Al-Masjid an-Nabawi: Architektur und Geschichte der Prophetenmoschee in Medina
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 10:00 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Al-Masjid an-Nabawi in Medina gehört zu den bedeutendsten Moscheen der islamischen Welt und verbindet frühe islamische Baugeschichte mit einer großmaßstäblichen Sakralanlage des 20. Jahrhunderts. Die Moschee geht auf den Bau des Propheten Mohammed im Jahr 622 zurück und wurde seither von verschiedenen Herrschern und Dynastien immer wieder erweitert und umgestaltet, sodass sich in ihrem heutigen Erscheinungsbild Schichten aus über einem Jahrtausend Baugeschichte ablesen lassen.Grundsteinlegung 622
Al-Masjid an-Nabawi: von der Hofmoschee zum großflächigen Sakralbau
Die Prophetenmoschee geht auf ein vergleichsweise einfaches Bauwerk zurück, das Mohammed kurz nach seiner Ankunft in Medina errichten ließ. Das frühe Gebäude bestand aus Lehmziegeln, Palmstämmen und einem Dach aus Palmwedeln, das einen offenen Hof umgab, und diente als Gebetsort, Versammlungsraum und Zentrum der frühen Gemeinde.kleine Moschee aus Lehmziegeln und Palmwedeln Bereits in der Zeit der Rashidun-Kalifen Umar ibn al-Chattab und Uthman ibn Affan wurde die Moschee mit Steinwänden und einer stabileren Dachkonstruktion erweitert, um der wachsenden Gemeinschaft Raum zu bieten.Rashidun-Erweiterungen mit Steinwänden
Unter dem Umayyadenkalifen al-Walid I. wurde die Anlage im frühen 8. Jahrhundert umfassend umgestaltet: Es entstanden eine große Andachtshalle mit einem zentralen Hof, erste steinerne Minarette an den Eckpunkten der Moschee sowie ein Mihrab mit Glasmosaiken. Auch das Grab des Propheten wurde baulich in die Moschee einbezogen, sodass religiöse und historische Funktionen eng zusammenrückten.Umgestaltung unter al-Walid I. In späteren Jahrhunderten erweiterten Abbasiden, Mamluken und Osmanen den Bau mehrfach; dabei entstand ein Gefüge aus Gebetshallen, Höfen, Seitentrakten und Kuppeln, das die ursprüngliche Hofmoschee zu einem vielschichtigen Sakralbau anwachsen ließ.Erweiterungen durch Abbasiden, Mamluken und Osmanen
Architektonische Merkmale und die Grüne Kuppel
Die heutige Prophetenmoschee zeichnet sich durch ein Nebeneinander verschiedener Architektursprachen aus, die sich aus den jeweiligen Bauphasen ergeben. Neben den langen, von Säulen getragenen Gebetshallen und den gedeckten Arkaden rund um die Innenhöfe prägen zahlreiche Kuppeln das Dachbild der Moschee; besonders markant ist die über dem Grab des Propheten stehende Grüne Kuppel, deren Ursprung in osmanischer Zeit liegt.Grüne Kuppel über dem Grab des Propheten Die Kuppeln ruhen auf einem System von Pfeilern und Bögen, das die Gebetshallen gliedert und ihnen eine regelmäßige, rhythmische Raumstruktur verleiht.
Rund um die Anlage erheben sich hohe Minarette, die in osmanischer und saudischer Zeit neu gestaltet oder ergänzt wurden und die Silhouette der Moschee weithin sichtbar machen. Die Gebetshallen sind mit Marmorböden und dekorierten Wandflächen ausgestattet; im Bereich der Qibla-Wand finden sich osmanische und neuere Verkleidungen mit geometrischen und floralen Motiven. Ein besonders hervorgehobener Teil der Moschee ist die Rawda, eine Fläche zwischen dem Minbar und dem Grab des Propheten, die als Teil des ursprünglichen Hofes gilt und durch ihre räumliche Fassung und Ausstattung deutlich markiert ist.Rawda mit klar definierter Fläche
Moderne Erweiterungen und Raumorganisation
Im 20. Jahrhundert wurde Al-Masjid an-Nabawi unter der Herrschaft des saudischen Königshauses mehrfach erweitert, um die wachsende Zahl der Gläubigen aufzunehmen. Eine erste große Erweiterung unter König Abdulaziz in den 1950er-Jahren ergänzte die historische Anlage um moderne Flügel aus Stahlbeton, die sich an der bestehenden Struktur orientieren und zusätzliche Gebetshallen schaffen.Erste saudische Erweiterung in den 1950er-Jahren Spätere Maßnahmen im späten 20. Jahrhundert vergrößerten die Gesamtnutzfläche nochmals deutlich und ergänzten überdachte Bereiche, Kolonnaden und technische Infrastruktur.
Durch diese Eingriffe entstand eine sehr weitläufige Moscheeanlage, in der historische Bereiche wie die Grüne Kuppel und die Rawda mit modernen Gebetshallen, Arkaden und Zugangsbereichen verbunden sind. Das Wegenetz im Inneren folgt der Gliederung durch Säulenreihen und Höfe, während die äußeren Flächen rund um die Moschee große gepflasterte Bereiche umfassen, die sich an das städtische Gefüge von Medina anschließen.Chronologie der Erweiterungen bis ins 20. Jahrhundert Die Verbindung von historischen Bauteilen und neueren Erweiterungen macht Al-Masjid an-Nabawi zu einem Beispiel dafür, wie eine überlieferte heilige Stätte baulich an eine sich verändernde Stadt und eine große Pilgergemeinschaft angepasst wurde, ohne ihre zentrale religiöse Bedeutung zu verlieren.
Al-Masjid an-Nabawi besuchen: was Reisende aus Deutschland wissen sollten
- Al-Masjid an-Nabawi liegt im Stadtgebiet von Medina im Westen von Saudi-Arabien und ist aus anderen Städten des Landes über den Flughafen von Medina und Straßenverbindungen erreichbar.
- Der Zugang zur Moschee führt über große, gepflasterte Vorplätze und mehrere Eingänge; innerhalb der Anlage verbinden überdachte Arkaden und weite Gebetshallen die verschiedenen Bereiche, teils mit langen Wegen zu Fuß.
- Der Bereich um die Grüne Kuppel und die Rawda liegt innerhalb der historischen Kernzone der Moschee und ist baulich von den umliegenden Gebetshallen abgesetzt, mit klar markierten Übergängen und Durchgängen.
- Amtssprache ist Arabisch, gezahlt wird in Saudi-Riyal.
- Die Einreisebestimmungen richten sich nach der Staatsangehörigkeit; deutsche Staatsbürger prüfen die Länderinformationen des Auswärtigen Amts unter auswaertiges-amt.de.
Al-Masjid an-Nabawi auf Social-Media-Plattformen
Diese Links öffnen auf den jeweiligen Plattformen eine Suche nach dem Stichwort Al-Masjid an-Nabawi.
Al-Masjid an-Nabawi: häufige Fragen
Wo liegt Al-Masjid an-Nabawi?
Al-Masjid an-Nabawi steht im Stadtgebiet von Medina in der Region Hedschas im Westen von Saudi-Arabien und bildet dort ein zentrales religiöses Bauwerk.
Was bietet ein Besuch von Al-Masjid an-Nabawi?
Ein Besuch führt in eine große Moscheeanlage mit historischen Bereichen wie der Grünen Kuppel und der Rawda sowie weitläufigen Gebetshallen und Höfen, die unterschiedliche Bauphasen sichtbar machen.
Was kennzeichnet Al-Masjid an-Nabawi baulich besonders?
Kennzeichnend sind die Überlagerung von frühislamischer Hofmoschee, osmanischer Kuppel- und Minarettarchitektur und modernen saudischen Erweiterungen, die gemeinsam eine der größten Moscheeanlagen der islamischen Welt bilden.
