Dänemark, Schleswig-Holstein

Woran starb der Buckelwal? Obduktion von Kadaver gestartet

04.06.2026 - 17:14:02 | dpa.de

Vor rund drei Wochen wurde der als «Timmy» bekannte tote Buckelwal vor der dänischen Insel Anholt angespült. Nun wird er vor Schaulustigen am Strand obduziert. Welche Antworten darf man sich erhoffen?

  • Fachleute obduzieren den als «Timmy» bekannten Buckelwal am Strand der Insel Anholt. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
    Fachleute obduzieren den als «Timmy» bekannten Buckelwal am Strand der Insel Anholt. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
  • Experten bei der Obduktion des Buckelwals am Strand der Insel Anholt. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
    Experten bei der Obduktion des Buckelwals am Strand der Insel Anholt. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
  • Am Strand stehen schon Container bereit. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
    Am Strand stehen schon Container bereit. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa
Fachleute obduzieren den als «Timmy» bekannten Buckelwal am Strand der Insel Anholt. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa Experten bei der Obduktion des Buckelwals am Strand der Insel Anholt. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa Am Strand stehen schon Container bereit. - Bild: Kai Moorschlatt/dpa

Mit prüfendem Blick - ausgestattet mit Schutzanzug und Notizbrett - begutachten die Experten den gelb-bräunlichen Kadaver des als «Timmy» bekannten Buckelwals. Dann heißt es: Vermessen und Aufschneiden. Die mit Spannung erwartete Obduktion des Wals auf der dänischen Urlaubsinsel Anholt hat nach langem Warten begonnen. Schaulustige und Medienvertreter versammelten sich um das Tier, das seit Wochen Schlagzeilen macht.

Bilder von vor Ort zeigten, wie das für die Obduktion angereiste Team aus Tierärzten und Wal-Experten den gelb-bräunlichen Kadaver zunächst genau begutachtete und Notizen machte. Kisten mit Ausrüstung wurden zum Tier getragen, bevor das Team schließlich damit begann, den Wal akribisch zu vermessen. 

Anschließend wurde der Kadaver mit einem länglichen Messer aufgeschnitten, um Luft aus dem stark aufgeblähten Tier abzulassen. Danach wurde der Wal geöffnet und zerteilt. Rund um das Tier lagen bereits Organe und Eingeweide.

Seit mehreren Wochen liegt der Körper des tonnenschweren Tiers vor der Urlaubsinsel, stark aufgebläht von Fäulnisgasen und von Möwen traktiert. Wer zuschauen will, muss also einen guten Magen mitbringen. Aus Sicherheitsgründen müssen die Zuschauer genügend Abstand einhalten. In Richtung Meer im Wind riecht es nach Angaben eines dpa-Reporters streng. 

Das Team aus Experten arbeitet indes ohne Masken. «Wir haben in Dänemark schon bei vielen gestrandeten Walen zusammengearbeitet, daher sind wir eigentlich alle an den Geruch gewöhnt», sagte die dänische Forscherin Charlotte Bie Thøstesen, die an der Obduktion beteiligt ist.

Woran ist «Timmy» gestorben?

Aus der Ferne beobachtet auch das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern die Obduktion, wie eine Sprecherin der dpa mitteilte. Man sei mit den Behörden vor Ort in Kontakt. Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace und das in Stralsund ansässige Deutsche Meeresmuseum wollen per Stream dabei sein - und pochen auf die Ergebnisse der Obduktion.

Die Experten wollen primär herausfinden, woran der Buckelwal, der seit Wochen Schlagzeilen macht, gestorben ist. Abschließend geklärt werden soll auch, ob der Wal mit dem Jungennamen «Timmy» - wie bereits vermutet - eigentlich ein Weibchen ist. Unter anderem ist auch die Entnahme von Hautproben für einen DNA-Test geplant. Anberaumt dafür sind etwa sechs Stunden.

Die Frage nach der Todesursache könnte allerdings schwierig zu klären sein. «Es könnte schon zu spät sein, um etwa innere Blutungen zu entdecken», sagte der dänische Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Auch die Frage, ob der Wal Wasser in der Lunge gehabt haben könnte, lasse sich womöglich nicht mehr beantworten, meint der Experte. Entdeckt werden könnten jedoch Reste von Fischernetzen im Magen und Darm des Buckelwals. Sie könnten zum Tod des Tiers beigetragen haben. 

Laut Expertin Thøstesen sind Untersuchungen wie diese für die Wissenschaft besonders wertvoll. Bei Buckelwalen handelt es sich demnach um Tiere, die nur schwer in ihrem natürlichen Lebensraum im Meer erforscht werden können. «Wenn wir hier also in Dänemark gestrandete Wale finden, nutzen wir sie, um Erkenntnisse über die wildlebenden Tiere zu gewinnen», erklärt die Expertin

Backhaus will Ergebnisse sorgfältig überprüfen

Seit der Buckelwal ab Ende März mehrfach vor der deutschen Ostseeküste gestrandet war, beschäftigte sein Schicksal viele Menschen in Deutschland. Eine private Initiative hatte das Tier gegen den Rat von Fachleuten mit einem Schiff in einer Metallkiste Richtung Nordsee transportiert und ausgesetzt. Einige Zeit nach der kritisierten Aktion war der Wal tot auf Anholt angespült worden. Ein Bergungsteam hatte das Tier am Wochenende auf den Strand gezogen. 

Entsprechend wird die Obduktion in Deutschland mit Spannung verfolgt. «Wir begrüßen ausdrücklich, dass nun weitere Erkenntnisse zum Zustand des Tieres gewonnen werden», wurde MV-Umweltminister Till Backhaus (SPD) in einer Mitteilung zitiert. «Die Untersuchung kann helfen, offene Fragen zu seinem Gesundheitszustand, möglichen Vorerkrankungen und den Ursachen seines Verendens zu beantworten.» 

Die Ergebnisse will Backhaus sorgfältig prüfen. «Unser Ziel ist nicht die Rechtfertigung vergangener Entscheidungen. Unser Ziel ist es, die Abläufe kritisch zu analysieren und künftig besser vorbereitet zu sein.» Um die Ergebnisse der Obduktion will auch das Meeresmuseum bitten.

Was passiert mit den Überresten von Buckelwalen in Dänemark?

Der Kadaver des Buckelwals «Timmy» wird voraussichtlich zumindest an diesem Donnerstag noch auf der dänischen Insel Anholt bleiben. Noch vor Beginn der Obduktion sagte eine Sprecherin des Fährunternehmens Anholt Greena der dpa, der für heute oder morgen geplante Abtransport von der Insel sei auf unbestimmte Zeit verschoben. 

Die Reste des Kadavers werden voraussichtlich Anfang der kommenden Woche von der dänischen Insel Anholt abtransportiert, sagte Morten Abildstrøm vom dänischen Amt für Naturverwaltung der Deutschen Presse-Agentur. Ein Abtransport der Container am Wochenende mache aufgrund eingeschränkter Öffnungszeiten der zuständigen Unternehmen wenig Sinn, hieß es.

Einheimische wünschen sich, dass der Wal verschwindet. Sie fürchten, er könnte Badegäste an dem beliebten Strand abschrecken.

Um die Verwertung von Wal-Kadavern kümmert sich in der Regel ein Unternehmen wie Daka Dänemark. In einer Fabrik würden Überreste von Walen in seine Bestandteile getrennt, erklärte ein Sprecher zuletzt. Bislang habe das Unternehmen aber noch keinen Auftrag für die Verwertung des Kadavers erhalten, hieß es am Mittwoch.

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