herculaneum überrollte. Gleichzeitig zeigt die heutige Lage der Küstenlinie, wie sehr die Landschaft sich durch vulkanische Ablagerungen verändert hat.

Besonders bekannt ist Herculaneum auch durch die Villa dei Papiri, eine luxuriöse römische Villa etwas außerhalb der eigentlichen Stadt. Sie ist zwar nur teilweise freigelegt, doch ihre Skulpturenfunde und vor allem die Bibliothek mit hunderten Papyrusrollen machten sie weltberühmt. Die Papyrusrollen sind stark verkohlt, werden aber mit modernen bildgebenden Verfahren untersucht und teilweise entziffert. Sie gehören zu den wenigen überlieferten Bibliotheken der Antike. In der Kunstgeschichte wurde die Villa zum Vorbild für moderne Bauten – die Getty Villa in Malibu (USA) lässt sich in weiten Teilen von ihr inspirieren.

Die UNESCO und die italienische Denkmalpflege weisen darauf hin, dass Herculaneum zugleich ein Labor für moderne Konservierungstechniken ist. Da organische Materialien und empfindliche Wandmalereien hier so zahlreich vorkommen, testen Restauratorinnen und Restauratoren neue Methoden zum Schutz vor Feuchtigkeit, Salzbelastung und Temperaturwechseln. Wer die Anlage besucht, sieht häufig abgedeckte oder stützende Strukturen, die nicht nur schützen, sondern auch zeigen, wie viel Aufwand hinter der Bewahrung dieser Stadt steckt.

Herculaneum besuchen: Was Reisende aus Deutschland wissen sollten

Für Besucherinnen und Besucher aus Deutschland ist Herculaneum relativ leicht erreichbar und lässt sich ideal mit einem Aufenthalt in Neapel oder an der Amalfiküste verbinden. Hier die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Lage und Anreise
    Herculaneum liegt in der Stadt Ercolano am Golf von Neapel, etwa 10 km südöstlich des Zentrums von Neapel. Für die Anreise aus Deutschland bieten sich Flüge nach Neapel (Napoli-Capodichino) an. Von Frankfurt, München, Berlin oder Düsseldorf bestehen in der Regel Direktverbindungen oder Umsteigeverbindungen über große europäische Drehkreuze. Die Flugzeit für Direktflüge liegt ungefähr bei 1,5 bis 2 Stunden, je nach Abflugort und Route.
    Vom Flughafen Neapel erreicht man Ercolano per Alibus-Shuttle und anschließender Regionalbahn oder Taxi. Besonders praktisch ist die Circumvesuviana-Bahn, die vom Bahnhof Napoli Porta Nolana bzw. Napoli Garibaldi Richtung Sorrent fährt. Die Station „Ercolano Scavi“ liegt wenige Gehminuten oberhalb des Eingangs zur Ausgrabungsstätte. Wer mit dem Mietwagen unterwegs ist, erreicht Herculaneum über die Autobahn A3 (Ausfahrt Ercolano); in der Umgebung stehen kostenpflichtige Parkmöglichkeiten zur Verfügung.
  • Öffnungszeiten
    Die Öffnungszeiten von Herculaneum können je nach Saison und Wochentag variieren. In der Regel ist die Stätte tagsüber geöffnet, mit verlängerten Zeiten in den Sommermonaten und verkürzten Zeiten im Winter. Kurzfristige Änderungen sind möglich, etwa aufgrund von Witterung, Wartungsarbeiten oder besonderen Veranstaltungen. Es empfiehlt sich daher, vor dem Besuch die aktuellen Öffnungszeiten direkt bei der offiziellen Verwaltung von Herculaneum oder bei der zuständigen Kulturbehörde zu prüfen. Hinweise auf temporäre Schließungen einzelner Häuser oder Bereiche werden vor Ort und über offizielle Informationskanäle veröffentlicht.
  • Eintritt
    Für den Besuch von Herculaneum wird ein Eintrittspreis erhoben, der sich nach Besucherkategorie (Erwachsene, ermäßigt, Kinder/Jugendliche) und mitunter nach Saison richtet. Es gibt häufig Kombitickets oder zeitlich begrenzte Angebote in Verbindung mit anderen archäologischen Stätten in der Region. Da sich Tarife und Ticketoptionen ändern können, sollten aktuelle Preise und Buchungsmöglichkeiten direkt bei der offiziellen Ticketstelle oder auf den Seiten der staatlichen Museumsverwaltung Italiens geprüft werden. Es ist möglich, Eintrittskarten im Voraus online zu erwerben, was insbesondere in der Hochsaison von Vorteil sein kann.
  • Beste Reisezeit
    Der Golf von Neapel hat ein mediterranes Klima mit heißen, oft trockenen Sommern und milden Wintern. Für einen Besuch von Herculaneum eignen sich besonders das Frühjahr (etwa März bis Mai) und der Herbst (September bis Anfang November), wenn die Temperaturen meist angenehm zwischen etwa 18 und 25 °C liegen und der Besucherandrang moderater ist. Im Hochsommer steigen die Werte häufig auf deutlich über 30 °C, und die Sonne kann in den mittleren Tagesstunden sehr intensiv sein – wer dann reist, sollte möglichst frühe Morgenstunden oder den späteren Nachmittag für den Besuch einplanen. Im Winter ist es ruhiger, einzelne Regen- oder kühle Tage sind jedoch möglich.
  • Praxis-Tipps: Sprache, Zahlung, Trinkgeld, Kleidung, Fotografieren
    In Ercolano und Neapel ist die Amtssprache Italienisch. In den touristisch geprägten Bereichen der Ausgrabungsstätten sprechen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Guides Englisch, teilweise auch etwas Deutsch. Für alltägliche Situationen reicht meist Englisch, ein paar italienische Floskeln werden jedoch sehr positiv aufgenommen.
    In Italien wird in der Regel mit Euro bezahlt. Kartenzahlung ist im Umfeld großer Sehenswürdigkeiten weit verbreitet, insbesondere mit gängigen Kreditkarten und oft auch mit kontaktlosen Zahlsystemen. Kleinere Beträge, etwa in Cafés oder für Souvenirs, lassen sich aber nicht immer mit Karte begleichen; etwas Bargeld ist daher empfehlenswert. Deutsche Girokarten werden nicht überall akzeptiert, während internationale Debit- und Kreditkarten häufig funktionieren.
    Trinkgeld (mancia) ist in Italien nicht so streng geregelt wie in manchen anderen Ländern. In Restaurants ist ein kleiner Aufschlag oft bereits im „coperto“ (Gedeck) enthalten; dennoch geben viele Gäste bei gutem Service zusätzlich etwa 5–10 % des Rechnungsbetrags. In Cafés, Taxis oder bei Führungen sind kleine Beträge als Dank üblich, aber nicht verpflichtend.
    Für den Besuch von Herculaneum empfiehlt sich bequeme Kleidung und festes Schuhwerk, da die antiken Straßen uneben und teilweise mit großen Steinplatten ausgelegt sind. Sonnenhut, Sonnenbrille, Sonnenschutz und ausreichend Trinkwasser sind besonders in den warmen Monaten wichtig. Fotografieren ist im Außenbereich im Allgemeinen erlaubt, der Gebrauch von Blitzlicht in Innenräumen oder in der Nähe empfindlicher Fresken kann jedoch eingeschränkt sein. Hinweise vor Ort sowie Anweisungen des Aufsichtspersonals sollten beachtet werden.
  • Einreisebestimmungen
    Italien gehört zur Europäischen Union und zum Schengen-Raum. Für deutsche Staatsbürger ist die Einreise in der Regel mit einem gültigen Personalausweis oder Reisepass möglich. Da sich Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen ändern können, sollten deutsche Staatsbürger die aktuellen Hinweise beim Auswärtigen Amt unter auswaertiges-amt.de prüfen. Innerhalb der EU besteht für gesetzlich Versicherte grundsätzlich ein Anspruch auf medizinisch notwendige Leistungen, der durch die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) auf der Rückseite der deutschen Krankenversicherungskarte abgedeckt wird. Ergänzend kann eine private Auslandsreisekrankenversicherung sinnvoll sein, insbesondere für Rücktransport oder zusätzliche Leistungen.

Die Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Italien ist nicht vorhanden: Beide Länder liegen in der Mitteleuropäischen Zeitzone (MEZ) beziehungsweise in der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ). Das erleichtert Reiseplanung und Kommunikation erheblich, da keine Umstellung der Uhr nötig ist.

Warum Ercolano auf jede Ercolano-Reise gehört

Wer eine Reise nach Neapel und an den Vesuv plant, begegnet fast zwangsläufig dem Namen Pompeji. Herculaneum ist weniger präsent, doch gerade darin liegt sein besonderer Reiz. Die Ausgrabungsstätte ist kompakter, ruhiger und persönlicher – und erlaubt es, auf vergleichsweise kleiner Fläche eine Fülle an Details zu entdecken. Für viele Besuchende, darunter auch zahlreiche Reisende aus Deutschland, ist gerade diese Konzentration ein Vorteil, weil die Eindrücke nicht überwältigend, sondern gut verarbeitbar sind.

Anders als in manchen Großanlagen erlebt man in Herculaneum häufig Momente der Stille. Kleine Innenhöfe, überdachte Atrien mit Wasserbecken und Schatten spendende Kolonnaden vermitteln eine fast mediterrane Gelassenheit – trotz des Wissens um das tragische Ende dieser Stadt. Wer sich Zeit nimmt, kann von Haus zu Haus gehen, Unterschiede in Ausstattung, Qualität der Wandmalereien und Größe der Räume beobachten und so ein feines Gespür für soziale Unterschiede im Römischen Reich entwickeln.

Die Nähe zur Gegenwart ist ebenfalls spürbar: Über den Ruinen ragen Wohnhäuser und Straßen des modernen Ercolano auf, Autos fahren, Menschen gehen ihrer Arbeit nach. Die antike Stadt ist wortwörtlich die „Unterstadt“, eine tief liegende Bühne der Vergangenheit, über der sich das heutige Leben abspielt. Diese Schichtung von Zeiten macht den Besuch zu einem besonderen Erlebnis für alle, die sich für Geschichte, Stadtentwicklung und Archäologie interessieren.

Herculaneum lässt sich zudem hervorragend mit weiteren Sehenswürdigkeiten kombinieren. Der Weg zum Vesuv-Krater, von dem aus man bei klarer Sicht bis nach Capri und zur Amalfiküste blickt, ist von Ercolano aus gut zu erreichen. Auch Neapel mit seinem lebendigen Historischen Zentrum, dem Archäologischen Nationalmuseum und der berühmten Pizza-Napolitana liegt in unmittelbarer Nähe. Wer mehrere Tage in der Region verbringt, kann einen oder zwei Tage für die antiken Stätten einplanen: einen halben Tag für Herculaneum, einen oder mehr für Pompeji, dazu eventuell einen Besuch der Phlegräischen Felder oder der Inseln im Golf.

Für Familien mit Kindern bietet Herculaneum eine Mischung aus Abenteuer und Bildung: Alte Straßen, erkennbare Läden, Bäckereien und Bäder lassen sich gut erklären, und die kompakte Größe macht den Rundgang auch für jüngere Besucher machbar. Viele Reiseveranstalter empfehlen, einen qualifizierten Guide oder einen Audioguide zu nutzen, um die Funde in ihren Kontext zu stellen – von Essgewohnheiten über römische Badekultur bis hin zu Mythen, die in Wandmalereien eingefangen sind.

Auch für Architekturliebhaberinnen und -liebhaber ist Herculaneum ein faszinierendes Studienobjekt. Die klar gegliederten Straßenzüge erinnern an moderne Stadtplanungen, während komplexe Innenräume mit Atrien, Peristylen (Säulenhöfen) und Obergeschossen zeigen, wie sehr private und halböffentliche Räume ineinander übergingen. Die Villa dei Papiri hat sogar unmittelbare Spuren in der modernen Architektur hinterlassen, da sie maßgebliches Vorbild für die bereits erwähnte Getty Villa in den USA war. Wer sich für den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart interessiert, findet hier zahlreiche Anknüpfungspunkte.

Nicht zuletzt ist der Besuch von Herculaneum auch ein Beitrag zum Erhalt dieses Kulturerbes. Eintrittsgelder und öffentliche Mittel fließen in Restaurierungs- und Forschungsprojekte, die sicherstellen sollen, dass Fresken, Mosaiken und Holzkonstruktionen auch künftigen Generationen erhalten bleiben. Internationale Institutionen heben hervor, wie wichtig nachhaltiger Tourismus für sensible Stätten wie diese ist: sorgfältige Besucherlenkung, Respekt vor Absperrungen und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Umgebung sind Teil des gemeinsamen Schutzes.

Herculaneum in den sozialen Medien: Reaktionen, Trends und Eindrücke

In sozialen Medien taucht Herculaneum immer häufiger als Tipp neben oder sogar statt Pompeji auf. Reisende teilen Detailaufnahmen von Fresken, ruhige Szenen in leeren Gassen und den Blick vom modernen Ercolano hinunter auf die versunkene Stadt. Besonders beliebt sind Gegenüberstellungen: das heutige Leben über der Erde und die fast intakt wirkende Römerstadt darunter.

Häufige Fragen zu Herculaneum

Wo liegt Herculaneum genau?

Herculaneum (Ercolano) liegt am Golf von Neapel in Süditalien, etwa 10 km südöstlich des Stadtzentrums von Neapel. Die Ausgrabungsstätte befindet sich unterhalb der modernen Stadt Ercolano, unweit der Bahnstation „Ercolano Scavi“ der Circumvesuviana-Linie zwischen Neapel und Sorrent.

Worin unterscheidet sich Herculaneum von Pompeji?

Herculaneum war zur Römerzeit kleiner, aber wohlhabender als Pompeji und diente als Bade- und Villenvorort am Meer. Viele Gebäude sind bis in die Obergeschosse erhalten, wobei Fresken, Mosaike und Holzelemente oft besser konserviert sind als in Pompeji. Die Stätte wirkt kompakter und intimer; sie lässt sich in wenigen Stunden intensiv erkunden, während Pompeji deutlich großflächiger ist.

Wie viel Zeit sollte man für einen Besuch einplanen?

Für einen ersten Besuch von Herculaneum empfehlen viele Reiseführer mindestens zwei bis drei Stunden, um die wichtigsten Häuser, Straßen und Thermen in Ruhe zu entdecken. Wer sich besonders für Architektur, Kunst oder Alltagsgeschichte interessiert, kann auch einen halben Tag einplanen, insbesondere in Verbindung mit einem geführten Rundgang oder einem Audioguide.

Ist Herculaneum für Kinder geeignet?

Ja, Herculaneum eignet sich generell gut für Familien mit Kindern. Die Anlage ist überschaubar, die Wege sind relativ kurz, und viele Strukturen wie Läden, Bäckereien oder Wohnhäuser sind anschaulich. Dennoch sollten Eltern auf geeignetes Schuhwerk, Sonnenschutz und ausreichend Pausen achten, besonders in den warmen Monaten.

Welche ist die beste Reisezeit für Herculaneum?

Besonders angenehm ist ein Besuch im Frühjahr (März bis Mai) und im Herbst (September bis Anfang November), wenn die Temperaturen milder und die Besucherströme etwas geringer sind. Im Sommer ist es heiß und teils sehr voll; in den Mittagsstunden empfiehlt sich dann ein schattigeres Programm in Neapel oder am Meer. Im Winter ist es ruhiger, gelegentlich aber kühl und wechselhaft.

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