Miss Marple, Lucy Foley

Miss Marple kehrt zurück: Neuer Mordfall im Grand Alpine Hotel

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Lucy Foley lässt Miss Marple erstmals seit 50 Jahren wieder ermitteln. Im neuen Roman führt der Fall die berühmte Hobbydetektivin in ein Luxushotel in den Schweizer Alpen – und verbindet klassische Krimikunst mit einer Geschichte über unterschätzte Frauen.

  • Lucy Foley schickt Miss Marple in ihrem Roman in die Schweizer Alpen. Archivbild) - Bild: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa
    Lucy Foley schickt Miss Marple in ihrem Roman in die Schweizer Alpen. Archivbild) - Bild: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa
  • Die Schöpferin von Miss Marple ist Agatha Christie - sie gilt als eine der erfolgreichsten Autoren der Literaturgeschichte. (Archivbild) - Bild: DB/dpa
    Die Schöpferin von Miss Marple ist Agatha Christie - sie gilt als eine der erfolgreichsten Autoren der Literaturgeschichte. (Archivbild) - Bild: DB/dpa
  • das Buch erscheint am 30. September im Penguin-Verlag. - Bild: ---/Penguin Verlag/dpa
    das Buch erscheint am 30. September im Penguin-Verlag. - Bild: ---/Penguin Verlag/dpa
Lucy Foley schickt Miss Marple in ihrem Roman in die Schweizer Alpen. Archivbild) - Bild: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa Die Schöpferin von Miss Marple ist Agatha Christie - sie gilt als eine der erfolgreichsten Autoren der Literaturgeschichte. (Archivbild) - Bild: DB/dpa das Buch erscheint am 30. September im Penguin-Verlag. - Bild: ---/Penguin Verlag/dpa

Lucy Foley lässt Miss Marple erstmals seit 50 Jahren wieder ermitteln: In „Mord im Grand Alpine Hotel“ führt die Hobbydetektivin ein Mordfall in ein Luxushotel in den Schweizer Alpen.

Leiche in der Seilbahngondel

Miss Marple reist gemeinsam mit ihrer Freundin Dolly Bantry und deren Gesellschafterin Diana Glass in das verschneite Grand Alpine Hotel. Unter den Gästen befinden sich unter anderem ein als künftiger britischer Premier gehandelter Parlamentarier, ein jugoslawischer Prinz und eine Hollywoodschauspielerin.

Als ein Seilbahnwärter an einem eisigen Morgen eine männliche Leiche in einer Gondel entdeckt, gerät der Aufenthalt aus dem Ruder. Unter den Hotelgästen befindet sich ein Mörder.

Intrigen und politische Vergangenheit

Der Roman verbindet die Suche nach dem Täter mit Themen wie Macht, Liebe, Raub und einer dunklen politischen Vergangenheit. Die Geschichte wird aus vier Perspektiven erzählt: aus der Sicht der Gesellschafterin Diana Glass, der Schauspielerin Sylvia Sinclair, der Politiker-Ehefrau Catherine Narracott und des verarmten Ex-Soldaten Bruno Crane.

Lucy Foley gilt als erste Autorin, die einen vollständigen neuen Miss-Marple-Roman verfasst hat. Die Einladung dazu kam von Agatha Christies Erben. Foley, Jahrgang 1986, beschreibt das Projekt als Hommage an eine Figur, deren Bücher sie bereits als Jugendliche gelesen habe.

Zwischen Hommage und eigenem Stil

Foley übernimmt zentrale Elemente aus Christies Krimis: Sie streut Hinweise, legt falsche Fährten und lässt Verdächtige in wechselndem Licht erscheinen. Zugleich räumt sie Landschaftsbeschreibungen mehr Raum ein und ergänzt den klassischen Rätselkrimi um actionreichere Thriller-Elemente.

Im Mittelpunkt steht außerdem die gesellschaftliche Stellung von Frauen. Miss Marple wird wegen ihres Alters, ihres Strickzeugs und ihrer zurückhaltenden Art unterschätzt. Foley überträgt dieses Motiv auf weitere weibliche Figuren, die als Ehefrau, Filmstar, alte Jungfer oder Nonne auf stereotype Rollen reduziert werden.

„Mord im Grand Alpine Hotel“ erscheint am 30. September im Penguin-Verlag. Der neue Fall spielt 50 Jahre nach „Sleeping Murder“, dem letzten Miss-Marple-Roman Agatha Christies.

Rückkehr einer klassischen Ermittlerin

Mit „Mord im Grand Alpine Hotel“ erscheint am 30. September 2026 erstmals seit 50 Jahren wieder ein vollständiger Miss-Marple-Roman. Die Veröffentlichung knüpft an „Ruhe unsanft“ an, den letzten nachgelassenen Marple-Fall von Agatha Christie aus dem Jahr 1976. Lucy Foley schreibt die Figur im Auftrag von Christies Erben fort und verlegt den Schauplatz aus dem vertrauten englischen Milieu in die Schweizer Alpen.

Die Fortsetzung steht damit in einer langen Tradition literarischer Figuren, die nach dem Tod ihrer Schöpfer weitergeführt werden. Entscheidend ist in diesem Fall die Balance zwischen Wiedererkennung und Eigenständigkeit: Foley übernimmt Marples Beobachtungsgabe, ihre gesellschaftliche Unsichtbarkeit und das Spiel mit falschen Fährten, ergänzt die Vorlage aber um ausführliche Landschaftsbilder, mehrere Erzählperspektiven und actionreichere Elemente.

Krimi als Gesellschaftsbild

Besondere Bedeutung erhält die Darstellung weiblicher Figuren. Der Roman nutzt die konservativen Rollenbilder der 1950er-Jahre nicht nur als historisches Ambiente, sondern auch als Mittel der Handlung: Frauen werden unterschätzt und dadurch von ihrer Umgebung übersehen. Für Leserinnen und Leser ist der Band deshalb mehr als ein nostalgischer Whodunit; er verbindet den klassischen Rätselkrimi mit einer Auseinandersetzung über Macht, Geschlecht und gesellschaftliche Wahrnehmung.

Die Veröffentlichung dürfte zugleich unterschiedliche Erwartungen ansprechen. Christie-Fans finden vertraute Motive wie verschlossene Räume, soziale Masken und wechselnde Verdächtigungen. Wer einen modernen Thriller erwartet, trifft dagegen auf ein bewusst gemächlicheres Tempo und eine stärker atmosphärische Erzählweise.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

NDR: „Miss Marple ermittelt wieder: Drei Neuheiten für Krimi-Fans“ (28.09.2026)

Der Bericht bestätige die Rückkehr der Ermittlerin in die Schweizer Alpen und ordne den Roman als eine von mehreren aktuellen Krimi-Neuheiten ein. Er hebe hervor, Foley erzähle zunächst aus mehreren Perspektiven die Vorgeschichte des Mordes und lasse Miss Marple erst ungefähr in der Mitte stärker auftreten; zugleich würdige er die 1950er-Jahre-Atmosphäre und die nostalgische Wirkung. Anders als die dpa-Besprechung konzentriere sich der Beitrag stärker auf Lesetempo, Gewaltgrad und Publikumswirkung.

Der Artikel beschreibe den Roman als gemächlichen Krimi mit wenig Gewalt und sehe darin eine Nähe zu Agatha Christies Erzählweise. Offen bleibe in dieser Perspektive vor allem, wie stark die modernere gesellschaftliche Akzentsetzung das klassische Marple-Erlebnis verändere.

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