Attacke auf Bahnmitarbeiter - Haftbefehl beantragt
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 18:15 Uhr, dpa.deNach einer Attacke auf einen Bahnmitarbeiter, der aus einem fahrenden Zug stürzte und schwerst verletzt wurde, hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen einen 36-Jährigen beantragt. Das Amtsgericht wollte noch im Laufe des Tages darüber entscheiden, ob der Mann in Untersuchungshaft kommt. Was ihm zur Last gelegt wird, blieb zunächst offen.
Im Raum stehen nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft ein versuchtes Tötungsdelikt oder gefährliche Körperverletzung. Der Beschuldigte soll im Zuge einer Ticketkontrolle in eine gewaltsame Auseinandersetzung mit dem 26 Jahre alten Sicherheitsmann der Deutschen Bahn verwickelt gewesen sein.
Der 26-Jährige war durch den Sturz aus dem Zug schwerst verletzt worden. Mit 120 km/h war der Regionalzug am Freitagabend von Offenburg Richtung Karlsruhe unterwegs gewesen, als der Mann während des Streits heftig gegen die Tür und dann aus dem Zug fiel. Er sei weiterhin in kritischem, aber stabilem Zustand. Warum die Tür sich öffnete, ist unklar. Ein technischer Sachverständiger wurde beauftragt.
Verdächtiger soll betrunken gewesen sein
Der 36-Jährige soll betrunken gewesen sein, als er am Freitag zuerst in eine Ticketkontrolle geriet und es dann zu einem verbalen Schlagabtausch kam. Dann wurden zwei Sicherheitsmitarbeiter hinzugezogen. Nach Beleidigungen in ihre Richtung eskalierte der Streit weiter, es kam zu Tätlichkeiten, wie es weiter hieß.
Der 26-Jährige stürzte dann in der Folge heftig gegen die Tür, die bisherigen Erkenntnissen zufolge aus der Verankerung gerissen wurde und sich öffnete. Der Sicherheitsmann fiel nach draußen. Der Zug stoppte daraufhin außerplanmäßig - ob es sich um eine Notbremsung gehandelt hatte, ist unklar. Wenig später wurde der Mann schwerst verletzt gefunden und ins Krankenhaus gebracht.
Betroffenheit bei Bahn und EVG
Die Bahn äußerte sich betroffen. «Wir verurteilen den Angriff am gestrigen Abend in einer Regionalbahn aufs Schärfste», sagte eine Bahnsprecherin. «Unsere Gedanken sind bei dem Verletzten.»
Der schreckliche Vorfall zeige erneut auf dramatische Weise, «dass verbale und körperliche Übergriffe auf das Zugpersonal eine neue, lebensgefährliche Dimension erreicht haben», sagte Manuel Amberger, Landesvorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). «Dass erneut einer unserer Kollegen nach einer einfachen Fahrkartenkontrolle im Krankenhaus um sein Leben ringen muss, macht uns fassungslos und wütend.»
Auch die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) äußerte sich. «Wir brauchen Entscheidungen der Justiz, wir brauchen Gesetzesänderungen und wir brauchen das Durchgriffsrecht», sagte GDL-Chef Mario Reiß im WDR nach dem Angriff. «An der Stelle für uns ist es einfach nicht mehr auszuhalten und die Kollegen, die eigentlich jeden Tag ihren Dienst tun, müssen jeden Tag mehr mit Angst auf Arbeit gehen.»
