Schwimmen lernen: Bund stellt 20 Millionen Euro bereit
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 14:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSchwimmausbildung erhält Bundesförderung
- Bundeskanzleramt, DSV und DLRG starten in Berlin das Modellvorhaben „Deutschland lernt Schwimmen“.
- Ein sicherer Schwimmer muss 15 Minuten eigenständig über tiefem Wasser schwimmen können.
- Bis Ende September meldete die DLRG 320 ertrunkene Menschen in Deutschland.
20 Millionen Euro für mehr Schwimmangebote
Ein neues Bundesprogramm soll mehr Kindern in Deutschland das Schwimmenlernen ermöglichen: Dafür stehen über vier Jahre insgesamt 20 Millionen Euro bereit. Bundeskanzleramt, Deutscher Schwimm-Verband und Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft wollen damit vor allem Zugänge zu Schwimmhallen, zusätzliche Kurse und die Koordination vor Ort verbessern.
Anträge bis Ende Januar 2027 möglich
Nicht-öffentliche Einrichtungen wie Vereine, Kitas und Schwimmschulen können ab sofort Förderanträge stellen. Die Frist endet am 31. Januar 2027; pro Jahr sind fünf Millionen Euro vorgesehen.
Das Modellvorhaben trägt den Namen „Deutschland lernt Schwimmen“. Sportstaatsminister Ronald Rauhe bezeichnete sicheres Schwimmen als überlebenswichtig und verwies zugleich auf seine Bedeutung für Selbstvertrauen, Teilhabe und gesunde Bewegung.
Busse und Schwimmlotsen sollen helfen
Das Programm konzentriert sich zunächst auf Vernetzung und Koordination, nicht auf den Bau von Schwimmbädern. Gefördert werden können unter anderem Busfahrten zur nächsten Schwimmhalle, zusätzliche Kurse und weiteres Ausbildungspersonal.
Hauptamtliche Schwimmlotsen sollen Ehrenamtliche entlasten, Schulen und Vereine zusammenbringen und freie Kapazitäten erfassen. Eine dritte Programmsäule zur Ausbildung weiterer qualifizierter Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrer ist vorgesehen, gehört aber nicht zum aktuellen Förderaufruf.
Besonders benachteiligte Kinder im Blick
Das Angebot soll insbesondere Kindern aus einkommensarmen Familien, strukturschwachen Regionen sowie Kindern mit Behinderung oder anderem Unterstützungsbedarf zugutekommen. Die bisherigen Angebote sollen ergänzt, nicht ersetzt werden.
Nach Angaben der DLRG können etwa 40 Prozent der Kinder am Ende der Grundschule nicht sicher schwimmen, rund 20 Prozent gar nicht. Als sicher gilt, wenn ein Kind 15 Minuten selbstständig in tiefem Wasser schwimmen kann; das Seepferdchen genügt dafür nicht.
320 Menschen bis September ertrunken
Bis Ende September starben nach DLRG-Angaben in diesem Jahr 320 Menschen durch Ertrinken, die meisten in Seen und Flüssen. Rund 100 Todesfälle entfielen demnach allein auf den Juni.
Als Ursachen für den hohen Nichtschwimmeranteil nannte Rauhe unter anderem das Bädersterben, Sanierungsstau, fehlende Wasserflächen und lange Wartezeiten auf Schwimmkursplätze.
Das Programm setzt an einer Lücke an, die über einzelne Schwimmkurse hinausreicht: Kinder brauchen nicht nur Lehrkräfte, sondern auch erreichbare Wasserflächen, freie Kursplätze und verlässliche Kooperationen zwischen Schulen, Vereinen und Kommunen. Besonders in ländlichen Regionen kann der geplante Bustransport deshalb eine praktische Zugangshürde beseitigen.
Die Förderung von insgesamt 20 Millionen Euro verteilt sich auf vier Jahre und umfasst zunächst Vernetzung und Koordination. Damit fließt das Geld vor allem in Organisation, zusätzliche Angebote und hauptamtliche Schwimmlotsen. Der Ansatz ergänzt bestehende Strukturen, ersetzt aber weder fehlende Bäder noch den langfristigen Bedarf an qualifiziertem Personal.
Schwimmbäder bleiben der Engpass
Die Größenordnung des Problems zeigt sich auch an lokalen Bäderhaushalten: Betrieb, Personal und Sanierungen belasten Kommunen erheblich. Wo Hallenbäder schließen oder dringend saniert werden müssen, helfen zusätzliche Kurse allein nicht weiter. Für Familien bedeutet der Erfolg des Programms daher, ob tatsächlich freie Plätze entstehen und der Weg zum Unterricht zumutbar bleibt.
Für die Sicherheit ist zudem entscheidend, welches Können vermittelt wird. Das Seepferdchen bestätigt erste Wassererfahrung, ersetzt aber nicht die Fähigkeit, längere Zeit sicher im tiefen Wasser zu schwimmen. Angesichts der bis Ende September gemeldeten 320 Ertrunkenen unterstreicht das die Bedeutung kontinuierlicher Schwimmausbildung.
Gezielte Hilfe für benachteiligte Kinder
Die Priorität für einkommensarme Familien, strukturschwache Regionen und Kinder mit Behinderung verbindet Sicherheitsvorsorge mit Teilhabe. Der Antragsschluss am 31. Januar 2027 schafft für Vereine, Kitas und Schwimmschulen einen konkreten nächsten Schritt. Entscheidend wird sein, ob die lokale Koordination dauerhaft funktioniert und nach Ablauf der vierjährigen Förderung tragfähige Angebote bestehen bleiben.
