Oktoberfest, München

Oktoberfest 2026 startet mit neuem Sicherheitskonzept und strengerem Regelwerk

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 03:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In einer Woche startet das Oktoberfest mit neuen Fahrgeschäften, einem verschärften Sicherheitskonzept und einem Verbot von Champagner-Duschen. Erstmals wird Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause den traditionellen Fassanstich übernehmen.

  • Am Samstag beginnt das Münchner Oktoberfest. (Archivbild) - Bild: Felix Hörhager/dpa
    Am Samstag beginnt das Münchner Oktoberfest. (Archivbild) - Bild: Felix Hörhager/dpa
  • 2025 musste das Wiesn-Gelände zeitweise wegen Überfüllung geschlossen werden. (Archivbild) - Bild: Felix Hörhager/dpa
    2025 musste das Wiesn-Gelände zeitweise wegen Überfüllung geschlossen werden. (Archivbild) - Bild: Felix Hörhager/dpa
  • Die Aicher-Sanitätswache ist vorbereitet. (Archivbild)  - Bild: Lennart Preiss/dpa
    Die Aicher-Sanitätswache ist vorbereitet. (Archivbild) - Bild: Lennart Preiss/dpa
  • An die sieben Millionen Liter Wiesnbier werden voraussichtlich getrunken. (Archivbild)  - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    An die sieben Millionen Liter Wiesnbier werden voraussichtlich getrunken. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Am Samstag beginnt das Münchner Oktoberfest. (Archivbild) - Bild: Felix Hörhager/dpa 2025 musste das Wiesn-Gelände zeitweise wegen Überfüllung geschlossen werden. (Archivbild) - Bild: Felix Hörhager/dpa Die Aicher-Sanitätswache ist vorbereitet. (Archivbild)  - Bild: Lennart Preiss/dpa An die sieben Millionen Liter Wiesnbier werden voraussichtlich getrunken. (Archivbild)  - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

In München laufen die Vorbereitungen für das diesjährige Oktoberfest auf Hochtouren: In einer Woche heißt es wieder «O'zapft is» – dann beginnt das weltweit bekannte Volksfest mit 16 Festtagen und rund sechs Millionen erwarteten Gästen.

Neuer Oberbürgermeister beim ersten Anstich

Besonders im Fokus steht die Eröffnung am Samstag um 12.00 Uhr im Schottenhamel-Festzelt. Erstmals wird Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause von den Grünen den traditionellen Fassanstich übernehmen. Krause hat das Anzapfen nach eigenen Angaben eigens in einer Brauerei geübt und hofft, mit zwei bis drei Schlägen auszukommen, wie es auch seine Vorgänger meist geschafft haben. Die erste Maß Bier reicht der Rathauschef traditionell dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder von der CSU, bevor in allen Festzelten Bier ausgeschenkt werden darf.

Steigende Bierpreise und Trinkwasser als Alternative

Die Maß Bier ist in diesem Jahr erneut teurer. Sie kostet zwischen 14,80 und 15,90 Euro, im Schnitt 15,61 Euro – ein Plus von 2,38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wirtesprecher Peter Inselkammer verweist darauf, dass das Bier damit im internationalen Vergleich weiter als relativ günstig gilt, etwa im Vergleich zu einem großen bayerischen Wirtshaus in Las Vegas. Wer sparen möchte, kann auf dem Festgelände kostenlos Trinkwasser zapfen; im vergangenen Jahr standen dazu zehn Trinkwasserbrunnen bereit.

Verbot von Champagner-Duschen

Rund sieben Millionen Liter Bier werden erfahrungsgemäß auf der Wiesn ausgeschenkt. Champagner soll hingegen künftig nicht mehr über Köpfen und Tischen spritzen: Die bislang beliebten Champagner-Duschen, bei denen Gäste Flaschen öffneten und den Inhalt über andere Besucher ergossen, sind in den Festzelten nun verboten. Damit reagieren die Verantwortlichen auf zunehmend ausschweifende Trinkrituale, die andere Gäste stören und die Sicherheitslage komplizierter machen können.

Neue Fahrgeschäfte und Zeltwechsel

Die Besucher erwartet in diesem Jahr auch ein erweitertes Angebot an Fahrgeschäften. Drei Attraktionen feiern Premiere: Das «Shake & Roll» als Weiterentwicklung des klassischen «Break Dance», das mehrstöckige «Fischerman's» mit Wasserabenteuern sowie das «Chaos Pendel», das Fahrgäste mit bis zu 80 Kilometern pro Stunde in Höhen von bis zu 42 Metern schleudert. Änderungen gibt es auch bei den Festzelten: Nachdem der Wirt der «Münchner Stubn», der mit der Stadt über die Zulassung zum Oktoberfest und eine EU-weite Ausschreibung der großen Zelte im Streit liegt, seinen Platz kurzfristig aufgegeben hat, rückt «Bartls Flößerstadl» nach. Insgesamt sind 478 Betriebe zugelassen, darunter 36 gastronomische und 41 Schaustellerbetriebe.

Umfassende Sicherheitsmaßnahmen auf dem Festgelände

Beim Sicherheitskonzept setzt die Stadt auf Kontinuität und zusätzliche Technik. Der Zaun um das Gelände bleibt bestehen, ebenso die Einlasskontrollen mit Metalldetektoren. Größeres Gepäck mit mehr als drei Litern Volumen muss an Aufbewahrungsstationen abgegeben werden, Glasflaschen, Messer und ähnliche Gegenstände sind untersagt. Poller sichern das Areal gegen mögliche Angriffe mit Fahrzeugen. Rund 600 Polizistinnen und Polizisten sind rund um das Fest im Einsatz, Dutzende Videokameras überwachen auch weniger beleuchtete Bereiche.

Reaktion auf Überfüllung 2025

Auslöser für weitere Neuerungen war ein besonders stark frequentierter Wiesn-Samstag 2025, an dem das Gelände zeitweise wegen Überfüllung geschlossen werden musste und die Lage als potenziell gefährlich galt. In diesem Jahr gibt es ein neues Koordinierungs- und Beobachtungszentrum und eine ausgebaute Videoüberwachung zur Früh­erkennung stark belasteter Bereiche. Crowdmanagement und Besucherlenkung werden verbessert, KI-gestützte Kameras sollen zu große Menschenansammlungen rechtzeitig erkennen und Alarm auslösen.

Sanitätsdienst mit erweiterten Kapazitäten

Für medizinische Notfälle steht wie in den Vorjahren eine große Sanitätsstation der Aicher-Ambulanz bereit. Rund 430 Einsatzkräfte, darunter 36 Ärztinnen und Ärzte, übernehmen die Versorgung auf dem Festgelände. Neu sind unter anderem zwei Laborgeräte für detailliertere Blutanalysen sowie zusätzliche Kräfte für die Koordination bei größeren Notfällen. 2025 behandelte der Sanitätsdienst nach eigenen Angaben 7.158 Personen, davon entfielen rund 39 Prozent der Fälle auf alkoholbedingte Notfälle. Die Verantwortlichen bereiten sich damit erneut auf ein intensives Fest vor, bei dem Feierlaune und Sicherheit eng zusammenspielen.

Tradition trifft auf neue Sicherheitslogik

Das Münchner Oktoberfest steht seit Jahren für eine Mischung aus Brauchtum, Massentourismus und wirtschaftlicher Bedeutung. Mit dem Start der Wiesn 2026 verschiebt sich der Schwerpunkt noch stärker in Richtung Sicherheit und Steuerung großer Menschenmengen. Nach den Erfahrungen des überfüllten Fest-Samstags 2025, als das Gelände zeitweise geschlossen werden musste, reagiert die Stadt nun mit einem ausgebauten Koordinierungs- und Beobachtungszentrum sowie einem optimierten Crowdmanagement. Die Kombination aus Videoüberwachung, Zugangskontrollen und versperrbaren Zufahrten soll zugleich das subjektive Sicherheitsgefühl der Besucher stärken und Risiken frühzeitig sichtbar machen.

Digitalisierung und Kosten als Dauerthemen

Mit KI-gestützten Kameras, die große Ansammlungen erkennen und Alarm auslösen sollen, zieht auf der Wiesn ein weiterer Baustein digitaler Steuerung ein. Diese Entwicklung entspricht einem breiteren Trend bei Großveranstaltungen, bei denen datengestützte Systeme helfen sollen, Engpässe und gefährliche Situationen schneller zu identifizieren. Parallel bleibt der Bierpreis ein politisch sensibles Thema: Mit durchschnittlich 15,61 Euro pro Maß und einem erneuten Preisplus setzen Wirte und Veranstalter auf die Zahlungsbereitschaft eines internationalen Publikums, verweisen aber auf höhere Kosten und den globalen Vergleich. Für viele lokale Besucher werden Trinkwasserbrunnen und gezielte Planung des Festbudgets dadurch wichtiger.

Neue Regeln für Verhalten und Versorgung

Das Verbot der Champagner-Duschen markiert eine klare Grenze gegenüber allzu ausschweifigen Formen des Feierns, die andere Gäste beeinträchtigen oder Sicherheitsrisiken mit sich bringen können. Solche Verhaltensregeln ergänzen die technischen Maßnahmen und zeigen, dass Veranstalter stärker auf ein respektvolles Miteinander achten. Zugleich wird der medizinische Bereich weiter ausgebaut: Mehr Personal, zusätzliche Laborgeräte und verbesserte Koordination sollen sicherstellen, dass die vielen alkoholbedingten Notfälle und andere medizinische Zwischenfälle rasch behandelt werden können. Damit bleibt die Wiesn ein Großereignis, dessen Attraktivität wesentlich davon abhängt, ob Feiern und Sicherheit im Gleichgewicht gehalten werden.

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