Rumänien verdoppelt Bären-Abschussquote auf 969 Tiere
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 12:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRumänien erlaubt in diesem Jahr den Abschuss von bis zu 969 Bären und verdoppelt damit die bisherige Quote trotz Protesten von Tierschützern und des Widerstands von Staatspräsident Nicusor Dan.
Präsident unterzeichnet Gesetz
Dan unterzeichnete ein im September beschlossenes Gesetz, nachdem das Verfassungsgericht seine Beanstandung zurückgewiesen hatte. Der Präsident hatte geltend gemacht, die Regelung verletze EU-Recht.
Anschließend schickte Dan den Entwurf zur Neuberatung an das Parlament zurück. Die Volksvertretung hielt jedoch an ihrem ursprünglichen Beschluss fest.
Tierschützer wenden sich an EU-Kommission
Die Welttierschutzgesellschaft in Berlin kritisierte die Verdopplung der Abschussquoten und startete eine Petition an die EU-Kommission. Darin wird eine Prüfung der wissenschaftlichen Grundlage und der Rechtmäßigkeit des Gesetzes verlangt.
859 Abschüsse vorsorglich erlaubt
Nach dem Gesetz dürfen 859 Bären vorsorglich abgeschossen werden. Weitere 110 Tiere dürfen getötet werden, wenn sie nachweislich Menschen gefährdet haben.
In Regionen, in denen die Jagd generell verboten ist, bleibt auch der Abschuss von Bären untersagt. 2024 hatte die Präventionsquote bei 426 Tieren gelegen; weitere 55 Abschüsse waren nach einer Gefährdung von Menschen erlaubt.
Angriffe und große Population
Nach Schätzungen des rumänischen Umweltministeriums leben etwa 12.800 Bären im Land. Das seien mehr als doppelt so viele Tiere, wie ökologisch vertretbar gelten. Rumänien habe damit nach Russland die zweitgrößte Bärenpopulation Europas.
Erst vier Tage vor der Gesetzesunterzeichnung wurde im siebenbürgischen Dorf Hoghiz nahe Brasov ein 55 Jahre alter Bauer bei der Arbeit auf einem Maisfeld von einem Bären getötet. Seine Ehefrau, die ebenfalls am Angriffsort war, konnte sich den Angaben zufolge im letzten Moment retten.
Kommunen setzen auf Prävention
Immer wieder greifen Bären Wanderer an, dringen in Bauernhöfe ein, reißen Schafe und suchen in Städten nach Futter. Behörden beklagen, dass Touristen trotz Verbots Bären füttern und dadurch deren Annäherung an Menschen fördern.
Kommunen versuchen, die Tiere mit Elektrozäunen, gesicherten Mülltonnen und dem Entfernen von Obstbäumen fernzuhalten. Im Sommer 2025 war ein italienischer Tourist auf der Karpaten-Passstraße Transfagarasan von einer Bärin getötet worden, nachdem er das Tier gefüttert hatte.
Zwischen Schutz und Bestandsregulierung
Rumänien verfügt über die größte Bärenpopulation innerhalb der Europäischen Union. Die nun erlaubte Entnahme von bis zu 969 Tieren ist deshalb nicht nur eine jagdpolitische Entscheidung, sondern berührt auch europäische Vorgaben zum Schutz wild lebender Arten. Der Konflikt entsteht dort, wo der Schutzstatus mit konkreten Gefahren für Menschen, Nutztiere und Siedlungen kollidiert.
Die Regelung unterscheidet zwischen vorsorglichen Abschüssen und Fällen, in denen einzelne Bären nachweislich Menschen gefährdet haben. Damit verbindet sie eine pauschale Quote mit einem reaktiven Sicherheitsinstrument. Für die Wirkung entscheidend sind transparente Kriterien, belastbare Bestandsdaten und eine konsequente Kontrolle der Umsetzung.
Folgen für Regionen und Reisende
Für Bewohner ländlicher Gebiete kann die Entscheidung als Reaktion auf eine wachsende Sicherheitsbelastung verstanden werden. Zugleich bleibt Prävention zentral: Gesicherte Abfälle, geschützte Tierbestände, elektrische Zäune und ein Verbot des Fütterns sollen verhindern, dass Bären menschliche Nähe mit Nahrung verbinden.
Für Reisende in den Karpaten bedeutet die Entwicklung, dass Warnhinweise und lokale Sperren besonders ernst genommen werden müssen. Die Debatte dürfte zudem auf EU-Ebene weitergehen, weil die Abschussquote die grundsätzliche Frage aufwirft, wie sich Artenschutz und Gefahrenabwehr in einem dicht besiedelten Lebensraum miteinander vereinbaren lassen.
