Waffenfund in Remscheid: Hauptangeklagter muss 6,5 Jahre in Haft
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 12:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen des Remscheider Waffenlagers
- Das Landgericht Wuppertal ordnete neben der Haftstrafe die Einziehung von 74.000 Euro an.
- In vier Kammern lagen 125 Maschinengewehre und 67 Maschinenpistolen.
- Zum Fund gehörten außerdem 13 Panzerabwehrwaffen, 38 Handgranaten und fast 100.000 Schuss Munition.
Urteil nach Waffenfund in Remscheid
Nach einem der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland ist der Hauptangeklagte aus Remscheid wegen Waffenhandels zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Wuppertal ordnete außerdem die Einziehung von 74.000 Euro an.
Verständigung im Verfahren
Der 60 Jahre alte Kfz-Meister musste mit einer Haftstrafe zwischen sechs und sieben Jahren rechnen. Dies sah eine Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung vor, nachdem der Mann im Prozess ein Geständnis abgelegt hatte.
Vier Waffenkammern unter Werkstatt
Die Polizei hatte vor einem Jahr unter der Autowerkstatt des Angeklagten vier Waffenkammern ausgehoben. Bei der wochenlangen Räumung stellten die Beamten rund 300 scharfe Schusswaffen sicher.
Darunter waren 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, Präzisionsgewehre und 11 Revolver. Außerdem fanden die Ermittler 13 Panzerabwehrwaffen, 38 Handgranaten, fast 100.000 Schuss Munition sowie Uniformen aus der NS-Zeit.
Der Fall zeigt, welche Dimensionen illegaler Waffenlager erreichen können, wenn Waffenhandel, private Sammlertätigkeit und verborgene Infrastruktur zusammenkommen. Die Ermittler fanden die Waffen nicht in einer abgelegenen Lagerhalle, sondern unter einer Autowerkstatt in einem bewohnten Umfeld. Dadurch war neben der strafrechtlichen Aufarbeitung auch die sichere Räumung eine erhebliche praktische Herausforderung.
Die große Zahl scharfer Waffen und die Kombination mit Munition, Handgranaten und Panzerabwehrwaffen machen den Fund sicherheitsrechtlich besonders bedeutsam. Bei solchen Beständen geht es nicht nur um einzelne Verstöße gegen das Waffenrecht, sondern um die Frage, ob Waffen für Weiterverkauf, organisierte Kriminalität oder andere illegale Zwecke verfügbar gemacht werden sollten.
Ermittlungen und Strafzumessung
Das Urteil gegen den Hauptangeklagten folgt einer Verständigung, bei der sein Geständnis und ein festgelegter Strafrahmen berücksichtigt wurden. Die Einziehung von 74.000 Euro soll den wirtschaftlichen Bezug des Tatvorwurfs abschöpfen. Zwei weitere Angeklagte waren laut den vorliegenden Berichten bereits rechtskräftig verurteilt worden.
Für die öffentliche Sicherheit endet der Fall mit dem Urteil nicht vollständig. Entscheidend bleibt, wie die Herkunft der Waffen, mögliche Vertriebswege und die Rolle weiterer Beteiligter aufgeklärt werden. Der Fund verdeutlicht zugleich, dass Behörden bei großen Waffenbeständen auf spezialisierte Kräfte und langwierige Sicherungsmaßnahmen angewiesen sind.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Größter Waffenfund in der BRD: Urteil um Remscheider Waffenarsenal“ (30.10.2026)
Der WDR ordnet den Fund als einen der größten in Deutschland ein und hebt neben den Waffen auch die umfangreichen Ermittlungs- und Räumungsarbeiten hervor. Im Mittelpunkt stehen dort zusätzlich die Entdeckung der verborgenen Räume und die Frage, wie das Arsenal über längere Zeit unentdeckt bleiben konnte.
n-tv: „70 Maschinenpistolen gehandelt: Urteil in Wuppertal erwartet“ (28.10.2026)
Der Beitrag beschreibt vor dem Urteil den vereinbarten Strafrahmen und das Geständnis zum Handel mit 70 Maschinenpistolen. Anders als die aktuelle Meldung konzentriert er sich auf den Prozessverlauf und berichtet, dass sich ein weiterer Vorwurf im Verfahren nicht erhärten ließ.
Beide Beiträge stellen die außergewöhnliche Größe des Waffenfunds und die Verständigung im Strafverfahren heraus. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Schwerpunkt: Während der WDR die Dimension des Einsatzes und der Sicherstellung betont, rückt n-tv die Anklagepunkte und den Prozessverlauf in den Vordergrund.
