Rumänien verdoppelt Bären-Abschussquote auf 969 Tiere trotz Kritik
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 15:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRumänien erlaubt in diesem Jahr den Abschuss von bis zu 969 Bären und verdoppelt damit die bisherige Quote.
Präsident unterzeichnet Gesetz
Die Regierung reagiert nach zahlreichen Angriffen von Bären auf Menschen. Staatspräsident Nicusor Dan unterzeichnete nun ein bereits im September beschlossenes Gesetz, obwohl er dagegen Widerstand geleistet hatte.
Dan hatte den Entwurf zuvor erfolglos beim Verfassungsgericht angefochten. Seine Beanstandung, das Vorhaben verletze EU-Recht, wies das Gericht zurück. Anschließend schickte der Präsident das Gesetz zur Neuberatung an das Parlament, doch die Volksvertretung blieb bei ihrem Beschluss.
Tierschützer wenden sich an EU-Kommission
Die Welttierschutzgesellschaft in Berlin kritisierte die Verdopplung der Abschussquoten. Sie startete eine Petition an die EU-Kommission und fordert darin, die wissenschaftliche Grundlage der Quote sowie die Rechtmäßigkeit des Gesetzes zu überprüfen.
859 Abschüsse zur Vorbeugung
Nach dem neuen Gesetz dürfen 859 Bären vorsorglich abgeschossen werden. Weitere 110 Tiere dürfen getötet werden, wenn sie nachweislich Menschen gefährdet haben.
In Gebieten, in denen die Jagd generell verboten ist, bleibt auch der Abschuss von Bären untersagt. 2024 hatte die Präventionsquote bei 426 Tieren gelegen; zusätzlich waren 55 Abschüsse nach einer konkreten Gefährdung von Menschen erlaubt.
Große Population in den Karpaten
Nach Schätzungen des rumänischen Umweltministeriums leben etwa 12.800 Bären im Land. Das ist mehr als doppelt so viel wie die Zahl, die als ökologisch vertretbar gilt. Rumänien hat demnach die zweitgrößte Bärenpopulation Europas nach Russland.
Tödlicher Angriff nahe Brasov
Erst vor vier Tagen wurde im siebenbürgischen Dorf Hoghiz nahe der Stadt Brasov ein 55 Jahre alter Bauer während der Arbeit auf einem Maisfeld von einem Bären getötet. Seine Ehefrau, die ebenfalls am Angriffsort war, konnte sich im letzten Moment retten.
Immer wieder greifen Bären Wanderer an, dringen in Bauernhöfe ein, reißen Schafe und nähern sich Städten, um in Mülltonnen nach Futter zu suchen. Behörden beklagen, dass Touristen trotz eines Verbots Bären füttern und die Tiere dadurch an Menschen gewöhnen.
Kommunen setzen auf Zäune und gesicherten Müll
Einzelne Kommunen bauen Elektrozäune, verschließen Mülltonnen und entfernen Obstbäume, die Bären anziehen. Als Vorbild gilt der Karpatenkurort Baile Tusnad.
Im Sommer 2025 hatte eine Bärin an der Karpaten-Passstraße Transfagarasan einen italienischen Touristen getötet, nachdem dieser das Tier gefüttert hatte. In der Nähe von Tusnad verscheuchte ein ungarischer Journalist im vergangenen Sommer einen Bären, indem er sein Smartphone nach dem Tier warf.
Konflikt zwischen Schutz und Sicherheit
Die Entscheidung verschärft einen seit Jahren bestehenden Zielkonflikt in Rumänien: Große Beutegreifer sind europarechtlich geschützt, zugleich nehmen Begegnungen mit Menschen, Schäden an Nutztieren und gefährliche Annäherungen an Siedlungen politisch an Gewicht zu. Die nun erlaubte Entnahme von bis zu 969 Bären liegt deutlich über der Präventionsquote von 2024.
Nach Angaben des rumänischen Umweltministeriums leben im Land etwa 12.800 Bären. Damit verfügt Rumänien über eine der größten Braunbärenpopulationen Europas. Die Bestandsgröße allein beantwortet jedoch nicht, in welchen Regionen Tiere tatsächlich problematisch werden. Für die praktische Sicherheitslage sind unter anderem verfügbare Nahrung, Abfallmanagement, touristisches Verhalten und die Nähe von Siedlungen entscheidend.
Was die Regelung bewirken kann
Die Regierung setzt mit der höheren Quote auf eine schnelle Reaktion nach tödlichen oder gefährlichen Begegnungen. Sie dürfte den Druck auf Behörden mindern, die nach Angriffen konkrete Maßnahmen ergreifen müssen. Gleichzeitig bleibt entscheidend, ob Abschüsse gezielt einzelne auffällige Tiere betreffen oder überwiegend als vorbeugende Bestandsregulierung eingesetzt werden.
EU-Recht und lokale Maßnahmen
Die Auseinandersetzung dürfte deshalb über die nationale Quote hinausreichen. Tierschützer verlangen eine Prüfung der wissenschaftlichen Grundlage und der Vereinbarkeit mit EU-Recht. Parallel können Kommunen mit gesicherten Mülltonnen, Elektrozäunen und Aufklärung dazu beitragen, dass Bären nicht durch leicht zugängliche Nahrung an Menschen gewöhnt werden. Für Wanderer und Anwohner bleibt das Verhalten im Begegnungsfall ebenso wichtig wie die konsequente Durchsetzung des Fütterungsverbots.
