Odyssey: 200 Passagiere müssen in Kambodscha von Bord
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 09:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie nächsten Schritte der Odyssey
- Das kambodschanische Tourismusministerium und die Provinzbehörden boten den Betroffenen Unterstützung an.
- Tourismusminister Huot Hak traf sich bereits mit den Kapitänen der Odyssey.
- Der Betreiber plant nach Angaben des Vize-Gouverneurs am Samstag einen Tankstopp in Sihanoukville.
Passagiere müssen die Odyssey in Sihanoukville verlassen
Nach dem abrupten Betriebsstopp des Kreuzfahrtschiffs „Odyssey“ in Kambodscha mussten rund 200 Bewohner ihr schwimmendes Zuhause innerhalb von sieben Stunden verlassen. Das Schiff liegt im Hafen von Sihanoukville, nachdem der US-Anbieter Villa Vie Residences den Betrieb wegen stark gestiegener Treibstoffkosten ausgesetzt hat.
Behörden bieten Unterstützung an
Am Dienstag wurde den Gästen aus mehr als einem Dutzend Ländern am Morgen mitgeteilt, dass sie das Schiff bis zum frühen Nachmittag verlassen müssten. An Bord lebten außerdem rund 150 Crew-Mitglieder.
Viele Bewohner hatten nach Angaben des Vize-Provinzgouverneurs Long Dimanche für die Weltreise Häuser und Autos verkauft. Einige sitzen nun in Hotels in Kambodscha fest, andere haben das Land bereits per Flugzeug verlassen.
Minister trifft Kapitäne
Das kambodschanische Tourismusministerium und die Provinzbehörden erklärten sich bereit, Unterstützung zu leisten. Tourismusminister Huot Hak traf sich mit den Kapitänen der „Odyssey“.
Grundsätzlich handele es sich jedoch um eine Angelegenheit zwischen dem Unternehmen und seinen Passagieren, sagte Dimanche. Die Bewohner müssen deshalb ihre weitere Unterbringung und Rückreise vielfach kurzfristig organisieren.
Iran-Krieg treibt Treibstoffkosten hoch
Die „Odyssey“ war seit zwei Jahren als dauerhaftes Zuhause auf dem Meer unterwegs. Die ursprünglich bis Ende 2027 geplante Reise sollte alle sieben Kontinente umfassen.
Nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs stiegen die Treibstoffkosten nach Angaben des Betreibers deutlich. Der monatliche Spritaufwand pro Kabine erhöhte sich demnach von durchschnittlich rund 1.800 US-Dollar auf zuletzt geschätzte 6.000 bis 8.000 US-Dollar in Asien.
Weiterfahrt am Samstag geplant
Nach Angaben des Vize-Gouverneurs soll die „Odyssey“ am Samstag in Sihanoukville Treibstoff aufnehmen und anschließend den Hafen verlassen. Wohin das Schiff fährt und ob Passagiere an Bord sein werden, ist offen.
Ursprünglich war eine Weiterreise nach Vietnam vorgesehen. Für die Bewohner bleibt damit zunächst ungeklärt, ob und unter welchen Bedingungen die Weltreise fortgesetzt werden kann.
Der Fall der „Odyssey“ steht für ein ungewöhnliches Geschäftsmodell: Die Passagiere kauften oder mieteten nicht nur eine Reise, sondern machten das Schiff teilweise zu ihrem dauerhaften Lebensmittelpunkt. Dadurch trifft der Betriebsstopp die Betroffenen stärker als eine gewöhnliche Reiseunterbrechung. Wer Wohnung und Besitz aufgegeben hat, verliert mit der Ausschiffung zugleich eine zentrale private Infrastruktur.
Steigende Kosten setzen Wohnschiffe unter Druck
Der wirtschaftliche Kern liegt in den stark gestiegenen Treibstoffausgaben. Nach Angaben des Betreibers erhöhte sich der monatliche Aufwand pro Kabine von durchschnittlich rund 1.800 auf geschätzte 6.000 bis 8.000 US-Dollar in Teilen Asiens. Langsamere Fahrt und längere Hafenaufenthalte sollten den Verbrauch senken, konnten die Kostenlücke aber nicht schließen.
Das Modell verbindet langfristige Kundenbindung mit hohen laufenden Fixkosten. Anders als bei einer klassischen Kreuzfahrt lassen sich die zusätzlichen Ausgaben nicht kurzfristig über neue Buchungen oder höhere Ticketpreise ausgleichen, wenn Bewohner bereits langfristige Verträge abgeschlossen haben.
Offene Fragen für Passagiere und Anbieter
Für die Bewohner geht es nun um Übergangsunterkünfte, Rückreisen und die Fortsetzung ihrer gebuchten Lebens- und Reiseplanung. Der angekündigte Tankstopp und die mögliche Weiterfahrt könnten kurzfristig Klarheit schaffen, lösen aber nicht automatisch die Finanzierungsprobleme des Betreibers.
Auch für die Kreuzfahrtbranche ist der Vorgang relevant: Wohnschiffe werben mit langfristiger Planbarkeit und festen Kosten, bleiben aber von Energiepreisen, geopolitischen Krisen und Hafenlogistik abhängig. Der Ausgang wird daher mitbestimmen, wie belastbar solche Dauerreise-Angebote für Kunden tatsächlich sind.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Artikel hebt die hohen Preise für die Kabinen und die Lebenssituation der 203 Passagiere hervor. Anders als die dpa-Meldung stellt er zudem die angekündigte finanzielle Restrukturierung des Unternehmens und die unklare Zukunft eines möglichen zweiten Wohnschiffs heraus.
Euronews: „Schiff aufgegeben: Rund 200 Dauer-Kreuzfahrer in Kambodscha gestrandet“ (28.10.2026)
Euronews ordnet den Stopp ebenfalls als Folge stark gestiegener Treibstoffkosten ein und beschreibt die kurzfristige Ausschiffung. Der Beitrag konzentriert sich stärker auf die Finanzierungsprobleme, die geplante Restrukturierung und die Frage, ob der Anbieter die Reise fortsetzen kann.
Beide Beiträge bestätigen den abrupten Stopp in Sihanoukville und die Belastung für die Bewohner. Unterschiede liegen vor allem bei den zusätzlichen Angaben zu Preisen, Unternehmensfinanzierung und der langfristigen Zukunft des Wohnschiff-Modells.
