Spektakulärer Seiltanz Frankreich: Tatiana-Mosio Bongonga überquert Zwillingshalden
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 14:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Hochseilkünstlerin Tatiana-Mosio Bongonga hat im nordfranzösischen Loos-en-Gohelle eine rund 400 Meter lange Strecke zwischen zwei großen Halden ohne Sicherung und ohne Netz überquert und damit Tausende Menschen angezogen.
Spektakulärer Drahtseilakt über Zwillingshalden
Bongonga lief auf einem Drahtseil zwischen den Zwillingshalden, zwei pyramidenförmigen Bergen aus Bergbau-Rückständen, die als die größten Halden Europas gelten. Nach Angaben des Veranstalters liegt die Distanz zwischen den beiden Erhebungen bei etwa 400 Metern. Französischen Berichten zufolge verfolgten am Sonntag rund 9.000 Zuschauerinnen und Zuschauer das Spektakel vor Ort.
Die dunklen, über 180 Meter hohen Halden gehören zum ehemaligen Bergbaugebiet Nord-Pas de Calais, das seit 2012 zum Unesco-Welterbe zählt. Die Darbietung war Teil des Europäischen Tages des offenen Denkmals und wurde von den Organisatoren als Projekt beschrieben, das Rücksicht auf die Biodiversität und die besondere Bergbaulandschaft nehmen soll.
Akrobatik in schwindelerregender Höhe
Die Artistin trug bei ihrem Auftritt ein glänzendes silbernes Kostüm und zeigte auf dem Weg über das Seil auch akrobatische Figuren. Die Überquerung dauerte den Berichten zufolge etwas mehr als eine halbe Stunde. Das verwendete Drahtseil hatte demnach einen Durchmesser von 16 Millimetern.
In welcher exakten Höhe Bongonga unterwegs war, blieb in den verschiedenen Medienberichten unterschiedlich dargestellt, dort ist von etwa 80 oder 100 Metern die Rede. Für die Stabilität des Seils, insbesondere bei möglichen Windböen, waren nach Angaben des Veranstalters rund 200 Freiwillige im Einsatz, die das Seil am Boden absicherten. Das Ereignis wurde zudem musikalisch begleitet.
Symbolik eines riskanten Kunstprojekts
Der spektakuläre Auftritt der Hochseilkünstlerin Tatiana-Mosio Bongonga fügt dem ehemaligen Bergbaurevier Nord-Pas de Calais eine neue Erzählebene hinzu. Die Region steht seit Jahren im Spannungsfeld zwischen Strukturwandel, Erinnerung an die Arbeitswelt unter Tage und touristischer Aufwertung. Die Zwillingshalden von Loos-en-Gohelle gelten als weithin sichtbare Landmarken dieses Wandels und werden als Teil des Unesco-Welterbes gezielt in Kultur- und Bildungsprojekte eingebunden.
Die Entscheidung, eine derart riskante Performance im Rahmen des Europäischen Tages des offenen Denkmals anzusetzen, unterstreicht, wie stark sich Denkmalpflege und Kulturvermittlung geöffnet haben. Statt reiner Besichtigung rücken Erlebnisse in den Vordergrund, die Besucher emotional ansprechen und die historischen Orte neu erfahrbar machen sollen. Gleichzeitig macht der Einsatz von 200 freiwilligen Helfern deutlich, wie aufwendig die Organisation solcher Veranstaltungen ist – und wie sehr sie auf lokales Engagement angewiesen sind.
Kultur, Tourismus und Sicherheitsfragen
Für die Region kann ein derartiges Ereignis touristisch von Bedeutung sein, weil es die Halden als Ausflugsziel neu ins Bewusstsein ruft und Bilder erzeugt, die weit über die Grenzen Nordfrankreichs hinaus wirken können. Solche spektakulären Veranstaltungen stehen jedoch immer auch im Spannungsfeld zwischen Faszination und Sicherheitsbedenken. Dass der Auftritt ohne Sicherung und Netz stattfand, dürfte Debatten über verantwortbare Risiken in der Kultur- und Eventbranche befeuern.
Gleichzeitig verweisen die Hinweise auf Biodiversität und Respekt vor der Bergbaulandschaft darauf, dass die Veranstalter die Halden nicht nur als Kulisse, sondern als empfindlichen Kultur- und Naturraum verstehen. In der Kombination aus Hochseilkunst, musikalischer Begleitung und historischer Kulisse zeigt sich ein Trend, industrielle Relikte als offene Bühnen für Gegenwartskultur zu nutzen – mit der Folge, dass sich die Wahrnehmung dieser Orte von ehemaligen Arbeitsstätten hin zu symbolträchtigen Identitätsankern für ganze Regionen verschiebt.
