Neue Ära für The Strokes: vom Debüt bis heute
13.06.2026 - 12:42:56 | ad-hoc-news.de
Als The Strokes Anfang der 2000er aus den Clubs der Lower East Side auftauchten, wirkte ihr Sound wie ein Neustart für den Gitarrenrock: roh, melodisch, lakonisch und doch voller Hooks. Ihr Debütalbum Is This It wurde schnell zum Referenzpunkt einer ganzen Generation von Indie-Rock-Fans und öffnete der Band die Türen zu den großen Bühnen von Glastonbury bis Coachella.
Von Is This It bis The New Abnormal: die Linie
Das Debütalbum Is This It der New Yorker Band The Strokes erschien 2001 und gilt in vielen Rückblicken als eines der einflussreichsten Rockalben der 2000er-Jahre. Wie unter anderem der britische Rolling Stone und das Magazin NME in diversen Bestenlisten betonen, setzte die Platte mit ihren kantigen Gitarren, dem stoischen Schlagzeugspiel und Julian Casablancas' näselndem Gesang einen Kontrapunkt zum damals dominierenden Nu Metal und Pop-Punk.
Die Songs Last Nite, Someday und Hard to Explain wurden zu Indie-Hymnen und prägten die Ästhetik einer ganzen Welle von Gitarrenbands aus New York, London und Berlin. In Deutschland fanden The Strokes schnell Resonanz bei einem Publikum, das sich gleichermaßen für Britrock und amerikanische Alternative-Bands interessierte, wie etwa Konzertberichte in der Musikpresse belegen.
Über die Jahre entwickelten The Strokes ihren Sound weiter, ohne den typischen Mix aus knappen Riffs, simplen, aber einprägsamen Melodien und einem trockenen, oft leicht übersteuerten Produktionsstil völlig aufzugeben. Das Album Room on Fire von 2003 knüpfte direkt an das Debüt an und verschärfte den minimalistisch-tighten Ansatz noch einmal, während First Impressions of Earth von 2006 mit längeren Songs und experimentelleren Strukturen spielte.
Nach einer Pause und Soloaktivitäten einzelner Mitglieder kehrte die Band 2011 mit Angles und 2013 mit Comedown Machine zurück, Alben, die Synthesizer stärker in den Vordergrund rückten und die Band soundlich zwischen New Wave, Indie und klassischem Rock verorteten. Kritiken fielen gemischt bis positiv aus, viele Rezensenten hoben hervor, dass The Strokes sich nicht auf der frühen Formel ausruhten, sondern ihre Nische innerhalb des Indie-Rock ausloteten.
Mit The New Abnormal, erschienen 2020 bei RCA Records, legten The Strokes ein spätes Karriere-Highlight vor. Die Platte, produziert von Rick Rubin, wurde von zahlreichen Medien – darunter Pitchfork, The Guardian und der Rolling Stone – als starkes Comeback bewertet. Der Song The Adults Are Talking avancierte zum Fanliebling und zeigte, wie die Band ihre typischen Gitarrenlinien mit subtilen Elektronik-Elementen und komplexeren Arrangements verbindet.
- 2001: Debütalbum Is This It setzt neue Maßstäbe im Indie-Rock.
- 2003/2006: Room on Fire und First Impressions of Earth festigen den Status der Band.
- 2010er: Experimente mit Synths auf Angles und Comedown Machine.
- 2020: The New Abnormal wird als spätes Meisterwerk gefeiert.
New Yorker Szene-Band mit globaler Wirkung
The Strokes stammen aus New York City und formierten sich Ende der 1990er-Jahre, als Julian Casablancas (Gesang), Nick Valensi (Leadgitarre), Albert Hammond Jr. (Rhythmusgitarre), Nikolai Fraiture (Bass) und Fabrizio Moretti (Schlagzeug) zunächst in kleinen Bars und Clubs der Stadt auftraten. Diese Herkunft aus der Downtown-Szene ist ein wichtiger Teil ihrer Identität und prägte ihr Image als scheinbar lässige, aber musikalisch hochpräzise Garagenrock-Band.
Für das deutsche Publikum waren The Strokes früh mehr als nur ein Hype aus den USA: Ihre Mischung aus britischem Post-Punk-Erbe und amerikanischer Rocktradition sprach Fans von Bands wie The Clash, Television oder auch zeitgenössischen Acts wie The White Stripes und Interpol an. In Interviews betonte die Band immer wieder ihre Liebe zu klassischen New-York-Acts wie Velvet Underground und zu 70er-Jahre-Rock, was sich auch in der schlanken, oft leicht verzerrten Gitarrenarbeit widerspiegelt.
Der Erfolg von The Strokes trug dazu bei, dass Anfang der 2000er von einer Art Post-Punk- oder Garage-Rock-Revival gesprochen wurde. Zeitgleich tauchten Bands wie The Libertines, Franz Ferdinand oder Yeah Yeah Yeahs auf, die sich stilistisch in einem ähnlichen Feld bewegten. The Strokes nahmen in dieser Bewegung eine Schlüsselrolle ein, weil ihr Debüt vielen Kritikern als Auslöser oder zumindest als Katalysator dieser Welle galt.
Gleichzeitig haben The Strokes es geschafft, sich nicht nur als nostalgische Retro-Band zu etablieren. Mit jedem weiteren Album und insbesondere mit The New Abnormal hat sich gezeigt, dass sie auch im Streaming-Zeitalter relevanten Indie-Rock liefern können, der sowohl alte Fans als auch ein jüngeres Publikum anspricht. Das belegen unter anderem hohe Streaming-Zahlen auf Plattformen wie Spotify und Apple Music, auf denen Klassiker wie Last Nite bis heute millionenfach abgerufen werden.
Anfänge zwischen Proberaum und Lower-East-Side-Clubs
Die Geschichte von The Strokes beginnt in den späten 1990er-Jahren, als sich die Bandmitglieder in New York und an verschiedenen Privatschulen kennenlernten. Julian Casablancas, Sohn des späteren Strokes-Labelbetreibers John Casablancas, fungierte früh als Songwriter und kreativer Kopf der Gruppe. Mit Nick Valensi, Albert Hammond Jr., Nikolai Fraiture und Fabrizio Moretti fand er eine Besetzung, deren Chemie live wie im Studio schnell offensichtlich wurde.
Erste Demos kursierten in der New Yorker Szene und sorgten für Aufsehen bei A&R-Scouts. Eine frühe EP und die legendären Auftritte im Mercury Lounge und im Club CBGB machten The Strokes zu einem Geheimtipp, bevor sie überhaupt ein vollständiges Album veröffentlicht hatten. Wie Musikmagazine später hervorhoben, traf ihre Mischung aus lakonischem Gesang, reduziertem Gitarrenspiel und punktgenauer Rhythmus-Sektion den Nerv einer Generation, die nach einer Alternative zum saturierten Mainstream-Rock suchte.
Mit dem Signing bei Rough Trade Records in Großbritannien und RCA in den USA gelang schnell der Schritt vom New Yorker Geheimtipp zum internationalen Act. Vor allem in Großbritannien wurden The Strokes früh gefeiert; britische Medien zeichneten ein Bild von der Band als Speerspitze eines neuen, cooleren Rock-Sounds, der sich vom bombastischen Stadionrock der 1990er absetzte.
In dieser Phase wurden auch die visuellen Codes der Band geschärft: schmale Anzüge, enge Jeans, Lederjacken, verwaschene T-Shirts, dazu eine betont lässige Bühnenpräsenz. Diese Ästhetik prägte nicht nur The Strokes, sondern auch viele nachfolgende Indie-Bands, die sich am Look der New Yorker orientierten.
Gitarrenlinien, die hängen bleiben: der Sound von The Strokes
Der Signature-Sound von The Strokes lässt sich an einigen Konstanten festmachen: klar konturierte Gitarrenlinien, die häufig ineinandergreifen, eine trockene, fast mechanische Rhythmusarbeit und Gesangslinien, die zwischen Monotonie und Melancholie oszillieren. Die frühen Produktionen, insbesondere auf Is This It und Room on Fire, setzen stark auf Live-Feeling im Studio, mit begrenztem Overdubbing und einem bewusst unpolierten Klangbild.
Produzent Gordon Raphael, der an den ersten Alben maßgeblich beteiligt war, trug dazu bei, diesen Sound zu formen. Seine Aufnahmen fangen die Energie der Band ein, ohne sie zu überfrachten, und betonen die Nähe zu Garage Rock und Post-Punk. Charakteristisch sind die punktgenauen Breaks, das stoisch antreibende Schlagzeug von Fabrizio Moretti und die dialogartige Führung der beiden Gitarren von Nick Valensi und Albert Hammond Jr.
Mit Alben wie Angles und Comedown Machine kamen elektronische Elemente, Synthesizer-Flächen und komplexere Songstrukturen hinzu. Songs wie Under Cover of Darkness oder One Way Trigger zeigen, wie The Strokes New-Wave- und 80er-Pop-Einflüsse integrieren, ohne ihren Kern aufzugeben. Die Band bewegte sich damit weg vom streng reduzierten Garagenklang hin zu einem etwas breiter angelegten Indie-Pop-Rock.
Auf The New Abnormal verband die Gruppe diese Entwicklungen zu einem reifen, detailreichen Soundbild. Der von Rick Rubin produzierte Song The Adults Are Talking verbindet eine typische, verzögerte Gitarrenhook mit einem federnden Basslauf und subtil elektronisch gefärbten Drums. Auch die Stücke Bad Decisions und Brooklyn Bridge to Chorus spielen mit 80er-Anklängen, ohne sich im Retro-Pop zu verlieren.
Texte von The Strokes kreisen häufig um urbane Entfremdung, Beziehungen, Nachtleben und das Lebensgefühl einer jungen Großstadtgeneration. Dabei bleibt Casablancas' Lyrik meist fragmentarisch, eher atmosphärisch als erzählend. Diese Herangehensweise trägt dazu bei, dass die Songs offen für unterschiedliche Deutungen bleiben und sich Hörerinnen und Hörer eigene Geschichten in die Musik projizieren können.
Von Bestenlisten bis Streaming-Ära: Wirkung von The Strokes
Die kulturelle Wirkung von The Strokes lässt sich an mehreren Faktoren ablesen: an der anhaltenden Präsenz in Bestenlisten, an ihrem Einfluss auf andere Bands sowie an ihrer Rolle im Übergang vom CD- zum Streaming-Zeitalter. Zahlreiche Magazine – darunter Rolling Stone, NME, Pitchfork und der Guardian – führen Is This It in Listen der besten Alben der 2000er- oder sogar aller Zeiten. Damit ist klar, dass das Debüt weit über seinen Entstehungskontext hinaus Bedeutung erlangt hat.
Zudem berufen sich viele spätere Indie- und Alternative-Acts explizit auf The Strokes als Einfluss. Bands aus Großbritannien, den USA und auch Deutschland haben den lakonischen Gesangsstil und die verzahnten Gitarrenstrukturen aufgegriffen. In der deutschen Indie-Szene lassen sich entsprechende Spuren etwa bei jüngeren Gitarrenbands erkennen, die eine ähnliche Mischung aus treibenden Beats und schroffen Riffs pflegen.
Kommerziell konnten The Strokes mit ihren frühen Alben international respektable Chartplatzierungen erreichen, auch wenn sie nie primär als Chart-Pop-Band wahrgenommen wurden. Wichtiger als einzelne Platzierungen ist ihre Dauerpräsenz in Playlists, Radioprogrammen und auf Festivalbühnen. In der Ära von Spotify, Apple Music und Co. sind Songs wie Last Nite oder Reptilia weiterhin feste Bestandteile von Indie- und Rock-Playlists, was die nachhaltige Attraktivität der Band unterstreicht.
Auch live haben The Strokes einen Ruf als Band mit hoher Energie und einem gewissen Risiko-Faktor: Nicht jeder Auftritt ist perfekt, manche Shows werden als spröde oder launisch beschrieben, andere dafür als rauschhafte, spontane Highlights. Gerade dieses Moment des Unberechenbaren trägt zur anhaltenden Faszination bei und unterscheidet sie von stärker durchchoreografierten Pop-Acts.
Im Musikjournalismus werden The Strokes häufig als eine Art Brückenglied beschrieben: zwischen dem klassischen Rock-Kanon der 1960er und 1970er Jahre und der Indie-Szene des 21. Jahrhunderts, zwischen analoger Clubkultur und digitalem Streaming, zwischen der Ästhetik von Vinyl und der Logik von Playlists. Für viele Fans, die um 2000 herum begannen, sich intensiver mit Gitarrenmusik zu beschäftigen, waren und sind The Strokes ein Einstieg in eine größere Musikwelt.
Fragen zu The Strokes: Antworten im Überblick
Welche Alben von The Strokes gelten als besonders wichtig?
Als zentrale Werke von The Strokes werden immer wieder das Debüt Is This It und der Nachfolger Room on Fire genannt, weil sie den charakteristischen, reduzierten Gitarrensound und die Songwriting-Formel der Band am klarsten auf den Punkt bringen. Spätere Alben wie First Impressions of Earth und insbesondere The New Abnormal erweitern diesen Ansatz um experimentellere Strukturen und neue Einflüsse und gelten heute ebenfalls als wichtige Eckpunkte der Diskografie.
Wie hat sich der Stil von The Strokes im Laufe der Jahre verändert?
Zu Beginn standen bei The Strokes schlanke Gitarrenriffs, kurze Songs und ein sehr direkter Garagenrock-Sound im Vordergrund. Mit den Alben der 2010er-Jahre kamen verstärkt Synthesizer, New-Wave-Elemente und komplexere Arrangements hinzu, was den Klang offener und facettenreicher machte. Auf The New Abnormal verbinden sie ihre frühen Stärken mit dieser erweiterten Palette und zeigen, dass sie auch Jahrzehnte nach dem Debüt noch stilistisch wachsen können.
Welche Bedeutung haben The Strokes für die Indie-Rock-Szene?
The Strokes werden oft als eine der prägenden Indie-Rock-Bands der 2000er-Jahre bezeichnet. Ihr Erfolg ebnete nach Ansicht vieler Kritiker den Weg für eine ganze Welle von Gitarrenbands und trug dazu bei, dass Garagen- und Post-Punk-Anklänge im Mainstream wieder gefragt waren. Bis heute dient ihr Werk vielen jüngeren Acts als Referenz, wenn es darum geht, eingängige Rockmusik mit einem gewissen Understatement und einer klaren ästhetischen Vision zu verbinden.
Social Media und Streaming: The Strokes online entdecken
Wer tiefer in die Welt von The Strokes eintauchen möchte, findet in sozialen Netzwerken und auf Streaming-Plattformen eine Fülle von Live-Mitschnitten, Hintergrundinterviews und natürlich die komplette Diskografie der Band.
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