Rumänien, Bärenabschüsse

Rumänien verdoppelt Bären-Abschussquote auf 969 Tiere trotz Kritik

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 15:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Rumänien erlaubt 2026 den Abschuss von bis zu 969 Bären und verdoppelt damit die bisherige Quote. Die Entscheidung folgt auf tödliche und gefährliche Begegnungen, stößt aber bei Tierschützern und Staatspräsident Nicusor Dan auf Widerstand.

  • Rumänien verdoppelt die Abschussquoten für Bären. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa
    Rumänien verdoppelt die Abschussquoten für Bären. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa
  • Bären füttern ist in Rumänien streng verboten, weil es die Tiere den Menschen gefährlich nahe bringt. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa
    Bären füttern ist in Rumänien streng verboten, weil es die Tiere den Menschen gefährlich nahe bringt. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa
  • Ein Schild warnt vor Bären am Rande einer Bergstraße in den Karpaten. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa
    Ein Schild warnt vor Bären am Rande einer Bergstraße in den Karpaten. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa
  • Ein Bär mitten auf der Straße. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa
    Ein Bär mitten auf der Straße. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa
Rumänien verdoppelt die Abschussquoten für Bären. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa Bären füttern ist in Rumänien streng verboten, weil es die Tiere den Menschen gefährlich nahe bringt. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa Ein Schild warnt vor Bären am Rande einer Bergstraße in den Karpaten. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa Ein Bär mitten auf der Straße. (Archivbild) - Bild: Kathrin Lauer/dpa

Rumänien erlaubt in diesem Jahr den Abschuss von bis zu 969 Bären und verdoppelt damit die bisherige Quote.

Präsident unterzeichnet Gesetz

Die Regierung reagiert nach zahlreichen Angriffen von Bären auf Menschen. Staatspräsident Nicusor Dan unterzeichnete nun ein bereits im September beschlossenes Gesetz, obwohl er dagegen Widerstand geleistet hatte.

Dan hatte den Entwurf zuvor erfolglos beim Verfassungsgericht angefochten. Seine Beanstandung, das Vorhaben verletze EU-Recht, wies das Gericht zurück. Anschließend schickte der Präsident das Gesetz zur Neuberatung an das Parlament, doch die Volksvertretung blieb bei ihrem Beschluss.

Tierschützer wenden sich an EU-Kommission

Die Welttierschutzgesellschaft in Berlin kritisierte die Verdopplung der Abschussquoten. Sie startete eine Petition an die EU-Kommission und fordert darin, die wissenschaftliche Grundlage der Quote sowie die Rechtmäßigkeit des Gesetzes zu überprüfen.

859 Abschüsse zur Vorbeugung

Nach dem neuen Gesetz dürfen 859 Bären vorsorglich abgeschossen werden. Weitere 110 Tiere dürfen getötet werden, wenn sie nachweislich Menschen gefährdet haben.

In Gebieten, in denen die Jagd generell verboten ist, bleibt auch der Abschuss von Bären untersagt. 2024 hatte die Präventionsquote bei 426 Tieren gelegen; zusätzlich waren 55 Abschüsse nach einer konkreten Gefährdung von Menschen erlaubt.

Große Population in den Karpaten

Nach Schätzungen des rumänischen Umweltministeriums leben etwa 12.800 Bären im Land. Das ist mehr als doppelt so viel wie die Zahl, die als ökologisch vertretbar gilt. Rumänien hat demnach die zweitgrößte Bärenpopulation Europas nach Russland.

Tödlicher Angriff nahe Brasov

Erst vor vier Tagen wurde im siebenbürgischen Dorf Hoghiz nahe der Stadt Brasov ein 55 Jahre alter Bauer während der Arbeit auf einem Maisfeld von einem Bären getötet. Seine Ehefrau, die ebenfalls am Angriffsort war, konnte sich im letzten Moment retten.

Immer wieder greifen Bären Wanderer an, dringen in Bauernhöfe ein, reißen Schafe und nähern sich Städten, um in Mülltonnen nach Futter zu suchen. Behörden beklagen, dass Touristen trotz eines Verbots Bären füttern und die Tiere dadurch an Menschen gewöhnen.

Kommunen setzen auf Zäune und gesicherten Müll

Einzelne Kommunen bauen Elektrozäune, verschließen Mülltonnen und entfernen Obstbäume, die Bären anziehen. Als Vorbild gilt der Karpatenkurort Baile Tusnad.

Im Sommer 2025 hatte eine Bärin an der Karpaten-Passstraße Transfagarasan einen italienischen Touristen getötet, nachdem dieser das Tier gefüttert hatte. In der Nähe von Tusnad verscheuchte ein ungarischer Journalist im vergangenen Sommer einen Bären, indem er sein Smartphone nach dem Tier warf.

Konflikt zwischen Schutz und Sicherheit

Die Entscheidung verschärft einen seit Jahren bestehenden Zielkonflikt in Rumänien: Große Beutegreifer sind europarechtlich geschützt, zugleich nehmen Begegnungen mit Menschen, Schäden an Nutztieren und gefährliche Annäherungen an Siedlungen politisch an Gewicht zu. Die nun erlaubte Entnahme von bis zu 969 Bären liegt deutlich über der Präventionsquote von 2024.

Nach Angaben des rumänischen Umweltministeriums leben im Land etwa 12.800 Bären. Damit verfügt Rumänien über eine der größten Braunbärenpopulationen Europas. Die Bestandsgröße allein beantwortet jedoch nicht, in welchen Regionen Tiere tatsächlich problematisch werden. Für die praktische Sicherheitslage sind unter anderem verfügbare Nahrung, Abfallmanagement, touristisches Verhalten und die Nähe von Siedlungen entscheidend.

Was die Regelung bewirken kann

Die Regierung setzt mit der höheren Quote auf eine schnelle Reaktion nach tödlichen oder gefährlichen Begegnungen. Sie dürfte den Druck auf Behörden mindern, die nach Angriffen konkrete Maßnahmen ergreifen müssen. Gleichzeitig bleibt entscheidend, ob Abschüsse gezielt einzelne auffällige Tiere betreffen oder überwiegend als vorbeugende Bestandsregulierung eingesetzt werden.

EU-Recht und lokale Maßnahmen

Die Auseinandersetzung dürfte deshalb über die nationale Quote hinausreichen. Tierschützer verlangen eine Prüfung der wissenschaftlichen Grundlage und der Vereinbarkeit mit EU-Recht. Parallel können Kommunen mit gesicherten Mülltonnen, Elektrozäunen und Aufklärung dazu beitragen, dass Bären nicht durch leicht zugängliche Nahrung an Menschen gewöhnt werden. Für Wanderer und Anwohner bleibt das Verhalten im Begegnungsfall ebenso wichtig wie die konsequente Durchsetzung des Fütterungsverbots.

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