Zugunglück in Spanien: 68 Tote bei Kollision nahe Urda
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 01:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Bahnverkehr und Ermittlungen
- Die Kollision ereignete sich am Mittwochmorgen nahe Urda in der Provinz Toledo.
- In den beiden Zügen waren mehr als 540 Fahrgäste von Madrid nach Andalusien unterwegs.
- 53 Verletzte wurden noch in Krankenhäusern behandelt, mehrere davon in kritischem Zustand.
Bergung nach Zugunglück bei Urda läuft weiter
Nach dem schweren Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe Urda in der spanischen Provinz Toledo haben Einsatzkräfte in der Nacht nach weiteren Opfern gesucht. Mindestens 68 Menschen starben, mehr als 100 weitere wurden verletzt.
Mit Flutlicht und drei Kränen wollten die Helfer zwei besonders schwer beschädigte Waggons anheben, in denen sie weitere Opfer vermuteten.
Viele Vermisste nach der Kollision
Das Unglück ereignete sich am Mittwochmorgen kurz vor 9.00 Uhr. Ein Zug der staatlichen Renfe fuhr auf einen stehenden Zug des privaten Unternehmens Iryo auf; mehrere Waggons stürzten einen Bahndamm hinunter.
In den beiden Zügen waren insgesamt mehr als 540 Menschen von Madrid nach Andalusien unterwegs. 53 Verletzte wurden nach Angaben der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha noch in Krankenhäusern behandelt, mehrere von ihnen in kritischem Zustand.
Identifizierung der Opfer dauert an
Viele Angehörige suchten in der Nacht weiter nach vermissten Familienmitgliedern. DNA-Proben wurden in Madrid sowie in Toledo, Córdoba und Sevilla entnommen.
Ministerpräsident Pedro Sánchez ordnete eine dreitägige Staatstrauer bis Samstag an und kündigte eine umfassende Aufklärung an. Er verwies dabei auch auf das Zugunglück von Adamuz im Januar, bei dem 46 Menschen ums Leben gekommen waren.
Untersuchung konzentriert sich auf Sicherungssystem
Verkehrsminister Óscar Puente sprach von einer möglicherweise falschen Entscheidung der Bahnleitstelle. Das automatische Zugsicherungssystem habe nach einem Computerausfall noch nicht wieder funktioniert, dennoch sei dem Renfe-Zug die Weiterfahrt erlaubt worden.
Ob menschliches Fehlverhalten vorlag, soll die Untersuchung klären. Ermittler der Polizei und der unabhängigen Unfalluntersuchungsbehörde AITAT befragten bereits den zuständigen Fahrdienstleiter.
Gewerkschaft hält an Streik fest
Die Eisenbahngewerkschaft kritisierte den Zustand des Bahnnetzes. Die Lokführergewerkschaft Semaf hielt an einem angekündigten Streik für Verbesserungen bei der Sicherheit fest.
Am Abend gedachten Menschen im ganzen Land mit Schweigeminuten der Opfer. In Madrid kam es bei einer von rechtsextremen Gruppen unterstützten Kundgebung vor dem Transportministerium zu Spannungen zwischen Demonstranten und der Polizei.
Das Unglück von Urda trifft Spanien wenige Monate nach der Katastrophe von Adamuz erneut an einem zentralen Punkt des Hochgeschwindigkeitsverkehrs. Bei dem Unfall im Januar kamen 46 Menschen ums Leben. Die zeitliche Nähe erhöht den politischen Druck, weil die Regierung nach dem früheren Unglück bereits zusätzliche Investitionen in Wartung und Sicherheit zugesagt hatte.
Im Mittelpunkt der nun angekündigten Untersuchung steht die Frage, wie ein Renfe-Zug weiterfahren konnte, obwohl das automatische Zugsicherungssystem nach einem Computerausfall nicht wieder verfügbar war und ein Iryo-Zug auf dem Streckenabschnitt stand. Das deutsche LZB-System soll Geschwindigkeiten und Fahranweisungen kontinuierlich überwachen; bei Störungen gewinnt deshalb die Kommunikation zwischen Leitstelle und Zugpersonal besondere Bedeutung.
Sicherheitsdebatte vor dem Streik
Die spanische Eisenbahngewerkschaft kritisiert seit Längerem den Zustand des Netzes. Der angekündigte Streik der Lokführergewerkschaft Semaf dürfte die Debatte über Wartung, Ausfallsicherheit und personelle Verantwortung verschärfen. Für Reisende geht es neben der Aufklärung des konkreten Unfalls auch um die Frage, wie der Bahnverkehr bei technischen Störungen sicher begrenzt oder unterbrochen wird.
Vorerst bestimmen jedoch Bergung, Identifizierung der Opfer und die Versorgung der Verletzten das Geschehen. Die dreitägige Staatstrauer und die landesweiten Schweigeminuten zeigen die nationale Dimension der Katastrophe. Politisch dürfte der Umgang mit den Untersuchungsergebnissen vor der vorgezogenen Parlamentswahl eine zentrale Rolle spielen.
