Regen auf dem Glasdach - und ein Klavier dahinter
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 09:49 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Die Tropfen sprangen über das Glasdach, als hätten sie es eilig. Ich lag auf dem warmen Holzsteg und zählte nicht, sondern lauschte: helle Schläge, dumpfe Schläge, dazwischen das ferne Knacken der Gewitterluft. Über dem Bodenseeufer hing eine graue Decke, doch am Rand des Himmels glomm schon wieder ein schmaler Streifen Blau.
Eine Nachbarskatze schlich durch das hohe Gras. Sie war grau an den Ohren und weiß an den Pfoten, als hätte sie in Mehl getreten. Ich kannte sie nicht, aber sie sah mich an, als wüsste sie genau, warum ich hier lag. Dann sprang sie auf eine niedrige Mauer, blieb stehen und sah zu dem Haus hinüber, das hinter den Bäumen langsam sichtbar wurde.
Die Katze im nassen Gras
Ich ging ihr nach, ohne den Steg zu verlassen. Der Regen hatte kleine Rinnen in die Erde gezeichnet, und in jeder Rinne schwamm ein Stück Himmel. Die Katze setzte eine Pfote vor die andere, vorsichtig, obwohl sie so tat, als wäre alles ihr Eigentum. Ich folgte ihr bis zu einem verwilderten Beet, in dem nasse Blätter glänzten. Von dort sah ich zuerst nur eine Ecke des Daches. Es war flach und dunkel, mit einem langen Glasfeld, auf dem die Tropfen weiterliefen. Unter dem Glas bewegte sich etwas Helles, vielleicht ein Vorhang, vielleicht nur das Licht. Die Katze hob den Kopf. Aus dem Haus kam ein einzelner Ton, dünn und rund wie ein Tropfen, der auf Holz fällt. Ich wusste sofort, dass es ein Klavier war. Niemand hatte eine Taste angeschlagen, jedenfalls nicht so, dass ich es sehen konnte. Der Ton blieb zwischen den Bäumen hängen, und die Katze setzte sich darunter, als wartete sie auf den nächsten.Spuren zwischen den Bäumen
Der Weg führte nicht geradeaus. Er wand sich an einem Zaun entlang, vorbei an einem alten Holzfass und einer Bank, auf deren Sitzfläche das Wasser stand. In der Pfütze zitterte das Spiegelbild des Glasdachs. Jedes Mal, wenn der Wind kam, zerfiel es in silberne Stücke. Hinter dem Zaun wuchs Gras bis an die Steine. Ich strich mit den Fingern darüber und spürte die kalte Nässe. Die Luft roch nach See, Rinde und diesem metallischen Duft, den ein Gewitter mitbringt. Die Katze war verschwunden. Nur ihre feuchten Pfotenabdrücke blieben zurück, kleine dunkle Zeichen, die unter dem Dachvorsprung endeten. Dort lag eine rote Schleife im Gras. Ich hob sie auf, band sie aber nicht an mich. Vielleicht gehörte sie der Katze. Vielleicht auch jemandem, der oft hierherkam und etwas verlor, ohne es zu bemerken. Neben der Schleife lag ein schmaler Holzspan. Als ich ihn umdrehte, sah ich eine eingeritzte Note. Wieder erklang das Klavier. Diesmal waren es drei Töne, weit auseinander, als tastete jemand im Dunkeln nach einer Treppe. Ich legte die Hand an die Brust und wartete. Kein weiterer Ton kam. Nur der Regen spielte auf dem Glasdach weiter, geduldig und hell.Unter dem Glasdach
Die Terrasse begann hinter einer niedrigen Steinmauer. Sie war noch nass, aber zwischen den Fugen stand warmer Staub. Eine Tasse mit einem braunen Rand ruhte auf einem Tisch. Daneben lag ein aufgefaltetes Tuch, dessen Ecken sich im Wind bewegten. Ich sah keine Menschen. Hinter einer Scheibe hing ein gelber Mantel, und auf dem Boden zeichnete das Wasser helle Flecken. Mehr konnte ich nicht erkennen. Das Haus blieb still, obwohl irgendwo im Inneren etwas leise arbeitete, vielleicht eine Uhr, vielleicht ein Rohr, vielleicht nur der Regen in den Wänden. Die Katze tauchte unter der Terrasse auf. Sie trug ein Blatt auf dem Rücken und blinzelte mich an. Dann ging sie zu einer schmalen Tür, die nicht ganz geschlossen war. Ein dunkler Spalt blieb offen. Dahinter roch es nach Holz und nassen Notenblättern. Ich wollte näher gehen, doch das Klavier erklang wieder. Nur ein Ton diesmal. Er kam so tief aus dem Haus, dass ich ihn unter den Schuhsohlen fühlte. Die Katze verschwand durch den Spalt, ohne sich umzudrehen.Die Tür mit dem Spalt
Ich blieb unter dem Glasdach stehen. Die Tropfen liefen über mir zusammen, fanden sich, trennten sich wieder und zogen klare Linien über die Scheibe. Durch diese Linien sah ich den See nur stückweise, als läge er hinter einem beweglichen Vorhang. Die rote Schleife hielt ich noch immer in der Hand. Vom Wasser her kam ein kühler Wind, obwohl die Luft nach Hochsommer roch. Im Haus bewegte sich der gelbe Mantel. Vielleicht war es nur ein Luftzug. Vielleicht stand dahinter jemand und wartete darauf, dass ich die Tür weiter öffnete. Ich setzte einen Fuß auf den ersten trockenen Stein. Die Katze miaute leise. Dann hörte der Regen auf. Wie nah das Haus im Video an dem liegt, das ich mir gerade gebaut habe, zeigt sich in einer Minute.Das Haus im Video
Zum Video auf InstagramDie Geschichte oben ist frei erzählt. Das echte Haus zeigt das Video von SALUTI Immobilien, in Kooperation mit Brumani Immobilien - brumani.de
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