Remscheid: Waffenhändler muss sechseinhalb Jahre in Haft
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 15:29 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRemscheider Waffenarsenal und weitere Ermittlungen
- Das Landgericht Wuppertal verurteilte den 60-jährigen Kfz-Meister wegen Waffenhandels.
- Die Polizei stellte unter der Werkstatt 125 Maschinengewehre und 67 Maschinenpistolen sicher.
- Der Verbleib von 70 Maschinenpistolen ist weiterhin ungeklärt.
Urteil nach Waffenfund unter Remscheider Werkstatt
Der Hauptangeklagte aus Remscheid ist nach einem der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Wuppertal ordnete zudem die Einziehung von 74.000 Euro an.
Geständnis führte zu Strafabsprache
Der 60 Jahre alte Kfz-Meister musste nach einer Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit einer Haftstrafe zwischen sechs und sieben Jahren rechnen. Im Gegenzug legte er ein Geständnis ab.
Rund 300 Schusswaffen sichergestellt
Unter seiner Autowerkstatt hatte die Polizei vor einem Jahr vier Waffenkammern entdeckt. Bei der wochenlangen Räumung stellten die Beamten rund 300 scharfe Schusswaffen sicher, darunter 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen, 51 Pistolen, 32 Langwaffen, Präzisionsgewehre und 11 Revolver.
Auch Panzerabwehrwaffen und Munition entdeckt
In den Räumen lagen außerdem 13 Panzerabwehrwaffen, 38 Handgranaten, fast 100.000 Schuss Munition sowie Uniformen aus der NS-Zeit. Die Staatsanwaltschaft bezweifelte die Darstellung des Angeklagten, er sei durch den Kauf einer privaten Sammlung zufällig an scharfe Waffen gelangt.
Angeklagter bezeichnete Sammeln als Hobby
Der Mann erklärte im Prozess, das Sammeln von Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg sei sein Hobby gewesen. Er habe sich damit einen Lebenstraum erfüllt und ein Waffenmuseum gebaut, räumte aber ein, gewusst zu haben, dass er die scharfen Waffen nicht besitzen durfte.
Ermittlungen zu möglichen Abnehmern laufen weiter
Zwei geständige Mitangeklagte waren bereits zu zweieinhalb und dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Ermittlungen der Wuppertaler Staatsanwaltschaft dauern an und richten sich unter anderem auf mögliche Käufer illegal gehandelter Waffen.
Unklar ist weiterhin der Verbleib der 70 Maschinenpistolen, um die es im Geständnis ging. Als mögliche Abnehmer kommen nach Einschätzung der Ermittler Personen aus der kriminellen Szene, darunter Rocker-Banden, infrage.
Der Fall steht für die besondere Gefährlichkeit illegaler Waffenbestände, wenn historische Militaria-Sammlungen mit scharfen und einsatzfähigen Waffen verbunden werden. Die Dimension des Fundes geht deutlich über typische Verstöße gegen das Waffenrecht hinaus: Neben Maschinengewehren und Maschinenpistolen wurden auch Panzerabwehrwaffen, Handgranaten und große Mengen Munition entdeckt.
Das Urteil beendet den Prozess gegen den Hauptangeklagten, nicht aber die Ermittlungen zum Vertriebsweg. Besonders relevant bleibt deshalb die Frage, wer die 70 Maschinenpistolen erhalten haben könnte, die nach dem Geständnis gehandelt worden sein sollen. Der mögliche Zugang krimineller Gruppen zu solchen Waffen ist sicherheitsbehördlich bedeutsamer als der bloße Besitz in einem privaten Depot.
Waffenhandel und Sicherheitsrisiko
Die Strafe berücksichtigt nach dem Verfahren sowohl das Geständnis als auch den gewerbsmäßigen Charakter des Handels. Die Einziehung von 74.000 Euro zielt darauf, wirtschaftliche Vorteile aus dem illegalen Geschäft abzuschöpfen. Für die Ermittler verschiebt sich der Schwerpunkt nun auf mögliche Abnehmer und weitere Verbindungen in den illegalen Waffenhandel.
Der Fall zeigt zugleich die Kontrollprobleme bei privaten Sammlungen militärischer Waffen. Entscheidend sind dabei nicht nur die Zahl der Waffen, sondern ihre Einsatzfähigkeit, die vorhandene Munition und die Frage, ob sie außerhalb staatlicher Sicherung in kriminelle Strukturen gelangen konnten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Größter Fund in Deutschland: Urteil um Waffenhaus in Remscheid erwartet“ (30.10.2026)
Der Beitrag ordnet den Prozess über die vereinbarte Strafspanne von sechs bis sieben Jahren ein. Im Mittelpunkt steht dort der Weg zum Urteil und die Bedeutung des Geständnisses; die dpa-Meldung nennt inzwischen das konkrete Strafmaß von sechs Jahren und sechs Monaten.
WDR: „Größter Waffenfund in der BRD: Urteil um Remscheider Waffenarsenal“ (30.10.2026)
Der Artikel hebt die Größenordnung des Arsenals hervor und nennt neben rund 300 scharfen Waffen auch etwa 100.000 Schuss Munition. Damit bestätigt er den Umfang des Fundes, während die dpa-Meldung zusätzlich die Einziehung von 74.000 Euro und die weiter offenen Ermittlungen zu möglichen Abnehmern herausstellt.
Übereinstimmend steht die außergewöhnliche Menge und Art der sichergestellten Waffen im Mittelpunkt. Unterschiede ergeben sich vor allem aus dem Zeitpunkt der Berichte: Während die Beiträge den erwarteten beziehungsweise bevorstehenden Urteilsschritt behandeln, liegt mit der dpa-Meldung das konkrete Urteil vor.
