Nasses Gras - und ein Licht hinter dem Hügel
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 09:50 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWSUnter meinen Schuhen glitzert nasses Gras, obwohl ich ganz langsam gehe. Jeder Schritt macht ein leises Schmatzen, als würde der Boden meinen Namen behalten wollen. Über den Allgäuer Hügeln hängt die blaue Stunde, und der Himmel sieht aus wie kalte Milch mit einem blauen Rand. Neben mir streicht die Nachbarskatze durch die Halme, ohne sich umzudrehen.
Ich folge ihr nicht, jedenfalls sage ich mir das. Sie bleibt vor einem niedrigen Zaun stehen, hebt den Schwanz und lauscht in die Dunkelheit. Irgendwo tropft Wasser von einem Ast, obwohl kein Bach zu sehen ist. Dann erkenne ich hinter dem Hügel ein kleines Licht, und darunter die dunkle Form eines Hauses.
Die Katze kennt den Weg
Der Frost liegt auf den Wiesen wie feiner Staub. Er knackt unter den Blättern, wenn ich die Böschung hinaufsteige, und lässt das nasse Gras an meinen Knöcheln kitzeln. Meine Hände riechen nach Erde, weil ich mich einmal am Zaun festhalten muss. Die Katze wartet oben und tut so, als hätte sie mich längst vergessen.
Von hier sehe ich mehr als vorher, aber nicht genug. Ein Dach hebt sich gegen den heller werdenden Himmel, daneben steht ein Baum mit dünnen Ästen. Unter dem Dach schimmert eine Laterne hinter einem Fenster. Ihr Licht ist nicht gelb und nicht weiß, sondern ungefähr so warm wie die Tasse, die bei uns zu Hause am Ofen steht.
Die Katze setzt sich in das nasse Gras. Ihr Fell nimmt kleine Tropfen auf, bis sie wie winzige Glasperlen aussehen. Ich frage mich, ob sie immer hierherkommt oder ob sie heute auf mich gewartet hat. Als ich ihren Namen rufe, blinzelt sie nur und wendet den Kopf zum Haus.
Spuren im kalten Licht
Der Weg wird schmaler, ohne dass ich sehe, wer ihn gemacht hat. An manchen Stellen liegen flache Steine, an anderen nur dunkle Erde. Der Frost malt helle Ränder um die Halme. Wenn ich darüberstreiche, verschwinden sie sofort, und meine Finger werden feucht.
Hinter einer Hecke taucht eine Terrasse auf. Kein Stuhl steht dort, kein Eimer, kein vergessener Ball. Nur eine schmale Bank trägt einen runden Fleck aus Wasser. Darüber hängt die Laterne an einem gebogenen Haken, und ihr Licht zittert, obwohl die Luft beinahe still ist.
Ich höre etwas aus dem Haus. Es klingt nicht wie ein Schritt. Vielleicht schiebt sich irgendwo Holz zusammen, vielleicht atmet ein Ofen, vielleicht ist es nur der Wind, der durch einen Spalt findet. Die Katze springt auf die Bank und legt eine Pfote neben den nassen Fleck.
Auf der Terrassenkante entdecke ich eine Spur aus kleinen dunklen Punkten. Sie führt bis zu einer Tür, die ich nur von der Seite sehe. Daneben hängt ein Stück Stoff, das sich kaum bewegt. Es riecht nach kalter Asche, nach Tannennadeln und nach dem Gras, das an meinen Schuhen klebt.
Vor der verschlossenen Tür
Ich bleibe auf den letzten Steinplatten stehen. Die Katze sitzt jetzt auf dem Boden und sieht mich an, als müsste ich etwas wissen. Hinter der Tür fällt ein schmaler Lichtstreifen auf die Terrasse. Er reicht bis zu meiner Schuhspitze.
Im Fenster über mir spiegelt sich der Morgen, obwohl die Sonne noch nicht zu sehen ist. Für einen Augenblick glaube ich, hinter dem Glas eine Bewegung zu erkennen. Dann ist dort nur mein eigenes Gesicht, blass zwischen den Ästen.
Ich lege die Hand nicht auf die Klinke. Vielleicht gehört das Haus jemandem, der gerade schläft. Vielleicht wartet hinter der Tür ein Raum, den die Laterne schon kennt. Die Katze hebt den Kopf, und irgendwo im Gras tropft es wieder.
Ich gehe einen Schritt zurück. Die Tür bleibt zu.
Ich habe das Haus gesehen, aber ich weiß noch nicht, ob es zu dem passt, das du dir beim Lesen gebaut hast. Ob die Terrasse wirklich so liegt, verrät nur das Video.
Das Haus im Video
Zum Video auf InstagramDie Geschichte oben ist frei erzählt. Das echte Haus zeigt das Video von SALUTI Immobilien, in Kooperation mit Brumani Immobilien - brumani.de
