Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Messerangriff auf Bürgermeisterin: Tochter unter Verdacht

08.10.2025 - 15:33:30 | dpa.de

Nach dem Messerangriff auf die neu gewählte Bürgermeisterin von Herdecke, Iris Stalzer, steht deren Tochter unter Verdacht. Ins Gefängnis kommen soll sie aber nicht.

  • Iris Stalzer war erst vor wenigen Tagen zur Bürgermeisterin gewählt worden. - Foto: Bernd Henkel/dpa
  • Nach dem Messerangriff auf die neu gewählte Bürgermeisterin von Herdecke wurde der Tatort in deren Haus ausfindig gemacht. - Foto: Christoph Reichwein/dpa
  • Am Mittwoch gaben die Ermittler bekannt: Die Tochter der Angegriffenen steht im Verdacht, die Tat begangen zu haben. - Foto: Fabian Strauch/dpa
  • Die Frau wurde am Dienstag lebensgefährlich verletzt in eine Klinik geflogen. - Foto: Alex Talash/dpa
Iris Stalzer war erst vor wenigen Tagen zur Bürgermeisterin gewählt worden. - Foto: Bernd Henkel/dpa Nach dem Messerangriff auf die neu gewählte Bürgermeisterin von Herdecke wurde der Tatort in deren Haus ausfindig gemacht.  - Foto: Christoph Reichwein/dpa Am Mittwoch gaben die Ermittler bekannt: Die Tochter der Angegriffenen steht im Verdacht, die Tat begangen zu haben. - Foto: Fabian Strauch/dpa Die Frau wurde am Dienstag lebensgefährlich verletzt in eine Klinik geflogen. - Foto: Alex Talash/dpa

Nach dem Messerangriff auf die neu gewählte Bürgermeisterin von Herdecke im Ruhrgebiet, Iris Stalzer (SPD), steht ihre Tochter unter Tatverdacht. Die 57-jährige Juristin habe die 17-Jährige als Angreiferin benannt, teilten die Ermittler in Hagen mit. 

Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn gab an, dass er gegen die Jugendliche dennoch keinen Haftbefehl beantragen werde. Es lägen keine Haftgründe vor. «Rein rechtlich gehe ich von gefährlicher Körperverletzung aus», sagte er. Gegen ein Tötungsdelikt als Tatbestand spreche, dass die Tochter selbst den Notruf gewählt habe. Der Zustand der Verletzten sei nach aktuellen Erkenntnissen besser als zunächst angenommen. Sie sei außer Lebensgefahr.

Die Motivlage ist den Ermittlern zufolge unklar. Es habe familiäre Streitigkeiten gegeben, sagte der Leiter der Mordkommission, Jens Rautenberg.

Rolle des Jungen noch unklar

Noch am Dienstagabend habe sich der Verdacht erhärtet, dass die beiden Adoptivkinder der Kommunalpolitikerin mit der Tat in Verbindung stehen, teilten die Ermittler mit. Sie seien in den Abendstunden vorläufig festgenommen worden.

Beide Jugendlichen lebten mit in dem Wohnhaus in Herdecke, sagte Rautenberg weiter auf Nachfrage. Der 15 Jahre alte Junge und die 17 Jahre alte Tochter seien bereits polizeibekannt gewesen, sagte Polizeidirektorin Ursula Schönberg. Weder die Tochter noch der Sohn seien bisher vernommen worden. Inwieweit der Junge Zeuge der Tat war oder Beihilfe geleistet habe, müsse noch ermittelt werden, sagte Oberstaatsanwalt Haldorn. Die Ermittler hatten bereits mitgeteilt, dass die Tat einen familiären Hintergrund haben dürfte. 

«Die Kinder befinden sich weiter bei der Polizei», hatte eine Sprecherin der Polizei am Mittwochmorgen erklärt. Nach Angaben der Ermittler sollen beide Jugendlichen nun in die Obhut des Jugendamtes übergeben werden.

Zudem ist nach Angaben der Ermittler inzwischen der Tatort entdeckt - er liege im Keller des Hauses. Danach habe sich die Verletzte offenbar noch ins Erdgeschoss geschleppt, wo die Einsatzkräfte sie in einem Sessel sitzend vorgefunden hätten. Auf einen politischen Hintergrund deute derzeit nichts hin. Als Tatwaffen seien zwei Messer sichergestellt worden.

Mordkommission eingesetzt

Die 57-Jährige war am Dienstag lebensgefährlich verletzt in ihrem Wohnhaus gefunden worden. Laut Sicherheitskreisen erlitt sie mehrere Messerstiche in den Oberkörper. Ein Rettungshubschrauber brachte die Kommunalpolitikerin in eine nahe gelegene Klinik, wo sie umgehend intensivmedizinisch versorgt worden war. 

Eine Mordkommission hatte die Ermittlungen übernommen. Bis in den späten Dienstagabend hatten Polizisten im Wohnhaus der Familie Spuren gesichert.

Fall erschüttert quer durch alle politischen Lager

Die Nachricht vom Angriff auf die erst vor wenigen Tagen in einer Stichwahl zur Bürgermeisterin der 22.500-Einwohner-Stadt gewählten SPD-Politikerin hatte quer durch alle politische Lager Bestürzung ausgelöst: Vom Kanzler bis zum SPD-Generalsekretär taten Politiker umgehend ihre Anteilnahme kund.

Auch ihre Genossen vor Ort zeigten sich erschüttert: «Wir sind in Gedanken bei ihr und ihrer Familie», sagte der Fraktionsvorsitzende der SPD in Herdecke, Klaus Klostermann, der Deutschen Presse-Agentur am Tag nach der Tat. 

Stalzers offizielle Amtszeit soll am 1. November beginnen. Momentan sei noch völlig offen, wie es zu dem Zeitpunkt weitergehe, sagte Klostermann. «Das ist ja alles noch ganz frisch. Es geht jetzt erst mal darum, dass sie wieder vollständig gesund wird.»

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