Hells Angels, Geldwäsche

Razzia gegen Hells Angels: Polizei beschlagnahmt Vermögen in Millionenhöhe

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 11:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Mehr als 1.000 Einsatzkräfte durchsuchen seit dem Morgen Wohnungen und Geschäftsräume in Deutschland und mehreren europäischen Ländern. Die Ermittler vollstrecken 14 Haftbefehle und wollen Vermögenswerte von 48,6 Millionen Euro sichern.

  • Einsatzkräfte der Polizei stehen am Mittwochmorgen vor einem Haus in Duisburg - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Einsatzkräfte der Polizei stehen am Mittwochmorgen vor einem Haus in Duisburg - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Die Razzia richtet sich auch gegen Mitglieder der Rockergruppe «Hells Angels». (Symbolbild)  - Bild: Fredrik von Erichsen/dpa
    Die Razzia richtet sich auch gegen Mitglieder der Rockergruppe «Hells Angels». (Symbolbild) - Bild: Fredrik von Erichsen/dpa
Einsatzkräfte der Polizei stehen am Mittwochmorgen vor einem Haus in Duisburg - Bild: Christoph Reichwein/dpa Die Razzia richtet sich auch gegen Mitglieder der Rockergruppe «Hells Angels». (Symbolbild)  - Bild: Fredrik von Erichsen/dpa

Mit mehr als 1.000 Einsatzkräften geht die Polizei seit Mittwochmorgen in Deutschland und mehreren europäischen Ländern gegen ein Geldwäsche-Netzwerk im Umfeld der Rockergruppe Hells Angels vor.

14 Haftbefehle vollstreckt

Nach dpa-Informationen wurden 14 Haftbefehle vollstreckt. Insgesamt sollen Vermögenswerte in Höhe von 48,6 Millionen Euro beschlagnahmt werden.

Eine Polizeisprecherin sagte, der Einsatz richte sich gegen ein internationales Netzwerk von Geldwäschern sowie gegen eine kriminelle Vereinigung. Nach dpa-Informationen handelt es sich bei dieser um die Hells Angels. Insgesamt werden nach Angaben der Polizei mehr als 100 Objekte durchsucht; es gibt 71 Beschuldigte.

Vorwürfe reichen bis zu Waffendelikten

Unter den Beschuldigten sind laut den Ermittlungsbehörden Verantwortliche eines bundes- und europaweit tätigen Geldwäschenetzwerks sowie hochrangige Mitglieder einer Rockergruppierung. Ihnen werden unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung, räuberische und gewerbsmäßige Erpressung, banden- und gewerbsmäßiger Betrug sowie gewerbsmäßige Geldwäsche vorgeworfen.

Außerdem geht es den Angaben zufolge um Waffendelikte, Körperverletzung und Steuerhinterziehung. Die Ermittler beschreiben den Fall als Beispiel für die Verflechtung Organisierter Kriminalität mit internationaler Wirtschaftskriminalität. Durch professionelle Verschleierung würden erhebliche Geldbeträge in einen künstlichen Wirtschaftskreislauf überführt und unter anderem in Firmen und Grundbesitz investiert.

Großeinsatz in Duisburg

Ein dpa-Reporter beobachtete am Mittwochmorgen einen umfangreichen Einsatz von Spezialeinsatzkräften an der Adresse eines einflussreichen Hells-Angels-Rockers in Duisburg. Die Polizei berichtete von zahlreichen Durchsuchungen in Nordrhein-Westfalen.

Parallel wurden sechs Objekte in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Berlin und Bayern sowie sieben Objekte in Belgien, Bulgarien und den Niederlanden durchsucht. Die Maßnahmen in den Ländern außerhalb Deutschlands fanden in eigener Zuständigkeit statt.

Ermittlungen laufen seit mehr als vier Jahren

Federführend sind die Staatsanwaltschaft Duisburg und das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben der «Bild» laufen die Ermittlungen seit mehr als vier Jahren.

Ausgangspunkt war demnach eine Schießerei auf dem Hamborner Altmarkt im Mai 2022. Bei der Auseinandersetzung in Duisburg mit mehr als 100 Beteiligten waren damals Rocker mit Mitgliedern einer türkisch-libanesischen Großfamilie aneinandergeraten.

Geldwäsche als Schnittstelle der Organisierten Kriminalität

Der aktuelle Großeinsatz richtet sich nicht nur gegen einzelne Vermögensdelikte. Nach Darstellung der Ermittler geht es um ein Netzwerk, das mutmaßlich verschiedene Straftaten, Firmenstrukturen und Investitionen in Grundbesitz miteinander verbunden habe. Genau diese Verbindung erschwert die Aufklärung: Illegale Einnahmen müssen in legale Wirtschaftskreisläufe eingeschleust, verschoben und anschließend verschleiert werden.

Die Größenordnung der Maßnahmen unterstreicht den internationalen Charakter des Verfahrens. Mehr als 100 Durchsuchungsorte in mehreren deutschen Ländern sowie Objekte in Belgien, Bulgarien und den Niederlanden zeigen, dass Ermittler parallel gegen Personen, Infrastruktur und Vermögenswerte vorgehen. Die Beschlagnahme von 48,6 Millionen Euro zielt dabei auf den wirtschaftlichen Kern des Netzwerks.

Folgen für Duisburg und die Ermittlungen

Für Duisburg knüpft der Einsatz an eine Vorgeschichte gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Rockergruppen und weiteren kriminellen Milieus an. Die Schießerei auf dem Hamborner Altmarkt im Mai 2022 war nach den vorliegenden Angaben ein Ausgangspunkt der mehrjährigen Ermittlungen. Nun müssen die Behörden klären, welche Rollen die 71 Beschuldigten jeweils gespielt haben und wie die Geldflüsse organisiert waren.

Für Betroffene und die Öffentlichkeit sind vor allem die Vermögenssicherung und die weitere gerichtliche Aufarbeitung bedeutsam. Haftbefehle und Beschlagnahmen schaffen zunächst die Grundlage für Verfahren; über Schuld und konkrete Verantwortlichkeiten entscheiden die zuständigen Gerichte.

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