Skat an der HTWK Leipzig: 14.000 Mitglieder im Verband
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSkats Nachwuchs sucht neue Wege
- An der HTWK Leipzig treffen sich sieben junge Leute wöchentlich zum Skatlernen.
- Der Deutsche Skatverband verlor in zehn Jahren 5.000 Mitglieder und zählt noch etwa 14.000.
- Bundesweit gibt es schätzungsweise 15 bis 20 Hochschulstandorte mit Skatangeboten.
HTWK Leipzig bringt junge Menschen an den Skattisch
An der HTWK Leipzig treffen sich sieben junge Menschen, um ihre Skatfähigkeiten zu verbessern. Einmal pro Woche geben die Online-Weltmeister Florian Pieper und Theodor Liebing Unterricht und setzen dabei auf gegenseitige Hilfe statt auf eine abschreckende Meckerkultur.
Mitgliederzahl des Verbands sinkt
Der Deutsche Skatverband hat in den vergangenen zehn Jahren 5.000 Mitglieder verloren und kommt nach Angaben seines Vorsitzenden Hans-Jürgen Homilius auf etwa 14.000 Mitglieder. Als einen Grund nennt Homilius, dass Skat in Familien seltener weitergegeben werde.
Er führt die Entwicklung auch auf die zunehmende Handynutzung zurück. Skat wurde 2016 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die erste aktenkundige Erwähnung des Spiels stammt nach Angaben des Verbands aus dem Jahr 1813.
Komplexer Einstieg erschwert Nachwuchsarbeit
Bundesweit gibt es nach Einschätzung des Jugendverantwortlichen Timo Strömel etwa 15 bis 20 Hochschulstandorte mit einem Skatangebot. Die Einstiegshürde sei relativ hoch, erklärt Strömel. Anfänger könnten schnell die Freude verlieren, wenn sie gegen deutlich erfahrenere Spieler antreten.
Auch online gelingt es dem Spiel bislang nicht, den Bedeutungsverlust aus Sicht von Joachim Schreiner vollständig auszugleichen. Auf dem Server des Deutschen Online-Skatverbands spielen nach seinen Angaben etwa 25.000 Menschen aktiv, darunter schätzungsweise nur 500 bis 600 unter 30 Jahren.
Leipziger Kurs setzt auf Unterstützung
Schreiner sieht auch die älteren Spieler in der Verantwortung. Jugendliche seien in der Vergangenheit aus Vereinen verdrängt worden, weil manche Runden den Skattisch als Ort für Spott und Herabsetzung genutzt hätten.
In Leipzig zeigt sich ein anderes Bild. Die Teilnehmenden kommen zum Lernen zusammen und helfen einander bei Fehlern. Lukas Fiedler nahm seine Niederlage gegen seinen Bruder gelassen und bezeichnete Skat als Hobby.
Skat steht in Deutschland vor einem Nachwuchsproblem. Der Deutsche Skatverband verlor binnen zehn Jahren 5.000 Mitglieder und zählt nach Angaben seines Vorsitzenden noch etwa 14.000 Mitglieder. Zugleich zeigt das Angebot an der HTWK Leipzig, dass Interesse vorhanden ist, wenn der Einstieg niedrigschwellig und ohne abschreckende Vereinskultur gelingt.
Die Entwicklung passt zu einem grundlegenden Wandel der Freizeitgestaltung. Kartenspiele werden seltener innerhalb der Familie weitergegeben, während digitale Angebote um die Aufmerksamkeit junger Menschen konkurrieren. Skat hat gegenüber Schach und Poker zudem den Nachteil, dass Regeln, Reizsystem und Spielpraxis Einsteigern vergleichsweise komplex erscheinen. Das kann besonders dann zum Problem werden, wenn Anfänger gegen deutlich erfahrenere Spieler antreten.
Nachwuchs entscheidet über die Zukunft
Hochschulkurse können deshalb mehr leisten als reine Vereinswerbung: Sie schaffen regelmäßige Treffpunkte, verbinden Lernen mit sozialem Austausch und senken die Hemmschwelle für Interessierte. Bundesweit gibt es nach Einschätzung des Jugendverantwortlichen im Skatverband allerdings nur etwa 15 bis 20 Hochschulstandorte mit einem solchen Angebot.
Für die Zukunft des Spiels wird entscheidend sein, ob Verbände digitale Zugänge, zeitgemäße Kommunikation und eine offene Spielkultur verbinden. Die Leipziger Gruppe setzt dabei auf gegenseitige Hilfe statt auf Spott über Fehler. Das kann den langfristigen Mitgliederschwund nicht allein stoppen, zeigt aber einen konkreten Ansatz, um Skat wieder stärker an jüngere Menschen heranzuführen.
