Letzte-Hilfe-Kurse: Angehörige lernen Begleitung am Lebensende
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSLetzte-Hilfe-Kurse in Trier vermitteln Angehörigen und anderen Interessierten, wie sie sterbende Menschen begleiten und mit den Veränderungen am Lebensende umgehen können.
Veränderungen am Lebensende verstehen
Wenn ein Mensch stirbt, zieht er sich mitunter zunehmend zurück, lehnt Besuche ab, verliert das Interesse an Essen und Trinken oder schläft mehr. Auch der Wunsch nach Berührung kann nachlassen. Die Kursleiterinnen Ingrid Stork und Annika Robling erläutern, wie Angehörige solche Veränderungen annehmen können.
Zum Sterbeprozess können zudem Atemveränderungen und Atemaussetzer gehören. Robling weist darauf hin, dass das Gehör häufig bis zuletzt erhalten bleibe und Angehörige deshalb bewusst darauf achten sollten, welche Gespräche sie am Bett eines sterbenden Menschen führten.
Mut zur Begleitung
Der Kurs soll Menschen ermutigen, an der Seite Sterbender zu bleiben, statt sich aus Angst vor dem Kommenden abzuwenden. Teilnehmerinnen berichten von persönlichen Erfahrungen mit schwer erkrankten Angehörigen, Unsicherheit und dem Wunsch nach Austausch mit erfahrenen Begleitern.
Die Kurse sollen die Scheu vor dem Thema Tod nehmen. Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation Letzte Hilfe Deutschland gibt es inzwischen rund 6.000 Kursleitende in Deutschland. Der erste Kurs fand 2015 in Schleswig statt.
Grundwissen für Nicht-Profis
Der vierstündige Kurs richtet sich an Menschen ohne Vorkenntnisse. Behandelt werden unter anderem die Bedürfnisse Sterbender, Möglichkeiten zur Linderung von Beschwerden, Trauer, Bestattung und regionale Hilfsangebote. Die Idee des Palliativ- und Notfallmediziners Georg Bollig hat sich nach Angaben der Organisation auch international verbreitet.
Letzte-Hilfe-Kurse werden häufig in Hospizen angeboten, finden aber auch in Unternehmen oder Cafés statt. Inzwischen gibt es entsprechende Angebote in fast 20 Ländern, darunter Brasilien und Australien.
Wünsche respektieren
Im Mittelpunkt steht, die Wünsche des sterbenden Menschen zu beachten. Wenn Ruhe gewünscht werde, sollten Angehörige dies akzeptieren. Zugleich könne es guttun, ein Lieblingsessen zu kochen oder einen besonderen Moment gemeinsam zu gestalten.
Viele Menschen möchten zu Hause sterben. Unterstützung bietet unter anderem die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung. Ärzte und Pflegekräfte sind dabei rund um die Uhr erreichbar. Der Kurs informiert außerdem über ambulante Hospizdienste und weitere regionale Anlaufstellen.
Nähe und einfache Hilfe
Auch einfache Maßnahmen können das Wohlbefinden steigern, etwa Mundpflege, angenehme Düfte oder eine Massage mit Aromaölen. Entscheidend sei nicht, dass Angehörige zu Experten würden, sondern dass sie einem Menschen zugewandt blieben. Vorkenntnisse seien für die Teilnahme nicht erforderlich.
Niedrigschwellige Orientierung am Lebensende
Letzte-Hilfe-Kurse setzen dort an, wo Angehörige häufig wenig vorbereitet sind: bei den letzten Tagen und Wochen eines schwer kranken Menschen. Nach Angaben der Initiative vermitteln die Kurse in vier Modulen à 45 Minuten Grundlagen zu Sterben, Vorsorge, Linderung von Leiden und Abschied. Ziel ist nicht, professionelle Pflege zu ersetzen, sondern Sicherheit im persönlichen Beistehen zu geben.
Die Initiative ist aus der Hospiz- und Palliativarbeit entstanden. Ihre Entwicklung zeigt, dass die Begleitung am Lebensende zunehmend auch als gesellschaftliche Aufgabe verstanden wird. Nach eigenen Angaben haben bereits mehr als 150.000 Menschen an Kursen teilgenommen; mehr als 6.000 Kursleitende seien ausgebildet worden. Kurse gibt es demnach inzwischen in 23 Ländern.
Unterstützung für Familien zu Hause
Für Angehörige ist entscheidend, dass ein Kurs nicht bei allgemeinen Ratschlägen endet. Hinweise auf Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, ambulante Hospizdienste und spezialisierte ambulante Palliativversorgung können helfen, rechtzeitig Unterstützung zu organisieren. Gerade der Wunsch, zu Hause zu sterben, verlangt eine Abstimmung zwischen Familie, Ärzten, Pflege und Hospizdiensten.
Die Bedeutung solcher Angebote reicht deshalb über die einzelne Kurssituation hinaus. Sie können Hemmschwellen senken, regionale Hilfen bekannter machen und Angehörige darin bestärken, Wünsche des sterbenden Menschen zu beachten. Fachliche Versorgung und menschliche Nähe bleiben dabei unterschiedliche, aber miteinander verbundene Aufgaben.
