Weltclownstag, Klinikclowns

Weltclownstag: Clowns helfen Kindern vor Operationen

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Zum Weltclownstag am 5. November zeigt eine dpa-Analyse die gegensätzlichen Wirkungen der Figur. Im Krankenhaus können Clowns Kindern vor Eingriffen helfen, ihre Angst zu bewältigen.

Clowns zwischen Bühne und Klinik

  • Michael Stuhlmiller unterscheidet fünf Clowntypen und betont den direkten Kontakt zum Publikum.
  • Eine Befragung von 1.341 Erwachsenen ordnete Clowns unter 21 Berufen beim Gruselfaktor weit vorn ein.
  • Eine Studie aus Florenz von 2005 stellte vor Operationen bei Kindern mit Clownbegleitung weniger Angst fest.
  • Zwischen Lachen und Gänsehaut: Clowns können viele Rollen einnehmen. (Archivbild) - Bild: Matthias Bein/dpa/ZB
  • Stuhlmiller definiert fünf Typen von Clowns. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa
  • Hinter der Schminke und Verkleidung sind Clowns schwer lesbar - das macht sie für Menschen gruselig. (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa
  • Laut Stuhlmiller zeichnet den Klinikclown besonders Empathie aus. (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa
Zwischen Lachen und Gänsehaut: Clowns können viele Rollen einnehmen. (Archivbild) - Bild: Matthias Bein/dpa/ZB Stuhlmiller definiert fünf Typen von Clowns. (Archivbild) - Bild: Arne Dedert/dpa Hinter der Schminke und Verkleidung sind Clowns schwer lesbar - das macht sie für Menschen gruselig. (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa Laut Stuhlmiller zeichnet den Klinikclown besonders Empathie aus. (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa

Clowns lösen Lachen und Unbehagen aus

Eine rote Nase und ein breites Grinsen können Menschen zum Lachen bringen oder ein mulmiges Gefühl auslösen. Zum Weltclownstag am 5. November steht die Figur zwischen Unterhaltung, Schrecken und der Hilfe gegen Angst im Mittelpunkt.

Der Clown und Schulgründer Michael Stuhlmiller sagt, nicht die rote Nase entscheide über einen Clown, sondern die innere Haltung und der Kontakt zum Publikum.

Fünf Typen mit unterschiedlicher Wirkung

Stuhlmiller unterscheidet unter anderem den puren Clown, den Clown-Mimen und den Clown der Stille. Sie arbeiteten mit Mimik, Gestik, Pantomime oder dem unmittelbaren Spiel aus dem Moment heraus.

Ob im Zirkus, auf der Straße oder als Coach in Konflikten: Der Clown könne Situationen aus einer anderen Perspektive zeigen und Menschen zum Lachen oder Nachdenken bringen. Zugleich habe die Figur eine dunkle Seite.

Warum Clowns unheimlich wirken können

Der Horrorclown aus Stephen Kings „Es“ habe mit dem eigentlichen Clown nichts zu tun, sagt Stuhlmiller. Der Schrecken gehöre aber ebenfalls zum Leben und könne vom Clown aufgegriffen werden.

Der Psychologe Frank T. McAndrew erklärt das Unbehagen mit Unsicherheit: Hinter Schminke und Verkleidung seien die Gefühle eines Menschen schwerer zu lesen. Unvorhersehbares Verhalten und die Sorge, selbst Ziel eines Streichs zu werden, verstärkten den Eindruck.

Klinikclowns nehmen Kindern Angst

Ausgerechnet die verunsichernde Figur kann im Krankenhaus helfen. Eine im BMJ veröffentlichte Übersicht wertete Studien aus, in denen Kinder mit Clownbegleitung mit Kindern ohne diese Unterstützung verglichen wurden.

Bei verschiedenen Eingriffen hatten die begleiteten Kinder weniger Angst und kamen psychisch besser damit zurecht. Die Ergebnisse seien jedoch mit Vorsicht zu lesen, weil bei nicht zufälliger Gruppenzuteilung überwiegend ein mittleres Risiko für Verzerrungen bestand.

Empathie statt großer Show

Eine Studie aus Florenz aus dem Jahr 2005 zeigte, dass Kinder vor einer Operation mit Clowns und einem Elternteil im Operationssaal deutlich weniger Angst hatten als Kinder mit nur einem Elternteil.

Für Stuhlmiller zählt am Krankenbett nicht die große Show. Klinikclowns müssten die Situation im Zimmer schnell erfassen; Sensibilität und Einfühlungsvermögen stünden im Mittelpunkt.

Clowns verbinden widersprüchliche Signale: Die rote Nase, das aufgemalte Lächeln und die auffällige Kleidung sollen unterhalten, verdecken aber zugleich die tatsächlichen Gefühle der Person. Gerade diese schwer lesbare Mischung aus Vertrautem und Unberechenbarem kann Unbehagen auslösen. Der in der dpa-Meldung genannte Befund einer Befragung von 1.341 Erwachsenen ordnet Clowns deshalb in einen größeren psychologischen Zusammenhang ein: Menschen reagieren besonders empfindlich, wenn sie nicht einschätzen können, ob eine Situation harmlos oder bedrohlich ist.

Im Krankenhaus wird dieselbe Unsicherheit gezielt in eine unterstützende Beziehung umgewandelt. Klinikclowns arbeiten nicht mit einer festen Bühnenshow, sondern müssen die Stimmung eines Kindes, der Eltern und des medizinischen Umfelds schnell erfassen. Humor kann dabei Ablenkung schaffen, eine Gesprächsebene eröffnen und Kindern vor belastenden Eingriffen ein Gefühl von Kontrolle geben.

Nutzen mit Grenzen

Die Studienlage weist in dieselbe Richtung, verlangt aber eine vorsichtige Bewertung. Die in der Meldung erwähnte Übersicht im BMJ berichtet von weniger Angst und einer besseren psychischen Bewältigung bei Kindern mit Clownbegleitung; zugleich bestand bei nicht zufällig zugeteilten Vergleichsgruppen überwiegend ein mittleres Verzerrungsrisiko. Das spricht für einen plausiblen Nutzen, ersetzt aber keine individuelle medizinische Betreuung.

Für Familien bedeutet das: Ein Klinikclown kann eine Operation emotional begleiten, aber keine Behandlung erklären, medizinische Entscheidungen treffen oder Angst in jedem Fall beseitigen. Entscheidend bleibt, ob das Kind das Angebot annimmt und die Begegnung als sicher erlebt.

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