Lebenshaltungskosten: Angst vor steigenden Preisen steigt auf 59 Prozent
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 12:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten ist in Deutschland deutlich gewachsen: 59 Prozent der Befragten äußern große Sorge, dass das Leben teurer wird.
Lebenshaltungskosten erneut größte Sorge
Damit steht dieses Thema erneut an der Spitze der Rangliste der Studie «Die Ängste der Deutschen». Seit Beginn der jährlichen Befragung im Jahr 1992 belegte die Sorge zum 16. Mal den ersten Platz. Im Vorjahr hatten 52 Prozent der Befragten große Angst vor steigenden Kosten.
Steuern und Geflüchtete folgen
Auf Platz zwei liegt die Sorge vor Steuererhöhungen und Leistungskürzungen. 53 Prozent äußerten davor große Angst. Den dritten Platz belegt die Angst vor einer Überforderung des Staates durch Geflüchtete mit 52 Prozent.
2.400 Menschen befragt
Die R+V-Versicherung gab die Untersuchung in Auftrag. Meinungsforscher befragten dafür zwischen Mai und Juli rund 2.400 Menschen ab 14 Jahren. Die Teilnehmenden bewerteten vorgegebene Themen auf einer Skala von eins bis sieben; die Werte fünf bis sieben wurden als große Angst zusammengefasst.
Unsicherheit prägt Wahrnehmung
Wirtschaftspsychologe Burkhard Schmidt von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen führt die Ergebnisse vor allem auf Zukunftsängste und Unsicherheit zurück. Die Menschen wüssten nicht mehr, was als Nächstes teurer werde und worauf sie sich verlassen könnten, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
51 Prozent äußerten große Angst vor einer schlechteren Wirtschaftslage – zehn Prozentpunkte mehr als 2025. Um den eigenen Arbeitsplatz sorgten sich dagegen nur 20 Prozent der Erwerbstätigen. Nach Einschätzung des Experten erleben viele Menschen ihre persönliche Lage als stabil, nehmen die Gesamtwirtschaft aber über Nachrichten und Preise als unsicher wahr.
Frauen sorgen sich häufiger
Frauen äußerten bei fast allen abgefragten Themen häufiger große Angst als Männer. Bei den Lebenshaltungskosten lag ihr Anteil bei 63 Prozent, bei Männern bei 55 Prozent. Schmidt erklärt den Unterschied unter anderem mit geringeren Durchschnittseinkommen und niedrigeren Alterseinkünften von Frauen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Einkünfte von Frauen ab 65 Jahren 2025 rund 24 Prozent unter denen von Männern. Zudem hätten Frauen häufig mehr Kontakt mit Alltagspreisen, etwa durch regelmäßige Einkäufe. Der Studie lasse sich allerdings nicht entnehmen, welchen Anteil das Geschlecht selbst an den Unterschieden habe; Frauen seien im Durchschnitt auch älter.
Klimasorge verliert an Bedeutung
Die Angst vor dem Klimawandel erreichte mit 30 Prozent einen der hinteren Plätze. Die Sorge vor Naturkatastrophen lag bei 27 Prozent. Beide Werte waren in der Geschichte der Befragung noch nie so niedrig.
Gefühlte und gemessene Teuerung
Die Ergebnisse der Befragung treffen auf ein Umfeld, in dem sich die Preisentwicklung zuletzt wieder verschärft hat. Die Inflationsrate in Deutschland stieg im September auf 3,3 Prozent nach 2,9 Prozent im August. Haupttreiber waren stark verteuerte Energieprodukte; Lebensmittel legten dagegen deutlich weniger zu.
Für die Wahrnehmung der Haushalte ist nicht allein die monatliche Inflationsrate entscheidend. Maßgeblich ist das über Jahre gestiegene Preisniveau: Auch wenn sich die Teuerung verlangsamt, bleiben frühere Preissprünge bestehen. Besonders sichtbar wird das bei regelmäßig bezahlten Ausgaben wie Mieten, Energie, Kraftstoff und Lebensmitteln.
Belastung ungleich verteilt
Die Folgen hängen stark von Einkommen, Wohnsituation und Verbrauch ab. Haushalte mit hohen Energiekosten, Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit geringem finanziellen Spielraum können Preissteigerungen kaum durch Rücklagen oder einen veränderten Konsum ausgleichen. Der Unterschied zwischen Frauen und Männern verweist zudem auf strukturelle Einkommens- und Altersvorsorgelücken.
Energie als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor
Steigende Kraftstoff- und Heizölpreise können über Transport, Produktion und Dienstleistungen weitere Kosten auslösen. Zugleich können staatliche Entlastungen die Preisentwicklung vorübergehend dämpfen, ohne das grundlegende Problem des hohen Preisniveaus zu beseitigen. Für Verbraucher bedeutet das, dass sich die gefühlte Unsicherheit auch bei künftig moderateren Monatsraten halten kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Inflationsrate steigt im September auf 3,3 Prozent“ (30.09.2026)
Der Bericht schreibe, die deutsche Inflationsrate sei im September wegen stark gestiegener Energiepreise auf 3,3 Prozent geklettert. Er bestätige damit den im dpa-Bericht beschriebenen Eindruck höherer Alltagskosten, setze den Schwerpunkt jedoch auf die aktuellen Kraftstoff- und Heizölpreise sowie deren mögliche Weitergabe an andere Preise. Offen bleibe, wie dauerhaft der Energiepreisschub wirke.
Übergreifend bestätige der Bericht, dass insbesondere Energie die Wahrnehmung der Lebenshaltungskosten prägen könne. Einen anderen Schwerpunkt bilde die Frage, wie sich die gemessene Inflation und die individuelle Belastung der Haushalte auseinanderentwickelten.
