Hamburg, Deutschland

Mutmaßlicher Chef der Entführer sagt im Block-Prozess aus

10.12.2025 - 15:09:58 | dpa.de

Nach längerer Pause müssen die Angeklagten im Block-Prozess wieder vor Gericht erscheinen. Ein wichtiger Zeuge sagt aus. Er soll der Chef der Entführer gewesen sein.

Christina Blocks Ex-Mann verfolgt den Prozess als Nebenkläger. - Foto: Christian Charisius/dpa/Pool/dpa
Christina Blocks Ex-Mann verfolgt den Prozess als Nebenkläger. - Foto: Christian Charisius/dpa/Pool/dpa

Fast fünf Monate nach Beginn des Block-Prozesses ist überraschend der mutmaßliche Kopf der Entführer als Zeuge beim Landgericht Hamburg erschienen. Nach dem 68-jährigen Israeli hatte die Staatsanwaltschaft seit dem vergangenen Jahr gefahndet. Er soll die Entführung der beiden Kinder - damals zehn und 13 Jahre alt - vom Wohnsitz des Vaters in Dänemark organisiert und durchgeführt haben. Für seine freiwillige Aussage sicherten ihm die Ermittlungsbehörden sicheres Geleit zu.

Der 68-Jährige, der nach eigenen Angaben ein Unternehmen für Cyber-Sicherheit leitet, schilderte das erste Treffen mit Christina Block in einem italienischen Restaurant in Hamburg im Januar 2023. Dabei habe Block die Situation ihrer Kinder erklärt. «Es war ein ganz emotionales Meeting», sagte der Zeuge nach den Worten einer Übersetzerin. In Anwesenheit des Anwalts der Block-Familie sei er gebeten worden, einen Plan zu erarbeiten. Er habe Daten sammeln sollen, die im Sorgerechtsstreit helfen könnten, die Kinder zurückzubringen. 

Block: Bei erstem Treffen ging es um Cyber-Sicherheit

Christina Block (52), Tochter des Gründers der Restaurantkette «Block House», Eugen Block, ist angeklagt, während eines langen Sorgerechtsstreits den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in der Silvesternacht 2023/24 in Auftrag gegeben zu haben. Die Sicherheitsfirma des 68-jährigen Israelis soll den damals zehnjährigen Sohn und die 13-jährige Tochter vom Wohnsitz des in Dänemark lebenden Vaters entführt und nach Deutschland gebracht haben. 

Block bestreitet den Anklagevorwurf. Nach ihren Angaben ging es bei dem ersten Treffen mit dem Chef der Sicherheitsfirma um das IT-System ihres Hotels «Grand Elysée». Die Cyber-Sicherheit des Hauses sollte getestet und verbessert werden. Die Entführung der Kinder habe die Firma auf eigene Faust gemacht.

Zeuge soll für Geheimdienst gearbeitet haben

Nach Aussage eines früheren Zeugen soll der 68-jährige Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein. Einer der Verteidiger im Prozess hatte im November eine Zeugenaussage über den Israeli so zusammengefasst: Der Leiter der israelischen Sicherheitsfirma sei eine zentrale Figur in dem Fall. Als Mossad-Agent habe er sämtliche Manipulationstechniken erlernt und Legenden verkaufen können.

Zu seiner Person sagte der Israeli selbst lediglich, dass er nach seinem Militärdienst und einem Studium in Paris seinem Land ein Jahrzehnt lang gedient habe. Dann habe er ein Unternehmen für Medizintechnik aufgebaut. Er sei Vater von vier Kindern und habe vier Enkel. Der Zeuge gilt als Beschuldigter, gehört aber in dem Prozess nicht zu den insgesamt sieben Angeklagten. 

Verteidiger: Zeugenvernehmung kommt zu früh

Die Aussage des Israelis begann mit großer Verspätung. Einige Verteidiger hatten zuvor ihrem Ärger darüber Luft gemacht, dass der Zeuge schon zu diesem Zeitpunkt vernommen wird. Sie hätten Audiodateien erst spät bekommen und nicht ausreichend Zeit für die Vorbereitung gehabt, hieß es von mehreren Anwälten.

Der Zeuge wurde bereits durch die Staatsanwaltschaft außerhalb des Prozesses vier Tage lang vernommen. Um den insgesamt sieben Angeklagten Gelegenheit zu geben, die Protokolle der Vernehmung auszuwerten, war der Prozess am 19. November unterbrochen worden. 

Chatgruppe «Bring die Kinder zurück»

Der 68-Jährige berichtete weiter, er habe nach dem ersten Treffen einen Plan entwickelt und an den jetzt ebenfalls vor Gericht stehenden Anwalt der Block-Gruppe übersandt. Darin habe er erwähnt, dass es auch einen Plan geben müsse, wie man die Kinder sicher zurückbringt, sollten sie in Gefahr sein. Er habe jedoch betont, dass keine Gewalt angewendet werden dürfe. 

Im Mailverkehr zwischen seinem Büro und einem Anwalt der Block-Gruppe sei es auch um die Kosten für die Arbeit seiner Firma gegangen. Es seien 250.000 Euro im Gespräch gewesen. Zu den ersten Maßnahmen gehörte den Angaben zufolge die Gründung einer Chatgruppe im Messengerdienst Signal. Diese sei «Bring die Kinder zurück» genannt worden. Die Observation des Hauses von Blocks Ex-Mann Stephan Hensel habe begonnen. Es seien zwei Kameras installiert worden. «Wir hatten die Aufgabe, solche Daten zu sammeln», sagte der Zeuge.

Botschaft der Mutter an ihre Kinder

Zu Beginn des Verhandlungstages hatten sich mehrere Verteidiger Erklärungen zu einer Zeugenaussage vom vergangenen Verhandlungstag abgegeben. Blocks Anwalt Ingo Bott erklärte, dass man der neuen Frau von Hensel, Astrid Have, kein Wort glauben könne. Glaubwürdig sei lediglich ihre Äußerung, dass es den Kindern schlecht gehe. Das sei aber eine Folge ihres unrechtmäßigen Verbringens nach Dänemark.

Christina Block richtete zu Beginn des Verhandlungstages einen emotionalen Appell an ihre Kinder. Sie wisse, dass über den Prozess in einem Live-Ticker berichtet werde, den die Kinder lesen würden. Darum wolle sie ihnen versichern: «Ich stehe euch immer zur Seite.» Block war dabei den Tränen nahe.

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