Salzgitter: Angeklagte will Foltervorwürfe vor Gericht gestehen
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 12:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVerfahrensumfang und nächste Termine
- Vor dem Landgericht Braunschweig stehen zwei Frauen und zwei Männer aus Salzgitter vor Gericht.
- Für das Verfahren sind 19 Verhandlungstermine bis Anfang März 2027 angesetzt.
- Der Ehemann der 63-jährigen Angeklagten will sich schweigend verteidigen.
Prozess wegen mutmaßlicher Folter beginnt
Im Prozess um mutmaßliche jahrelange Folter einer jungen Frau im niedersächsischen Salzgitter hat eine Angeklagte ein Geständnis angekündigt. Im Wesentlichen werde sie die Vorwürfe einräumen und sei bereit, Verantwortung zu übernehmen, sagte der Verteidiger der 63-Jährigen zum Auftakt vor dem Landgericht Braunschweig.
Vier Angeklagte stehen vor Gericht
Die vier Angeklagten sollen das Opfer über etwa viereinhalb Jahre geschlagen, gequält und mit Werkzeugen wie Hammer und Zange häufig im Genitalbereich verletzt haben. Unter anderem sollen sie der Frau mit einem Bunsenbrenner Verbrennungen zugefügt haben.
Laut Anklage zwangen sie das Opfer zudem, sich selbst mit einer Rohrzange Zähne zu ziehen. Den Angeklagten wird unter anderem schwere Körperverletzung vorgeworfen.
Angeklagte mit unterschiedlichen Verteidigungsstrategien
Neben der 63 Jahre alten Frau ist ihr 50 Jahre alter Mann angeklagt. Zudem richten sich die Vorwürfe gegen die 29-jährige Tochter der Frau und ihren 54 Jahre alten Lebensgefährten.
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nutzten die Angeklagten die Hörigkeit und Wehrlosigkeit des Opfers aus und erfreuten sich zunehmend am Leid der Frau. Häufig sollen sie ihre Taten gefilmt und untereinander geteilt haben.
Prozess dauert bis Anfang 2027
Neben dem Geständnis der 63-Jährigen haben ihre Tochter und deren damaliger Lebensgefährte Einlassungen angekündigt. Der Ehemann will sich schweigend verteidigen.
Für den Prozess sind 19 Verhandlungstermine bis Anfang März 2027 angesetzt.
Der Prozess vor dem Landgericht Braunschweig betrifft schwere Vorwürfe gegen vier Menschen aus Salzgitter. Nach der Anklage soll eine 32-jährige Haushaltshilfe über Jahre hinweg in einem zunächst eng und nahezu familiär beschriebenen Verhältnis misshandelt worden sein. Die Staatsanwaltschaft legt den Angeklagten insgesamt 33 Fälle teils schwerer Körperverletzung zur Last.
Die Dimension des Verfahrens ergibt sich auch aus dem langen Tatzeitraum: Die mutmaßlichen Übergriffe sollen sich zwischen September 2021 und März 2026 ereignet haben. Im Zentrum stehen dabei nicht nur einzelne Gewalthandlungen, sondern der Vorwurf eines fortgesetzten Macht- und Abhängigkeitsverhältnisses. Die Angeklagten müssen sich jeweils individuell für die ihnen zugerechneten Taten verantworten.
Strafrechtliche Folgen
Bei einer Verurteilung könnten nach Angaben der Staatsanwaltschaft Freiheitsstrafen von drei bis 15 Jahren verhängt werden. Für die 63-jährige Angeklagte und ihren Ehemann kommt demnach zusätzlich Sicherungsverwahrung in Betracht. Der Ehemann ist bereits wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.
Der Prozess soll mit zahlreichen Terminen bis Anfang März 2027 fortgesetzt werden. Für die Öffentlichkeit wird dabei entscheidend sein, wie das Gericht die Aussagen der Angeklagten, die weiteren Beweise und die Darstellung des mutmaßlichen Opfers bewertet. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
stern: „Prozess: Jahrelange Folter in Salzgitter?“ (27.10.2026)
Der Bericht ordnet den Prozessauftakt und die Vorwürfe gegen die vier Angeklagten ein. Im Mittelpunkt stehen die mutmaßlich eingesetzten Werkzeuge, der lange Tatzeitraum und die bislang geltende Unschuldsvermutung.
tagesschau.de: „Putzhilfe soll jahrelang gefoltert worden sein - Prozess gegen vier Angeklagte beginnt“ (27.10.2026)
Der Beitrag nennt 33 angeklagte Fälle und beschreibt die mutmaßliche Entwicklung des Verhältnisses zwischen den Angeklagten und der Haushaltshilfe. Zusätzlich stellt er mögliche Haftstrafen, Sicherungsverwahrung und den geplanten Prozessverlauf bis März 2027 heraus.
Beide Beiträge bestätigen den Prozessbeginn und die Zahl der Angeklagten. Der stern legt den Schwerpunkt auf die konkreten Gewaltvorwürfe, während tagesschau.de stärker die Anklagepunkte, mögliche Folgen und den weiteren Verfahrensablauf erläutert.
