Zugunglück Spanien, Urda

Zugunglück in Spanien: 56 von 69 Todesopfern identifiziert

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 13:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Vier Tage nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge sind 56 der 69 Todesopfer identifiziert. 13 Familien warten noch auf Gewissheit; die Strecke zwischen Madrid und Andalusien bleibt gesperrt.

Internationale Opfer und gesperrte Strecke

  • Die Behörden in Kastilien-La Mancha klärten 56 der 69 Todesfälle zweifelsfrei.
  • 54 Identifizierte waren spanische Staatsangehörige, je einer kam aus Frankreich und Portugal.
  • Die Bahnstrecke zwischen Madrid und Andalusien bleibt in beiden Richtungen gesperrt.
  • 13 der 69 Todesopfer sind noch nicht identifiziert. (Archivbild) - Bild: Bernat Armangue/AP/dpa
  • Der spanische Regierungschef Pedro Sanchez (M.) war am Unfallort. Die Regierung in Madrid steht vor den Wahlen unter Druck. (Archivbild) - Bild: Alejandro Martínez Vélez/EUROPA PRESS/dpa
  • Rund 50 Beamte der Polizeieinheit Guardia Civil waren am Sonntag weiterhin am Unglücksort im Einsatz. (Archivbild) - Bild: Diego Radamés/EUROPA PRESS/dpa
  • Der viel kritisierte Verkehrsminister soll sich am Dienstag vor dem Parlamentsausschuss äußern - Bild: Eduardo Parra/Europapress/dpa
  • 13 Familien bangen weiter um Gewissheit. (Archivbild) - Bild: Andrea Comas/AP/dpa
  • Dutzende Verletzte liegen noch in Krankenhäusern. (Archivbild) - Bild: Joaquín Corchero/EUROPA PRESS/dpa
13 der 69 Todesopfer sind noch nicht identifiziert. (Archivbild) - Bild: Bernat Armangue/AP/dpa Der spanische Regierungschef Pedro Sanchez (M.) war am Unfallort. Die Regierung in Madrid steht vor den Wahlen unter Druck. (Archivbild) - Bild: Alejandro Martínez Vélez/EUROPA PRESS/dpa Rund 50 Beamte der Polizeieinheit Guardia Civil waren am Sonntag weiterhin am Unglücksort im Einsatz. (Archivbild) - Bild: Diego Radamés/EUROPA PRESS/dpa Der viel kritisierte Verkehrsminister soll sich am Dienstag vor dem Parlamentsausschuss äußern - Bild: Eduardo Parra/Europapress/dpa 13 Familien bangen weiter um Gewissheit. (Archivbild) - Bild: Andrea Comas/AP/dpa Dutzende Verletzte liegen noch in Krankenhäusern. (Archivbild) - Bild: Joaquín Corchero/EUROPA PRESS/dpa

Identifizierung der Todesopfer in Kastilien-La Mancha läuft weiter

Vier Tage nach dem schweren Zugunglück in Spanien sind 56 der 69 Todesopfer identifiziert, 13 Leichen bislang noch nicht. Nach Angaben der Behörden in Kastilien-La Mancha dürften die noch unbekannten Opfer ausschließlich aus dem Ausland stammen.

Unter den bereits identifizierten Toten sind 54 spanische Staatsangehörige sowie je ein Opfer aus Frankreich und Portugal.

Vermisste aus mehreren Ländern

Die offenen Vermisstenanzeigen betreffen vier Staatsangehörige der USA sowie jeweils zwei aus Japan und Australien. Zudem werden je eine vermisste Person aus Kanada, Mexiko, Argentinien, Tschechien und Tunesien genannt.

Das lässt darauf schließen, dass sich vermutlich keine Deutschen unter den Todesopfern befinden. Für die noch ausstehenden Identifizierungen seien weitere Schritte im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit erforderlich.

Fingerabdrücke und DNA-Analysen

Den Angehörigen von 51 der 56 identifizierten Opfer wurde die Nachricht bereits übermittelt. 33 der Toten sind Männer, 18 Frauen.

52 Opfer wurden anhand von Fingerabdrücken identifiziert, vier mithilfe von DNA-Analysen. Die fünf noch ausstehenden Benachrichtigungen sollen so schnell wie möglich erfolgen.

Unfall bei Urda legt Bahnstrecke lahm

Am Mittwoch waren nahe der Gemeinde Urda in der Provinz Toledo rund 130 Kilometer südlich von Madrid zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammengestoßen. Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auf.

Die Strecke zwischen Madrid und Andalusien bleibt in beide Richtungen gesperrt. Die Fluggesellschaft Iberia bietet zusätzliche Flüge zu gedeckelten Preisen an.

40 Verletzte werden noch behandelt

In Krankenhäusern werden weiterhin 40 Verletzte behandelt, 17 von ihnen auf Intensivstationen. Die Sprecherin der Regierung von Kastilien-La Mancha, Esther Padilla, sagte dem Fernsehsender RTVE, es sei sehr wahrscheinlich, dass alle Verletzten durchkommen würden.

Ermittler prüfen Sicherungssystem und Leitstelle

Die Ermittlungen richten sich unter anderem auf den Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehlentscheidungen in der Bahnleitstelle Madrid. Funkmitschnitte legen nahe, dass ein Lokführer zur Wiederaufnahme des normalen Betriebs angewiesen wurde, obwohl LZB noch außer Betrieb war und sich der andere Zug weiterhin auf der Strecke befand.

Die Ursache des Unglücks ist noch nicht geklärt. Rund 50 Beamte der Guardia Civil sammelten am Sonntag weiter Informationen am Unfallort; mehrere Waggons wurden von den Gleisen geräumt und in der Nähe abgestellt.

Regierung gerät vor der Wahl unter Druck

Verkehrsminister Óscar Puente wies Kritik an der Sicherheit des spanischen Bahnsystems zurück und lehnte einen von Oppositionsparteien geforderten Rücktritt ab. Am Dienstag soll er sich vor dem Parlamentsausschuss zu dem Unglück äußern.

Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte Investitionen zur weiteren Verbesserung der Sicherheit des Bahnnetzes an. Das Unglück war binnen neun Monaten das zweite schwere Zugunglück in Spanien; am 29. November finden vorgezogene Parlamentswahlen statt.

Das Unglück bei Urda trifft Spaniens Hochgeschwindigkeitsverkehr in einer Phase, in der Fragen zur technischen Absicherung und zur Organisation des Bahnbetriebs besondere politische Bedeutung haben. Nach dem Zusammenstoß zweier Züge konzentrieren sich die Ermittlungen auf den Ausfall des Sicherungssystems LZB und auf mögliche Entscheidungen in der Leitstelle. Die Ursache ist damit noch nicht abschließend geklärt.

Die Identifizierung der Opfer ist für Angehörige und internationale Behörden besonders aufwendig, weil mehrere Vermisstenanzeigen aus dem Ausland stammen. Fingerabdrücke ermöglichen in vielen Fällen eine schnelle Zuordnung; DNA-Analysen und internationale Zusammenarbeit werden nötig, wenn diese Daten nicht vorliegen. Für deutsche Reisende bedeutet die Mitteilung vor allem, dass nach den vorliegenden Angaben keine deutsche Person unter den bereits identifizierten Todesopfern ist.

Folgen für Bahnverkehr und Politik

Neben der humanitären Dimension hat der Unfall unmittelbare Auswirkungen auf die Verbindung zwischen Madrid und Andalusien. Die Sperrung der Strecke zwingt Reisende auf alternative Verbindungen, während zusätzliche Flüge den Ausfall des Zugverkehrs teilweise auffangen sollen.

Politisch erhöht der zweite schwere Unfall mit Hochgeschwindigkeitszügen binnen neun Monaten den Druck auf die Regierung. Verkehrsminister Óscar Puente muss sich im Parlament erklären; zugleich wird die Sicherheitsdebatte durch die bevorstehenden vorgezogenen Wahlen am 29. November verschärft. Entscheidend werden die Ergebnisse der technischen und staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen sowie mögliche Konsequenzen für Sicherungssysteme und Leitstellen sein.

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