Kölner Bühnen nach 14 Jahren Sanierung wiedereröffnet
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 20:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Kölner Oper und das Schauspielhaus sind am Abend nach 14 Jahren Sanierung und Kosten von weit über einer Milliarde Euro mit einem Festakt wiedereröffnet worden.
„Die Zeit des Wartens ist vorbei“
„Wir sitzen tatsächlich hier, die Zeit des Wartens ist vorbei“, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD). Zugleich entschuldigte er sich bei den Kölnerinnen und Kölnern für Fehler, die auch die Stadt gemacht habe.
Opern-Intendant Hein Mulders bezeichnete die Rückkehr nach 14 Jahren als „einen irren Moment“. Im Saal säßen Menschen, die darauf gewettet hätten, dass das Projekt niemals fertig werde.
Ein Haus für die Stadtgesellschaft
Burmester erinnerte an die Bedeutung des 1957 eröffneten Opernhauses, das vom Architekten Wilhelm Riphahn entworfen wurde. Der Bau sei Ausdruck der damals noch jungen westdeutschen Demokratie und solle Kultur allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich machen.
Deshalb gebe es keine Logenplätze, sondern gleichberechtigte Plätze für alle. Riphahn habe einen „Plenarsaal der Musik“ und keinen Palast für eine Elite schaffen wollen.
Vier Bühnen kehren zurück
NRW-Kulturministerin Ina Brandes (CDU) nannte die Wiedereröffnung von Oper, Schauspielhaus, Kleinem Haus und Kinderoper einen guten Tag für Köln und Nordrhein-Westfalen.
Schauspiel-Chef Kay Voges sagte zu, dass das Theater im sanierten Gebäude weiterhin kühn und mutig bleiben werde. Das Schauspiel hatte in den vergangenen Jahren auf einem ehemaligen Fabrikgelände im multikulturell geprägten Stadtteil Mülheim gespielt und dort ein neues, junges Publikum erreicht.
Ein Bauprojekt mit ungewöhnlicher Vorgeschichte
Die Wiedereröffnung beendet eine der längsten und teuersten Theatersanierungen Deutschlands. Aus den zunächst deutlich niedrigeren Planungen entwickelte sich ein Großprojekt mit Kosten von rund anderthalb Milliarden Euro. Verzögerungen, Umplanungen und technische Probleme prägten die Jahre, in denen Oper und Schauspielhaus nicht am Offenbachplatz spielen konnten.
Für Köln bedeutet die Rückkehr mehr als die Wiederinbetriebnahme eines Gebäudes. Oper, Schauspielhaus, Kleines Haus und Kinderoper erhalten wieder einen gemeinsamen, zentralen Standort. Das Schauspiel bringt zugleich Erfahrungen aus dem Ausweichquartier in Mülheim mit, wo es ein jüngeres und vielfältigeres Publikum erreichte. Diese Öffnung wird daran gemessen werden, ob sie auch am alten Standort fortbesteht.
Hohe Erwartungen an den Neustart
Die ersten Premieren markieren den praktischen Belastungstest. Im Schauspielhaus steht am Freitag «In bester Lage» auf dem Programm, am Sonntag folgt im Opernhaus Richard Strauss’ «Der Rosenkavalier». Kurz vor dem Festakt berichtete der WDR über mechanische und softwarebedingte Störungen an Podien, Lichttechnik und Lastenaufzug. Die Bühnen erklärten, bei einem Projekt dieser Größenordnung seien Nachjustierungen im laufenden Betrieb realistisch.
Damit richtet sich der Blick zunächst auf die Alltagstauglichkeit der Technik und den Umgang mit weiteren Mängeln. Kulturpolitisch wird zudem entscheidend sein, ob Köln das sanierte Haus dauerhaft mit künstlerischem Profil, bezahlbaren Angeboten und einem breiten Publikum füllt. Die Wiedereröffnung ist daher ein wichtiger Meilenstein, aber noch nicht das Ende der Bewährungsprobe.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Kölner Oper: Kurz vor der Premiere gibt es gravierende Technikprobleme - nach 14 Jahren Bauzeit“ (24.09.2026)
Der Bericht bestätige die Wiedereröffnung nach 14 Jahren und richte den Schwerpunkt auf technische Probleme vor den ersten Premieren. Mechanische und softwarebedingte Störungen an Podien, Beleuchtung und Lastenaufzug hätten dazu geführt, dass Teile der Inszenierung des «Rosenkavalier» angepasst worden seien; offen bleibe, wann alle Fehler behoben seien.
WDR: „Spielplan Kölner Oper: Programm ohne internationalen Glanz“ (22.09.2026)
Der Artikel bestätige die Rückkehr nach 14 Jahren und Kosten von rund anderthalb Milliarden Euro, bewerte jedoch vor allem den Spielplan der ersten Saison. Kritiker hielten ihn für konventionell und bemängelten viele Übernahmen sowie fehlende internationale Topstars; zugleich werde der sanierte Saal als gelungen und klanglich überzeugend beschrieben.
Medienübergreifend werde die historische Bedeutung der Wiedereröffnung anerkannt. Unterschiede ergäben sich beim Blick auf die unmittelbaren Risiken: Während der eine Bericht die technische Funktionsfähigkeit hervorhebe, richte der andere die Aufmerksamkeit auf das künstlerische Profil und die überregionale Bedeutung der Oper.
