OnlyFans nach zehn Jahren: BKA sieht Rolle bei Menschenhandel
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSOnlyFans zwischen Einnahmen und Risiken
- OnlyFans wurde 2016 gegründet und hat seinen Sitz der Betreiberfirma zufolge in London.
- Für das Geschäftsjahr bis Ende November 2025 nennt das Unternehmen einen Umsatz von 1,553 Milliarden US-Dollar.
- Das BKA teilt mit, dass OnlyFans vereinzelt im Bereich Menschenhandel und Zwangsprostitution eine Rolle spiele.
OnlyFans feiert zehn Jahre zwischen Freiheit und Risiko
OnlyFans wurde 2016 gegründet und steht zehn Jahre später im Spannungsfeld zwischen selbstbestimmter Arbeit und Warnungen vor wirtschaftlichem Druck, Gewalt und Ausbeutung. Eine Creatorin, Terre des Femmes, OnlyFans und das Bundeskriminalamt bewerten die Frage nach der Selbstbestimmung unterschiedlich.
Creatorin betont eigene Entscheidungen
Sally Dinosaur veröffentlicht erotische Inhalte und sagt, sie entscheide täglich selbst, was sie zeigen wolle. Anfragen könne sie annehmen oder ablehnen; wenn ihr eine Aufnahme später nicht gefalle, veröffentliche oder lösche sie diese nach eigenen Angaben.
Für sie ist die Arbeit mit einer Ausbildung vereinbar, die sie fortgesetzt hat. Nebenher tätowiert sie und bleibt nach eigenen Worten vor allem wegen der Reichweite auf der Plattform.
Frauenrechtlerin warnt vor wachsendem Druck
Sina Tonk von Terre des Femmes sieht hinter der individuellen Entscheidung auch strukturelle Machtverhältnisse. Die Creatorinnen seien überwiegend weiblich, die Nutzer überwiegend männlich; wirtschaftlicher Druck könne dazu führen, dass Frauen mit der Zeit mehr zeigten als zunächst geplant.
Tonk warnt außerdem vor der Weiterverbreitung von Aufnahmen außerhalb der Plattform, bedrohlichen Nachrichten und Manipulation. Der Einstieg sei niedrigschwelliger als bei der Prostitution und könne deshalb zunächst wie eine weitgehend selbstbestimmte Tätigkeit erscheinen.
Plattform verweist auf Kontrollen
OnlyFans verweist auf Identitätsprüfungen, Moderation und Kontrollen bei der Zahlungsabwicklung. Diese Maßnahmen würden laufend weiterentwickelt; auch von externen Managementagenturen betreute Accounts unterlägen denselben Kontrollen.
Nach Unternehmensangaben legen Creatorinnen und Creator ihre Preise selbst fest und behalten 80 Prozent ihrer Einnahmen. Seit der Gründung seien weltweit mehr als 30 Milliarden US-Dollar ausgezahlt worden; mehr als 5.000 Menschen hätten jeweils über eine Million Dollar verdient.
BKA nennt einzelne Erkenntnisse
Das BKA teilt mit, die digitale Dimension des Menschenhandels beeinflusse die Arbeitsweise von Menschenhändlern weiterhin stark. Der Behörde lägen vereinzelte Erkenntnisse vor, dass OnlyFans im Bereich Menschenhandel und Zwangsprostitution eine Rolle spiele.
Zu konkreten Ermittlungsverfahren äußert sich das BKA grundsätzlich nicht. Der Gegensatz zwischen der Entscheidung einer einzelnen Creatorin und den von Frauenrechtlerinnen beschriebenen Risiken bleibt damit die zentrale Frage nach zehn Jahren OnlyFans.
OnlyFans ist seit der Gründung 2016 von einer Plattform für kostenpflichtige Inhalte zu einem globalen Geschäftsmodell geworden, dessen bekanntestes Segment erotische Angebote sind. Das Unternehmen meldet für das Geschäftsjahr bis Ende November 2025 einen Umsatz von 1,553 Milliarden US-Dollar und gibt an, 80 Prozent der Einnahmen an Creatorinnen und Creator auszuzahlen.
Diese Zahlen beschreiben jedoch vor allem die Größe des Marktes, nicht die typische finanzielle Situation einzelner Anbieter. Gesamtangaben und Spitzenverdienste zeigen nicht, wie sich die Einnahmen auf die große Zahl der Accounts verteilen. Für Creatorinnen können Reichweite, selbst gesetzte Preise und die Möglichkeit, Anfragen abzulehnen, Handlungsspielräume schaffen.
Digitale Kontrolle und reale Risiken
Gleichzeitig bleibt veröffentlichtes Material grundsätzlich kopierbar und kann außerhalb der Plattform weiterverbreitet werden. Bedrohliche Nachrichten, wirtschaftlicher Druck und die mögliche Einflussnahme Dritter verschärfen das Risiko, dass Grenzen nicht aus freien Stücken oder nicht dauerhaft eingehalten werden.
Die BKA-Einschätzung ordnet OnlyFans in ein größeres Problem ein: Menschenhandel und Zwangsprostitution verlagern sich teilweise in digitale Räume. Daraus folgt kein pauschales Urteil über jede Tätigkeit auf der Plattform, aber ein Prüfauftrag für Plattformbetreiber, Behörden und Nutzer.
Was zehn Jahre OnlyFans offenlassen
Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob ein Account freiwillig eröffnet wird. Ebenso wichtig sind transparente Moderation, Schutz vor nicht einvernehmlicher Weitergabe, der Umgang mit Managementagenturen und der Zugang zu Hilfe bei Drohungen oder Ausbeutung. Der Gegensatz zwischen individueller Selbstbestimmung und strukturellem Druck bleibt der zentrale Konflikt des Geschäftsmodells.
