Zebrastreifen: 1951 entsteht der erste Übergang in Slough
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVom Amtsbegriff zum festen Verkehrszeichen
- Der erste dauerhaft markierte Übergang entstand 1951 auf der High Street in Slough westlich von London.
- In Ost-Berlin gab es im März 1952 einen Übergang, in München folgte die erste Markierung am 8. Juli 1952.
- 2025 starben bei 1.502 Unfällen mit Personenschaden an Fußgängerüberwegen 15 Menschen.
Der Zebrastreifen begann in Slough
Der erste dauerhaft markierte Zebrastreifen entstand 1951 im britischen Slough westlich von London. 75 Jahre später ist der Übergang weltweit bekannt – als Verkehrsregel, Sicherheitsort und Popkulturmotiv.
Breite Streifen für bessere Sichtbarkeit
Der erste Übergang lag auf der High Street, an deren Stelle heute eine Fußgängerzone liegt. Am 31. Oktober 1951 traten in Großbritannien die Regeln für solche Übergänge in Kraft; Fußgänger mussten Vorrang erhalten, wenn sie sich innerhalb der Markierung auf der Fahrbahn befanden.
Ende der 1940er Jahre waren in London bereits andere Markierungen getestet worden. Die breiten weißen Streifen setzten sich durch, weil sie sich deutlich besser vom dunklen Straßenbelag abhoben.
Ost-Berlin war München voraus
In der DDR gab es im März 1952 einen entsprechenden Übergang in Ost-Berlin am S-Bahnhof Schöneweide. In der Bundesrepublik wurde am 8. Juli 1952 in München der erste Zebrastreifen markiert.
Als der westdeutsche Gesetzgeber den Fußgängerüberweg 1953 in die Straßenverkehrsordnung aufnahm, hieß die Markierung im Amtsdeutsch „Dickstrichkette“. Der heute geläufige Name verweist auf die Ähnlichkeit der Streifen mit dem Fell eines Zebras. Eine zusätzliche Erklärung lieferte 1954 die „Aktion Zebra“ des Hamburger Abendblatts, bei der besonders rücksichtsvolle Autofahrer eine Zebra-Plakette erhielten.
Vorrang gilt seit 1964 ausdrücklich
In der Bundesrepublik erhielten Fußgänger erst 1964 ausdrücklich Vorrang. Heute müssen Autofahrer Menschen, die einen Zebrastreifen erkennbar benutzen wollen, das Überqueren ermöglichen. Das gilt auch für Rollstuhlfahrer und Fahrer von Krankenfahrstühlen; Straßenbahnen sind von der Wartepflicht ausgenommen.
Trotz der Regelung ereigneten sich 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 1.502 Unfälle mit Personenschaden, bei denen falsches Verhalten gegenüber Fußgängern an Fußgängerüberwegen als Ursache erfasst wurde. 15 Menschen starben; im Vorjahr waren es 1.487 Unfälle und neun Todesopfer.
Vom Beatles-Cover bis zum Silly Walk
Der berühmteste Zebrastreifen liegt vermutlich vor den früheren EMI-Studios an der Londoner Abbey Road. Am 8. August 1969 überquerten die Beatles John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Übergang für das Cover ihres Albums „Abbey Road“. Der Ort wurde 2010 in die britische Denkmalliste aufgenommen.
Auch Monty Pythons Sketch „Ministry of Silly Walks“ wirkt bis auf die Straße nach. Im niederländischen Spijkenisse erinnert ein Verkehrsschild an die Figur mit Melone und Aktentasche. Die Verkehrsregel bleibt dabei dieselbe: Autos müssen anhalten.
Der Zebrastreifen verbindet eine klare Verkehrsregel mit einer langen Entwicklungsgeschichte. In Großbritannien wurde der Fußgängerüberweg 1951 dauerhaft markiert und mit einem Vorrang für Menschen zu Fuß verknüpft. In Deutschland folgten erste Markierungen 1952, bevor der Fußgängerüberweg 1953 in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen wurde.
Die heutige Regelung ist eindeutig, schützt aber nicht automatisch vor Unfällen. 2025 wurden in Deutschland 1.502 Unfälle mit Personenschaden erfasst, bei denen falsches Verhalten gegenüber Fußgängern an Fußgängerüberwegen als Ursache galt. 15 Menschen starben. Damit bleibt der Übergang trotz seiner guten Sichtbarkeit ein Ort, an dem Aufmerksamkeit und Rücksicht entscheidend sind.
Sichtbarkeit bleibt entscheidend
Die Bedeutung sichtbarer Übergänge wächst auch angesichts neuer Fahrzeugtechnik. Eine aktuelle Untersuchung mit sechs Fahrzeugmodellen zeigte, dass Notbremsassistenten Fußgänger mit reflektierender Kleidung unter bestimmten Bedingungen nicht zuverlässig erkannten. Die Systeme können unterstützen, ersetzen aber nicht die Aufmerksamkeit der Fahrer.
Für Fußgänger bedeutet das: Der Vorrang am Zebrastreifen sollte selbstbewusst, aber nicht blind vorausgesetzt werden. Blickkontakt und ein erkennbarer Überquerungswunsch bleiben besonders bei Dunkelheit, schlechter Sicht und komplexen Verkehrssituationen sinnvoll. Der Übergang aus Slough ist damit nicht nur ein Stück Verkehrsgeschichte, sondern weiterhin ein alltäglicher Prüfstein für gegenseitige Rücksichtnahme.
