Salzgitter, Folterprozess

Salzgitter: Vier Angeklagte wegen Folter vor Gericht

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 15:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Vier Familienmitglieder stehen wegen schwerer Gewaltvorwürfe gegen eine heute 32-jährige Frau vor Gericht. Drei Angeklagte sitzen in Untersuchungshaft, eine Angeklagte hat ein Geständnis angekündigt.

Der Prozess umfasst 19 Termine

  • Vier Angeklagte aus Salzgitter müssen sich vor dem Landgericht Braunschweig verantworten.
  • Die Staatsanwaltschaft nennt etwa 50 Tatvorwürfe aus der Zeit von September 2021 bis März 2026.
  • Für das Verfahren sind Termine mit Zeugen und Gutachtern bis Anfang März 2027 angesetzt.
  • Den Angeklagten drohen lange Haftstrafen. - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • Die 29-jährige Angeklagte beantwortet als erste Fragen des Gerichts. - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • Die Foltervorwürfe sind im Gerichtssaal nur schwer zu ertragen. - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • Nur ein Angeklagter sitzt wegen der Vorwürfe nicht in U-Haft. - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • Einer der Angeklagten im Prozess um mutmaßliche Folter. - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Den Angeklagten drohen lange Haftstrafen.  - Bild: Julian Stratenschulte/dpa Die 29-jährige Angeklagte beantwortet als erste Fragen des Gerichts. - Bild: Julian Stratenschulte/dpa Die Foltervorwürfe sind im Gerichtssaal nur schwer zu ertragen.  - Bild: Julian Stratenschulte/dpa Nur ein Angeklagter sitzt wegen der Vorwürfe nicht in U-Haft.  - Bild: Julian Stratenschulte/dpa Einer der Angeklagten im Prozess um mutmaßliche Folter.  - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Vier Angeklagte vor dem Landgericht Braunschweig

Vier Mitglieder einer Familie aus Salzgitter sollen eine heute 32-jährige Frau über Jahre geschlagen, gedemütigt, gequält und verstümmelt haben. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Braunschweig verlas die Staatsanwaltschaft Vorwürfe, wonach unter anderem Bunsenbrenner, Rohrzangen, ein Hammer und Nägel eingesetzt worden sein sollen.

Staatsanwaltschaft zählt rund 50 Vorwürfe

Die Anklage bezieht sich auf den Zeitraum von September 2021 bis März 2026. Die Beschuldigten sollen das Opfer unter anderem zum Trinken von Essig gezwungen, ihm Feuerzeuggas ins Gesicht gesprüht und sexualisierte Gewalt ausgeübt haben.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten die Taten teils gefilmt und untereinander geteilt haben. Auch kleine Kinder der 29-jährigen Angeklagten sollen zugelassen haben, das Opfer mit einem Hammer zu schlagen.

Angeklagte kündigen unterschiedliche Einlassungen an

Die 63-jährige Angeklagte ließ durch ihren Anwalt ein Geständnis ankündigen. Ihre Tochter wolle einige Taten einräumen, anderen Darstellungen der Anklage aber widersprechen; der 54-jährige Lebensgefährte der Tochter wolle sich umfassend äußern.

Der 50-jährige Ehemann der 63-Jährigen will schweigen. Laut Staatsanwaltschaft ist er unter anderem wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung vorbestraft.

Drei Angeklagte sitzen in Untersuchungshaft

Bis auf den 54-Jährigen befinden sich die Angeklagten in Untersuchungshaft. Den Beschuldigten wird unter anderem schwere Körperverletzung, teils gemeinschaftlich begangen, vorgeworfen; es drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Für das Ehepaar kommt nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft zudem Sicherungsverwahrung in Betracht. Für den Prozess sind 19 Verhandlungstermine mit zahlreichen Zeugen und mehreren Gutachtern bis Anfang März 2027 angesetzt.

Der Prozess beleuchtet einen außergewöhnlich langen Zeitraum mutmaßlicher Gewalt: Die Staatsanwaltschaft zählt rund 50 Tatvorwürfe zwischen September 2021 und März 2026. Im Mittelpunkt steht damit nicht nur die einzelne Misshandlung, sondern die Frage, wie sich Gewalt in einem privaten Umfeld über Jahre verfestigen konnte.

Nach der Anklage bestand zunächst ein Hilfeverhältnis. Die heute 32-jährige Frau soll nach einer Trennung von den später Angeklagten aufgenommen worden sein und in deren Haushalten geholfen haben. Die Staatsanwaltschaft beschreibt anschließend eine zunehmende Abhängigkeit, in der soziale Isolation und Angst die Gegenwehr erschwert haben sollen.

Prozess mit weitreichenden Folgen

Das Verfahren vor dem Landgericht Braunschweig soll zahlreiche Zeugen und mehrere Gutachter umfassen; 19 Termine sind bis Anfang März 2027 geplant. Für die juristische Bewertung wird entscheidend sein, welche Vorwürfe sich beweisen lassen, welchen Tatbeiträgen die einzelnen Angeklagten zugeordnet werden können und wie Geständnisse oder abweichende Einlassungen einzuordnen sind.

Die im Raum stehenden Vorwürfe reichen von schwerer Körperverletzung bis zu sexualisierter Gewalt. Für das Ehepaar kommt nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft neben einer Haftstrafe auch Sicherungsverwahrung in Betracht. Bis zu einem Urteil gilt für alle Angeklagten die Unschuldsvermutung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Folter in Salzgitter: Prozess gegen vier Personen beginnt“ (27.10.2026)

Der Artikel ordne den Prozess als Verfahren gegen vier Personen ein und betone die jahrelangen, teils sexualisierten Gewaltvorwürfe. Im Mittelpunkt stehe wie in der dpa-Meldung der Prozessauftakt; der Beitrag hebe zudem die Schwere der geschilderten Schmerzen hervor.

NDR: „Prozessbeginn nach mutmaßlicher Folter von Putzhilfe“ (26.10.2026)

Der NDR berichte über den Prozessbeginn gegen vier Angeklagte aus Salzgitter und fasse die jahrelangen Misshandlungen, Verletzungen und Demütigungen zusammen. Anders als der Stern-Beitrag liege der Schwerpunkt auf der regionalen Einordnung; konkrete Einzelheiten des Anklagevorwurfs würden dort knapper dargestellt. Gemeinsam sei beiden Berichten die Darstellung des Prozessauftakts, während der weitere Verlauf und die Beweisaufnahme offenblieben.

Disclaimer...
de | unterhaltung | 70420820 |