Strafprozess Rostock, Tod eines Kindes

Mordprozess Rostock: Horterzieher sah Fabian „freudestrahlend“ am Vortag seines Todes

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 11:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Im Prozess um den Tod des achtjährigen Fabian hat ein Horterzieher erklärt, er habe den Jungen am Vortag seines Todes gut gelaunt auf einem Fahrrad gesehen. Die zeitliche Einordnung dieser Beobachtungen könnte für den Fortgang des Verfahrens vor dem Landgericht Rostock eine wichtige Rolle spielen.

Rund 30 Verhandlungstage dauert der Mordprozess im Fall Fabian bereits. (Archivbild) - Bild: Bernd Wüstneck/dpa
Rund 30 Verhandlungstage dauert der Mordprozess im Fall Fabian bereits. (Archivbild) - Bild: Bernd Wüstneck/dpa

Im Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian hat ein Horterzieher vor dem Landgericht Rostock berichtet, er habe den Jungen am Vortag seines Todes gut gelaunt auf einem Fahrrad gesehen und von ihm «freudestrahlend» gegrüßt worden.

Zeitliche Einordnung der Beobachtungen

Das Gericht geht weiter der Frage nach, ob Mitschüler Fabian noch lebend gesehen haben, als er nach Darstellung der Staatsanwaltschaft bereits tot gewesen sein soll. Der Erzieher schilderte am 29. Verhandlungstag, er habe den Jungen am Donnerstag vor dessen Verschwinden gesehen, am eigentlichen Todestag dagegen nicht.

Fabian galt seit Freitag, dem 10. Oktober 2025, als vermisst. Ermittler gehen davon aus, dass er an diesem Tag zwischen 10.50 Uhr und 13.00 Uhr ums Leben kam. Der Prozess dreht sich nun auch darum, ob Wahrnehmungen von Zeugen eher dem Donnerstag oder dem Freitag zuzuordnen sind.

Aussagen von Mitschülern und Erzieher

Zwei Mitschüler hatten zuvor angegeben, Fabian am Freitag noch gesehen und gegrüßt zu haben. Die Staatsanwaltschaft vertritt jedoch die Auffassung, dass die Kinder den Jungen tatsächlich am Donnerstag wahrgenommen haben könnten.

Diese Einordnung würde zu den Angaben des Horterziehers passen. Nach seiner Aussage war er am Donnerstag zwischen Hort- und Schulgebäude unterwegs und befand sich dabei unter anderem in Begleitung der beiden Mitschüler.

Bild von Fabians Persönlichkeit

Die Leiterin des Horts beschrieb Fabian vor Gericht als «aufgeweckten Jungen», der fröhlich gewesen sei. In der dritten Klasse sei er nur noch zum Fußballtraining in die Einrichtung gekommen, sei aber oft etwas früher erschienen, um Mitarbeiterinnen zu umarmen und ihnen zu erzählen, dass es ihm gut gehe.

Die persönlichen Schilderungen aus dem Umfeld des Jungen ergänzen die juristisch geprägte Beweisaufnahme um Eindrücke aus seinem Alltag. Sie zeigen, wie vertraut Fabian mit den Erziehenden war und wie präsent er in der Einrichtung blieb, obwohl er sie nur noch zum Sport besuchte.

Stand des Verfahrens am Landgericht Rostock

Das Landgericht unterbrach die Verhandlung am Vormittag, um über mehrere Beweisanträge der Verteidigung zu beraten. Je nach Entscheidung könnte sich der seit Ende April laufende Prozess langsam seinem Ende nähern.

Für den weiteren Verlauf des Verfahrens war vorgesehen, gegebenenfalls noch einen psychiatrischen Sachverständigen zu hören. Dessen Einschätzung könnte für die Bewertung der Angeklagten und der ihr vorgeworfenen Tat eine wichtige Rolle spielen.

Ein langwieriger Prozess mit hoher öffentlicher Aufmerksamkeit

Der Prozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian gehört zu den aufsehenerregenden Strafverfahren in Mecklenburg-Vorpommern. Die Verhandlung läuft seit Ende April vor dem Landgericht Rostock und nähert sich nach fast 30 Prozesstagen langsam der Zielgeraden. Die nun geschilderten Beobachtungen eines Horterziehers und die früheren Angaben von Mitschülern zeigen, wie stark die genaue zeitliche Rekonstruktion des Tattages für die Bewertung der Beweise ist.

Fabian galt seit dem 10. Oktober 2025 als vermisst und soll nach den Ermittlungen an diesem Tag zwischen 10.50 Uhr und 13.00 Uhr getötet worden sein. Die Anklage wirft einer 30-Jährigen vor, den Jungen mit einem Messer an einem abgelegenen Ort etwa 15 Kilometer von Güstrow entfernt getötet zu haben. Der Fall berührt grundlegende Fragen des Kinderschutzes und des Vertrauensverhältnisses zwischen Eltern, Betreuungseinrichtungen und Justiz, weil das mutmaßliche Motiv mit einer Beziehungskonstellation im familiären Umfeld verknüpft wird.

Bedeutung der Zeugenaussagen für die Beweisführung

Die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Horterzieher und Mitschülern verdeutlichen, wie schwierig es für Gerichte ist, Erinnerungen aus dem Alltag vieler Monate später zuverlässig einzuordnen. Ob Kinder Fabian am Todestag oder am Vortag gesehen haben, kann für die zeitliche Eingrenzung der Tat und für mögliche alternative Abläufe von Bedeutung sein. Die Aussage des Erziehers, der Fabian «freudestrahlend» am Donnerstag gesehen, am Freitag jedoch nicht wahrgenommen haben will, fügt sich in die von der Staatsanwaltschaft favorisierte Variante ein, wonach eine Verwechslung der Tage vorliegen könnte.

Ausblick auf den weiteren Verlauf

Mit der Beratung über Beweisanträge der Verteidigung und einer möglichen psychiatrischen Begutachtung tritt der Prozess in eine entscheidende Phase. Psychiatrische Gutachten spielen in schweren Gewaltverfahren häufig eine zentrale Rolle, weil sie Hinweise auf die Schuldfähigkeit und die Persönlichkeit der Angeklagten geben können. Für die Öffentlichkeit ist die Klärung des Falles von großer Bedeutung, nicht nur mit Blick auf eine angemessene Strafe, sondern auch, um die vielen offenen Fragen zu den Hintergründen des Geschehens und zu möglichen Lehren für den Umgang mit gefährdeten Kindern zu beantworten.

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