Geldwäsche, Hells Angels

Razzia gegen Hells Angels: Polizei beschlagnahmt Vermögen von 48,6 Millionen Euro

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 09:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Mehr als 1.000 Einsatzkräfte durchsuchen seit dem Morgen Wohnungen und Geschäftsräume in Deutschland und mehreren europäischen Ländern. Im Zentrum stehen 71 Beschuldigte, Haftbefehle und Vermögenswerte von 48,6 Millionen Euro.

  • Einsatzkräfte der Polizei stehen am Mittwochmorgen vor einem Haus in Duisburg - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Einsatzkräfte der Polizei stehen am Mittwochmorgen vor einem Haus in Duisburg - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Die Razzia richtet sich auch gegen Mitglieder der Rockergruppe «Hells Angels». (Symbolbild)  - Bild: Fredrik von Erichsen/dpa
    Die Razzia richtet sich auch gegen Mitglieder der Rockergruppe «Hells Angels». (Symbolbild) - Bild: Fredrik von Erichsen/dpa
Einsatzkräfte der Polizei stehen am Mittwochmorgen vor einem Haus in Duisburg - Bild: Christoph Reichwein/dpa Die Razzia richtet sich auch gegen Mitglieder der Rockergruppe «Hells Angels». (Symbolbild)  - Bild: Fredrik von Erichsen/dpa

Mit mehr als 1.000 Einsatzkräften geht die Polizei seit Mittwochmorgen in Deutschland und mehreren europäischen Ländern gegen ein Geldwäsche-Netzwerk um Rocker der «Hells Angels» vor.

Mehr als 100 Objekte durchsucht

Nach Angaben der Polizei in Duisburg werden mehr als 100 Objekte durchsucht. Zugleich sollen mehrere Haftbefehle vollstreckt und Vermögenswerte im Umfang von 48,6 Millionen Euro beschlagnahmt werden.

Der Einsatz richtet sich den Ermittlern zufolge gegen ein internationales Geldwäschenetzwerk sowie gegen eine kriminelle Vereinigung. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich dabei um die «Hells Angels». Insgesamt gibt es 71 Beschuldigte.

Vorwürfe reichen bis zu Erpressung und Betrug

Unter den Beschuldigten seien Verantwortliche des bundes- und europaweit tätigen Geldwäschenetzwerks sowie hochrangige Mitglieder einer Rockergruppierung, teilten die Ermittlungsbehörden mit. Ihnen werde unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung, räuberische und gewerbsmäßige Erpressung, banden- und gewerbsmäßiger Betrug sowie gewerbsmäßige Geldwäsche vorgeworfen.

Außerdem gehe es um Waffendelikte, Körperverletzung und Steuerhinterziehung. Die Ermittler sprechen von professionellen Verschleierungshandlungen, mit denen erhebliche Geldbeträge in einen künstlichen Wirtschaftskreislauf überführt und unter anderem in Firmen und Grundbesitz investiert worden sein sollen.

Schwerpunkt in Duisburg

Ein dpa-Reporter beobachtete am Mittwochmorgen einen großen Polizeieinsatz mit Spezialeinsatzkräften an der Adresse eines einflussreichen «Hells Angels»-Rockers in Duisburg. Die Polizei berichtete von zahlreichen Durchsuchungen in Nordrhein-Westfalen.

Zusätzlich wurden den Angaben zufolge sechs Objekte in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Berlin und Bayern durchsucht. Sieben weitere Objekte in Belgien, Bulgarien und den Niederlanden wurden demnach in eigener Zuständigkeit der dortigen Behörden durchsucht.

Ermittlungen laufen seit mehr als vier Jahren

Federführend sind die Staatsanwaltschaft Duisburg und das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität in Nordrhein-Westfalen. Laut «Bild» laufen die Ermittlungen bereits seit mehr als vier Jahren.

Ausgangspunkt war demnach eine Schießerei auf dem Hamborner Altmarkt im Mai 2022. Bei der Auseinandersetzung mit mehr als 100 Beteiligten waren Rocker und Mitglieder einer türkisch-libanesischen Großfamilie aneinandergeraten.

Organisierte Kriminalität und legale Strukturen

Der Einsatz richtet sich nicht nur gegen einzelne mutmaßliche Straftaten, sondern gegen ein Netzwerk, in dem Erpressung, Betrug, Geldwäsche und mögliche Waffendelikte zusammenlaufen sollen. Die Ermittler nehmen dabei sowohl Personen als auch Vermögenswerte in den Blick. Die geplante Beschlagnahme von 48,6 Millionen Euro zeigt die wirtschaftliche Dimension des Verfahrens.

Geldwäsche funktioniert häufig über scheinbar legale Geschäftsbereiche, Firmen, Immobilien oder andere Vermögenswerte. Dadurch können illegal erwirtschaftete Einnahmen verschleiert und in den regulären Wirtschaftskreislauf überführt werden. Der grenzüberschreitende Zugriff in Deutschland, Belgien, Bulgarien und den Niederlanden verdeutlicht, dass solche Strukturen nicht an Landesgrenzen enden.

Bedeutung für das Verfahren

Für die Beschuldigten gilt zunächst die Unschuldsvermutung. Die Durchsuchungen und Haftbefehle sollen Beweismittel sichern und verhindern, dass Vermögen verschoben oder Unterlagen beseitigt werden. Im weiteren Verlauf werden die Ermittler die einzelnen Vorwürfe, die Rollen der 71 Beschuldigten und die Herkunft der Vermögenswerte rechtlich zuordnen müssen.

Für Duisburg ist der Fall auch deshalb bedeutsam, weil die Stadt bereits in der Vergangenheit Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen im Rockermilieu war. Die aktuelle Razzia verbindet diesen Komplex mit dem Vorwurf professioneller Finanzkriminalität. Entscheidend wird sein, ob sich die vermuteten Verbindungen zwischen Rockerstrukturen, wirtschaftlichen Aktivitäten und konkreten Straftaten gerichtsfest nachweisen lassen.

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