Baden-Württemberg, Deutschland

Angeklagte lockten Männer mit Fake-Profilen in brutale Falle

13.03.2026 - 11:16:43 | dpa.de

Mit gefälschten Mädchen-Profilen lockten sie Männer in die Falle – um sie zu überfallen und auszurauben. Zurück bleiben traumatisierte Opfer und Angeklagte, die zuletzt noch zur Schule gingen.

  • Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass auch zahlreiche weitere Verdächtige systematisch Erwachsene in die Sex-Falle gelockt haben, um sie auszurauben. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass auch zahlreiche weitere Verdächtige systematisch Erwachsene in die Sex-Falle gelockt haben, um sie auszurauben. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Die Angeklagten wollen sich erst später zu den Vorwürfen äußern. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    Die Angeklagten wollen sich erst später zu den Vorwürfen äußern. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass auch zahlreiche weitere Verdächtige systematisch Erwachsene in die Sex-Falle gelockt haben, um sie auszurauben. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Die Angeklagten wollen sich erst später zu den Vorwürfen äußern. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa

Sie gaben sich online in Fake-Profilen als minderjährige Mädchen aus, lockten Männer zu fingierten Dates - und schlugen dann brutal zu: Vier selbst ernannte «Pedo Hunter», also Pädophilen-Jäger, sitzen in den kommenden Monaten unter anderem wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes, der Vergewaltigung und der besonders schweren räuberischen Erpressung auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts.

Sie hatten sich nach Darstellung der Staatsanwaltschaft monatelang auf einer Dating-Plattform als Mädchen ausgegeben, um mit ihren Opfern in Kontakt zu kommen - und diese in wechselnder Besetzung beim fingierten Treffen zu bedrohen, zu missbrauchen und zu berauben. Die nun angeklagten jungen Männer im Alter von heute 19 bis 20 Jahren waren dabei unter anderem mit Messern, Pfefferspray, Schlagstöcken oder Schusswaffen bewaffnet.

Raub und Erpressung in Chatgruppe organisiert

Laut Staatsanwaltschaft organisierte das Quartett seine Taten in einer Chatgruppe als «dynamische Gruppierung». Der Kreis der mutmaßlichen Täterinnen und Täter soll sogar deutlich größer gewesen sein: Nach früheren Angaben der Polizei werden 15 weitere Männer und 3 Frauen verdächtigt, in unterschiedlicher Weise beteiligt gewesen zu sein.

Polizei: «Nur die Masche genutzt»

Ein ähnliches Vorgehen selbsterklärter Pädophilen-Jäger kursiert derzeit unter dem Schlagwort «Pedo-Hunting» in sozialen Netzwerken. Die Polizei Stuttgart betonte nach der Razzia im Dezember allerdings, die angegriffenen Männer hätten in den meisten Fällen nichts falsch gemacht. Der Begriff «Pedo-Hunter» passe daher nicht. «Die Tatverdächtigen haben diese Masche schlichtweg genutzt, um die Männer anzugreifen und auszurauben», hieß es.

Das hob zum Prozessauftakt auch der Richter hervor: «Nach Aktenlage gibt es überhaupt keine Hinweise, dass es sich bei den Erwachsenen um Pädophile handelt», sagte er. 

Insgesamt sind vor der Jugendstrafkammer fast 20 Verhandlungstage bis Mitte Juli geplant.

de | unterhaltung | 68667821 |

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