Al-Masjid an-Nabawi: die vielschichtige Moschee des Propheten in Medina
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 06:41 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Al-Masjid an-Nabawi in Medina, in Deutschland meist als Prophetenmoschee bekannt, gehört zu den zentralen Heiligtümern des Islams und vereint in ihrem heutigen Erscheinungsbild rund 1.400 Jahre Bau- und Erweiterungsgeschichte in einem einzigen Sakralbau. Der Leitgedanke dieses Ortes ist die Verbindung eines einfachen frühislamischen Hofbaus mit einer weitläufigen, technisch aufwendigen Moscheeanlage, in der historische Schichten sichtbar bleiben.
Al-Masjid an-Nabawi: vom einfachen Hof zur großen Moschee
Die Prophetenmoschee wurde im Jahr 1 der Hidschra, also 622 n. Chr., von Prophet Muhammad nach seiner Ankunft in Medina errichtet, unmittelbar neben seinem Wohnhaus.Sie galt zunächst als rechteckiger Hofbau mit Palmstämmen und Lehmmauern. Die frühen Quellen beschreiben einen nahezu quadratischen, offenen Gebetsraum, dessen Dachbereiche mit Palmstämmen und Palmblättern getragen wurden und in dem ein Teil der Fläche unüberdacht blieb.Die Grundfläche lag etwa bei 30 mal 35 Metern, ein Maß, das in mehreren Darstellungen übereinstimmend genannt wird. In dieser Form war Al-Masjid an-Nabawi zugleich Gebetsort, Versammlungsraum und Zentrum der jungen Gemeinde.
Schon wenige Jahre nach der Erbauung wurde die Moschee schrittweise erweitert, zunächst unter den Kalifen Umar ibn al-Khattab und Uthman ibn Affan, die den Bau mit Steinwänden und Steinsäulen verstärkten und die Fläche vergrößerten.Später folgten Erweiterungen und Umbauten unter den Umayyaden und Abbasiden, die die Anlage über Jahrhunderte hinweg zu einer großen Hypostylmoschee mit zahlreichen Toren und Säulen entwickelten. Al-Masjid an-Nabawi blieb dennoch seiner Grundidee eines ummauerten Hofes mit Gebetsraum treu, auch wenn sich Proportionen, Materialien und Zusätze wie Arkaden und Portale immer wieder wandelten.
Die historische Schichtung: Mamluken, Osmanen und das grüne Dach über dem Grab
Eine prägende Zäsur in der Baugeschichte der Prophetenmoschee setzte in der Mamlukenzeit ein, als erstmals eine Kuppel über dem Grab des Propheten angelegt wurde.Mamlukische Herrscher wie Qalawun und al-Nasir ließen zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert die Grabkammer überbauen und den Bereich baulich verstärken. Damit entstand ein eigener architektonischer Akzent über der Ruhestätte von Prophet Muhammad sowie der ersten beiden Kalifen Abu Bakr und Umar, die ebenfalls in diesem Bereich beigesetzt sind.Die Moschee vereint damit Kultbau und Grabstätte in einer gemeinsamen Anlage. Der Bau dieser Kuppel markierte den Übergang von der reinen Hofmoschee zu einem deutlich stärker gegliederten Komplex mit hervorgehobenem Zentrum.
Die in der Gegenwart bekannte „Grüne Kuppel“ über der Grabkammer erhielt ihre charakteristische Farbe im 19. Jahrhundert während der osmanischen Herrschaft. Quellen nennen den osmanischen Sultan Mahmud II als denjenigen, unter dem die Kuppel 1837 grün gestrichen wurde und seither als markantes Zeichen der Prophetenmoschee gilt.Die Grüne Kuppel verbindet den Mamlukenbaukörper mit der osmanischen Farbgebung und ist zum festen Bestandteil des Erscheinungsbildes geworden. Um sie herum stehen heute zahlreiche kleinere Kuppeln über den Gebetshallen, die das Dach der Moschee strukturieren und an verschiedene Bauphasen erinnern, ohne die dominierende Stellung der Grüne Kuppel zu überlagern.
Die moderne Großmoschee mit Minaretten und verschiebbaren Kuppeln
Mit dem Übergang zur saudischen Herrschaft im 20. Jahrhundert begann eine Serie groß angelegter Erweiterungen, die Al-Masjid an-Nabawi zu einer sehr weitläufigen Moscheeanlage machten.Eine erste große saudische Erweiterung setzte in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein und wurde später durch weitere Projekte ergänzt, sodass der Gebietsstand deutlich anwuchs. Die heutigen Bauten zeichnen sich durch Stahlbeton-Tragwerke, weite Gebetshallen und eine klare Nord-Süd-Orientierung mit einer hervorgehobenen Qibla-Wand aus. Das Gesamtbild ist eine Kombination aus historischen Teilen und modernen Anbauten, wobei sich die ältere Grabkammer deutlich vom jüngeren Baukörper abhebt.
Die heutige Moschee wird von zehn hohen Minaretten gerahmt, die jeweils über 100 Meter Höhe erreichen und als senkrechte Zeichen in der Silhouette von Medina auftreten.Die Beschreibung moderner Architekturführer nennt zehn Minarette mit einer Höhe von etwa 104 Metern. Über dem inneren Bereich der Gebetshallen befinden sich zudem mehrere große Kuppeln auf quadratischen Sockeln, die mechanisch verschiebbar sind und Teile des Dachs öffnen können, wodurch sich der Hofcharakter der frühesten Anlage in neuer Form fortsetzt. Die Verbindung von feststehenden Bauelementen, beweglichen Dachsegmenten und weitläufigen Vorhöfen lässt Al-Masjid an-Nabawi heute wie eine gestufte Folge von Innen- und Außenräumen wirken, in denen die geschichtete Architektur der Jahrhunderte sichtbar bleibt.
Al-Masjid an-Nabawi besuchen: was Reisende aus Deutschland wissen sollten
- Die Prophetenmoschee liegt im Zentrum von Medina in Saudi-Arabien und ist von den großen Straßenzügen der Stadt aus gut erreichbar; internationale Reisende landen in der Regel am Flughafen von Medina und nutzen von dort Straßenverbindungen oder lokale Verkehrsmittel.
- Das Gelände der Moschee umfasst weite, überwiegend ebene Höfe und großflächige Gebetshallen, in denen zahlreiche Säulenreihen stehen; der Übergang zwischen Außenbereichen und überdachten Zonen erfolgt über breite Durchgänge und Stufen.
- Die Bereiche um die Grüne Kuppel und die historische Grabkammer liegen innerhalb der Moschee und sind deutlich gekennzeichnet, wobei sich die älteren Bauteile sichtbar von den modernen Säulenhallen unterscheiden.
- Amtssprache ist Arabisch, gezahlt wird in Saudi-Riyal.
- Die Einreisebestimmungen richten sich nach der Staatsangehörigkeit; deutsche Staatsbürger prüfen die Länderinformationen des Auswärtigen Amts unter auswaertiges-amt.de.
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Al-Masjid an-Nabawi: häufige Fragen
Wo liegt Al-Masjid an-Nabawi?
Al-Masjid an-Nabawi steht im Stadtgebiet von Medina in Saudi-Arabien und bildet dort das religiöse Zentrum rund um die Altstadtbereiche.
Was bietet ein Besuch in Al-Masjid an-Nabawi?
Ein Besuch führt in eine Moschee, die den ursprünglichen Hofbau von 622 n. Chr. mit großen modernen Gebetshallen, der Grünen Kuppel und zehn hohen Minaretten in einer einzigen Anlage vereint.
Was kennzeichnet Al-Masjid an-Nabawi architektonisch besonders?
Prägend sind die historische Grabkammer mit der Grünen Kuppel, die Vielzahl von Kuppeln und Säulen über den Gebetshallen sowie die Rahmung durch zehn schlanke Minarette, die den großen Moscheekomplex deutlich markieren.
