Dujiangyan: Chinas jahrtausendealtes Bewässerungswunder bei Chengdu
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 13:32 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Das Bewässerungssystem von Dujiangyan nordwestlich von Chengdu in China ist ein seltenes Beispiel dafür, wie ein antikes Ingenieurbauwerk über mehr als zwei Jahrtausende eine Landschaft prägt und zugleich zugänglich bleibt. Kern des Systems ist eine aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. stammende wasserbauliche Anlage am Minjiang, die unter Li Bing in der Zeit des Qin-Reiches entstand und die Chengdu-Ebene in eine dauerhaft fruchtbare Agrarlandschaft verwandelte.
Dujiangyan: Wasserbau aus der Zeit des Qin-Reiches
Dujiangyan liegt am Mittellauf des Minjiang am Übergang zwischen der Sichuan-Beckenlandschaft und den Ausläufern des Qinghai-Tibet-Plateaus nordwestlich von Chengdu. Das Bewässerungssystem wurde im 3. Jahrhundert v. Chr., zur Zeit des Qin-Reiches, unter der Leitung von Li Bing, einem Statthalter der Shu-Region, als großräumiges Wasserbauprojekt angelegt, um die wiederkehrenden Überschwemmungen des Minjiang zu beherrschen und das Wasser kontrolliert in die Ebene zu leiten.Dujiangyan wurde am Ende der Herrschaft von König Zhao des Qin-Reiches errichtet Viele Darstellungen datieren den Beginn des Projekts auf rund 256 v. Chr., was die lange Kontinuität des Bauwerks unterstreicht.Das System entstand ursprünglich im 3. Jahrhundert v. Chr.
Im Zentrum des Projekts stehen die sogenannten Wehranlagen, die den Oberlauf des Minjiang teilen, regulieren und in künstlich angelegte Wasserläufe überführen. Sie wurden in ihrer historischen Form mit einfachen Materialien wie Bambuskäfigen, Holzpfählen und Geröll gebaut, die zu Dämmen und Wehren gefügt und mit Holz verstärkt wurden.Die ursprünglichen Bauwerke nutzten Bambuskäfige, Holzpfähle und Kieselsteine Über die Jahrhunderte wurde die Konstruktion wiederholt ausgebessert, erweitert und technisch ergänzt, ohne den Grundgedanken des Systems zu verändern.
Weir Works und die drei Kernelemente des Systems
Das Bewässerungssystem von Dujiangyan besteht aus zwei Hauptteilen: den Weir Works am Fluss und dem weitläufigen Bewässerungsgebiet in der Ebene. Die Weir Works liegen oberhalb der Stadt auf einer Höhe, von der aus der Fluss kontrolliert in verschiedene Arme geleitet wird.Die Weir Works bilden den oberen Teil des Systems und leiten das Wasser in die Bewässerungsflächen Hier beginnt die eigentliche Ingenieurleistung, denn der Minjiang wird nicht durch einen massiven Damm gestaut, sondern durch eine Kombination aus Leitdämmen, Überläufen und Einschnitten im Gelände gesteuert.
Drei benennbare Elemente gelten als Herzstück dieser Anordnung: Yuzui, Feishayan und Baopingkou. Yuzui, oft als „Fischmaul“-Damm beschrieben, teilt den Fluss in einen äußeren und einen inneren Arm, die unterschiedliche Aufgaben in Hoch- und Niedrigwasserzeiten übernehmen.Der Yuzui-Damm teilt den Minjiang in einen äußeren und inneren Flussarm Feishayan ist ein Wehr, das überschüssiges Wasser und mitgeführtes Geröll aus dem inneren Arm wieder in den äußeren zurückführt und so die Bewässerungskanäle vor Ablagerungen und Überlastung schützt.Feishayan dient als Überlauf und Transportweg für Geröll aus dem inneren Flussarm Baopingkou schließlich ist ein in den Hang geschnittener Durchlass, der das Wasser aus dem inneren Flussarm in die Ebene führt und damit den Anfang des Bewässerungsnetzes markiert.Baopingkou leitet das Wasser aus dem Fluss in die Bewässerungsfläche der Chengdu-Ebene
Bewässerte Ebene und UNESCO-Welterbestatus
Von Baopingkou aus verzweigen sich die Kanäle von Dujiangyan in die breite Ebene um Chengdu und versorgen eine große Fläche mit Wasser für Landwirtschaft und Siedlungen. Die irrigierten Flächen reichen über zahlreiche Landkreise und Städte und umfassen nach heutigen Angaben mehrere hunderttausend Hektar Ackerland, das durch das System dauerhaft bewässert werden kann.Die heutige Bewässerungsfläche liegt im Bereich mehrerer hunderttausend Hektar Das System übernimmt dabei verschiedene Funktionen zugleich: Es unterstützt die Bewässerung, sorgt für Hochwasserschutz, erleichtert den Transport auf dem Wasser und verteilt Wasserressourcen auf die Siedlungsräume.
Zusammen mit dem benachbarten Berg Qingcheng wurde das Bewässerungssystem von Dujiangyan als Kultur- und Technikdenkmal in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Die Welterbe-Einstufung hebt vor allem die lange Nutzungsgeschichte, die technische Besonderheit der wasserbaulichen Lösung ohne großflächigen Staudamm und die Bedeutung des Systems für die Entwicklung der Region hervor.Mount Qingcheng und das Bewässerungssystem von Dujiangyan wurden als UNESCO-Welterbe eingetragen Der Welterbestatus bezieht sich auf die Gesamtanlage, also sowohl auf die Weir Works am Fluss als auch auf die aus ihnen gespeisten Bewässerungsflächen.
Dujiangyan besuchen: was Reisende aus Deutschland wissen sollten
- Dujiangyan liegt nordwestlich von Chengdu in der Provinz Sichuan; der Zugang erfolgt über die Stadt Dujiangyan, die mit Bahnverbindungen und Straßenverkehr an Chengdu angebunden ist.
- Im Bereich der Weir Works verlaufen Wege und Stege teilweise über Dämme und an Hängen entlang, stellenweise mit Treppen und moderaten Steigungen, die Trittsicherheit erfordern.
- Die Anlage liegt am Minjiang und erstreckt sich vom Flussbett in die Hanglage, weshalb der Besuch sowohl Flussuferwege als auch Wege mit Blick über die Ebene einschließt.
- Amtssprache ist Chinesisch, gezahlt wird in Renminbi (chinesischer Yuan).
- Die Einreisebestimmungen richten sich nach der Staatsangehörigkeit; deutsche Staatsbürger prüfen die Länderinformationen des Auswärtigen Amts unter auswaertiges-amt.de.
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Dujiangyan: häufige Fragen
Wo liegt Dujiangyan genau?
Dujiangyan liegt in der Provinz Sichuan nordwestlich von Chengdu am Mittellauf des Minjiang, am Rand der Chengdu-Ebene und in der Nähe des Berges Qingcheng.
Was bietet ein Besuch von Dujiangyan?
Ein Besuch führt zu den Weir Works am Minjiang mit Yuzui, Feishayan und Baopingkou sowie zu Wegen und Aussichten, die den Zusammenhang zwischen Fluss, Hanglage und bewässerter Ebene erkennbar machen.
Was kennzeichnet Dujiangyan im Vergleich zu anderen Wasserbauwerken?
Dujiangyan ist ein antikes Bewässerungssystem aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., das den Minjiang ohne großflächigen Staudamm reguliert und seit über zwei Jahrtausenden die landwirtschaftliche Nutzung der Chengdu-Ebene stützt.
