Mein Schiff 3 rammt zwei Schiffe – Polizei ermittelt gegen Kapitän
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 20:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Schiffe und Besatzung
- Die Wasserschutzpolizei leitete gegen den Kapitän ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen möglicher Verletzung der Sorgfaltspflicht ein.
- An Bord befanden sich 2.428 Gäste und 922 Crewmitglieder; Verletzte oder einen Wassereinbruch gab es nicht.
- Alle drei beteiligten Schiffe erhielten ein Auslaufverbot, während die Schäden untersucht und Reparaturen vorbereitet werden.
Ermittlungen nach Kollision im Bremerhavener Hafen
Nach der Kollision der «Mein Schiff 3» mit zwei Containerschiffen in Bremerhaven ermittelt die Polizei gegen den Kapitän. Die Reise des Kreuzfahrtschiffes zu den Kanaren wurde wegen erheblicher Schäden abgesagt.
Windböe bringt Kreuzfahrtschiff vom Kurs
Der Unfall ereignete sich am späten Sonntagabend beim Auslaufen aus dem Hafen. Nach Angaben der Polizei erfasste eine Windböe die von Schleppern unterstützte «Mein Schiff 3», die anschließend auf zwei am Containerterminal Stromkaje liegende Containerschiffe zutrieben.
Gegen den Kapitän wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Geprüft werde, ob er gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen habe. Weitere Ermittlungen der Wasserschutzpolizei laufen.
Schäden in Millionenhöhe
Die Polizei schätzt den Sachschaden auf eine Millionensumme. Am größeren Containerschiff wurde die Backbordseite auf mehreren Metern aufgerissen, zudem wurden Containerführungen deformiert. Das kleinere Containerschiff wurde leichter beschädigt.
Auch die «Mein Schiff 3» erlitt erhebliche Schäden, unter anderem an Rettungsbooten und der Brücke. Die Schäden liegen jeweils mehrere Meter über der Wasserlinie. Bei keinem der drei Schiffe gab es einen Wassereinbruch oder Verletzte.
Kanarenreise fällt aus
Die ursprünglich nahezu voll besetzte 20-tägige Kreuzfahrt wurde abgesagt. Technikexperten der Reederei stellten fest, dass das Schiff kurzfristig in eine Werft muss. Die Gäste erhalten den Reisepreis vollständig zurück und können nach Angaben von Betroffenen mit der Bahn abreisen.
Auslaufverbot für alle drei Schiffe
Nach dem Unfall fuhr die «Mein Schiff 3» zurück zum Kreuzfahrtterminal. Alle drei beteiligten Schiffe erhielten ein Auslaufverbot. Nach Angaben des Bremer Hafenressorts beeinträchtigten möglicherweise ins Wasser gefallene Schiffsteile den Schiffsverkehr zunächst nicht.
Zum Unfallzeitpunkt waren 2.428 Gäste und 922 Crewmitglieder an Bord. Ob weitere für dieses Jahr geplante Reisen der «Mein Schiff 3» nach der Reparatur stattfinden können, war zunächst offen.
Der Unfall ereignete sich beim Auslaufen aus dem Hafen von Bremerhaven unter Beteiligung von drei Schiffen. Nach Angaben der Polizei erfasste eine Windböe die «Mein Schiff 3», obwohl das Kreuzfahrtschiff von Schleppern unterstützt wurde. Die Ermittlungen sollen klären, ob der Kapitän die erforderliche Sorgfalt eingehalten hat.
Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren bedeutet zunächst keine strafrechtliche Anklage und nimmt dem Kapitän keine Schuld vorweg. Bei der nautischen Bewertung dürften unter anderem Windverhältnisse, Manöver, Schlepperunterstützung, Abstände und die Reaktion der Brückenbesatzung eine Rolle spielen. Die Wasserschutzpolizei muss dafür die Aussagen der beteiligten Schiffsführungen und die Schäden an allen drei Schiffen auswerten.
Schäden bestimmen den weiteren Fahrplan
Für die Passagiere hat der Unfall unmittelbare Folgen: Die 20-tägige Kanarenreise fällt aus, der Reisepreis wird nach Angaben der dpa vollständig erstattet. Für die Reederei stehen nun die Begutachtung und Reparatur in einer Werft im Vordergrund. Ob weitere geplante Reisen der «Mein Schiff 3» stattfinden können, hängt vom Umfang der Arbeiten und der technischen Freigabe ab.
Dass kein Schiff wasserseitig beschädigt wurde und niemand verletzt wurde, begrenzt die unmittelbaren menschlichen Folgen. Die aufgerissene Außenhaut des großen Containerschiffs, deformierte Containerführungen und die Schäden am Kreuzfahrtschiff zeigen jedoch, dass der Vorfall erhebliche Auswirkungen auf Eigentümer, Reederei und Hafenbetrieb hat. Die drei Schiffe dürfen zunächst nicht auslaufen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „Kreuzfahrtschiff rammt zwei Containerschiffe in Bremerhaven“ (26.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die Kollision und das Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Kapitän. Im Mittelpunkt steht die polizeiliche Prüfung eines möglichen Sorgfaltspflichtverstoßes.
n-tv: „Kreuzfahrt nach Kollision abgesagt: Was Urlaubern zusteht“ (26.10.2026)
Der Artikel bestätigt die Absage der 20-tägigen Kanarenreise und setzt einen anderen Schwerpunkt auf die Folgen für die Reisenden. Im Vordergrund stehen dabei Erstattung und Rückreise, während die Ermittlungen nur den Ausgangspunkt bilden.
Übereinstimmend ist damit, dass die Reise wegen der Schäden ausfällt und die Polizei gegen den Kapitän ermittelt. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Blickwinkel: Während die Tagesschau das mögliche Fehlverhalten und den Unfallhergang hervorhebt, konzentriert sich n-tv auf die Ansprüche der Passagiere.
